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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.11.2016

András Schiff in DänemarkMultitasking in Bedrängnis

Aufzeichnung aus Kopenhagen

Der ungarische Pianist András Schiff (picture-alliance/dpa/Martin Schutt)
Der ungarische Pianist András Schiff (picture-alliance/dpa/Martin Schutt)

Er kann alles - der begnadete Pianist András Schiff dirigierte schon häufiger vom Klavier aus, nun leitete er in Kopenhagen auch einen ganzen Abend mit Chor- und Orchestermusik - mit dabei seine drei Lieblingskomponisten Schubert, Beethoven und Haydn.

Er ist ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben - der exil-ungarische Pianist András Schiff lebt in Italien und London, hat in Florenz sein eigenes Kammerensemble mit dem Namen "Capella Andrea Barca" (Kapelle András Schiff), weltweit gibt er Solorezitals und spielt er Kammermusik und Orchesterkonzerte. Nun gab ihm das renommierte Dänische Rundfunk-Sinfonieorchester die Gelegenheit, sowohl als Solist wie auch als Dirigent groß besetzter Werke seiner klassisch-romantischen Lieblinge in Erscheinung zu treten.

Ein Männerchorstück mit Begleitung eines tiefen, also geigenlosen Streichorchesters, stand am Beginn dieses Konzerts, Franz Schuberts etwas mystisch angehauchte Goethe-Vertonung des "Gesangs der Geister über den Wassern. Dann kehrte Schiff an seinen Stammplatz zurück, um Beethovens Erstes Klavierkonzert zu spielen und anzuleiten. Wobei es schon eine anspruchsvolle Aufgabe ist, ein Klavierkonzert Ludwig van Beethovens vom Pianohocker aus zu dirigieren. Schließlich verlangt der Bonner Meister ein größeres Orchester als seine Wiener klassischen Vorbilder.

Der zweite Teil des Abends im Koncerthuset von Danmarks Radio war ganz der so genannten Nelson-Messe Joseph Haydns vorbehalten. Das geistliche Werk schwankt stimmungsmäßig zwischen Jubel und Ängstlichkeit - der Titel "Missa in Angustiis" (Messe in Bedrängnis) und die ungewöhnliche Tonart d-Moll deuten auf zeitgeschichtliche Umstände hin, die Joseph Haydn hier bedacht hatte. Als er in Esterhaza komponierte, herrschte Krieg in Europa am Ende des 18. Jahrhunderts. Napoleons Frankreich bedrohte die europäische Staatenordnung. Der Beiname dieses facettenreichen Sakralwerks (Nelson-Messe) stammt nicht unbedingt von Haydn, zeigt aber an, dass man in Österreich-Ungarn darüber froh war, dass Lord Nelson vor Ägypten die französische Flotte vernichtend geschlagen hatte. Den Fluch von Krieg und Imperialismus sollte Haydn nicht loswerden - noch Jahre später musste er in Wien miterleben, wie die Franzosen die Stadt beschossen und besetzten - auch diese Umstände hat er in seine Werke eingearbeitet.

Konzerthaus des Dänischen Rundfunks, Kopenhagen
Aufzeichnung vom 10. November 2016

Franz Schubert
"Gesang der Geister über den Wassern" für Männerchor und Streicher D 714

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15

Joseph Haydn
"Missa in Angustiis" d-Moll für Soli, Chor und Orchester Hob. XXII:11 (Nelson-Messe)

Anna Lucia Richter, Sopran
Britta Schwarz, Mezzosopran
Julian Prégardien, Tenor
Robert Holl, Bass
Konzertchor des Dänischen Rundfunks
Sinfonieorchester des Dänischen Rundfunks
András Schiff, Klavier und Leitung

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