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Studio 9 | Beitrag vom 14.07.2015

Amy Winehouse Der traurige Club der 27-Jährigen

Von Laf Überland

Sängerin Amy Winehouse bei einem Auftritt beim Glastonbury Festival im Juni 2008. (picture alliance / dpa / Frantzesco Kangaris)
Sängerin Amy Winehouse bei einem Auftritt beim Glastonbury Festival im Juni 2008. (picture alliance / dpa / Frantzesco Kangaris)

Brian Jones, Jimi Hendrix, Kurt Cobain und eben auch Amy Winehouse – sie alle starben mit 27 Jahren. Flugs wurde daraus in der nach Legenden lechzenden Pop-Welt die Mär vom Club 27, in den sich eben jene eingereiht haben. Dabei sterben statistisch mehr Musiker mit 28.

Als am Morgen des 19. Juli 1970 Wolfgang, der Freund des jugendlichen Rebellen Überland in die Umkleide der Turnhalle am Gymnasium kam, so guckte, als habe er gerade Meister Schnitter persönlich getroffen und nur raunte "Jimi ist tot!", da wackelte für die romantische Subkulturseele das Weltbild.

Keine drei Wochen später starb Janis Joplinan einer Überdosis Alkohol mit Heroin, und im darauf folgenden Sommer dann setzte sich Jim Morrison den goldenen Schuss.

Ogottogott! Drei Lichtgestalten der neuen, besseren, alternativen Welt, deren Soundtrack alle drei gesungen und gespielt hatten! Und alle waren erst 27 gewesen – genau wie Brian Jones, der engelsgleiche Gitarrist der Rolling Stones, der bereits 1969 im Alter von 27 Jahren in seinem eigenen Swimmingpool ertrunken war, vermutlich unter Drogeneinfluss. Schrecklich, das alles! Aber so war es nun mal.

27 war eindeutig ein schlechtes Alter für Helden

Doch die Popwelt braucht ihre Mythen, und in der Popmythologie herrscht ein steter Bedarf an raunenden Geheimnissen. Und so fiel den ersten bekifften Rockfans aus dem neuen Wassermannzeitalter bald auf, dass damals wirklich gerne mit 27 gestorben wurde im Rock: Grateful-Dead-Mitgründer Pigpen, Canned Heat-Gitarrenprophet Al Wilson - 27 war eindeutig ein schlechtes Alter für Helden, so rumorte es! 

In den Achtzigern wurde es dann insgesamt weniger mit dem Sterben von Popstars, mutmaßlich wegen der verbesserten Heroin-Therapie. Doch als Kurt Cobain von Nirvana sich 1994 mit 27 in den Kopf schoss, da wurde für diesen schillernden wichtigsten Alternative-Rockstar die Fama vom Klub 27 wieder ausgegraben und durch die neuen Medien dann ein für alle Mal in die Realität geschossen.

Das Dumme ist nur, dass nach verschiedenen pseudowissenschaftlichen und wissenschaftlichen Erhebungen keine signifikante Häufung von Todesfällen mit 27 existiert.

Die meisten sterben mit 56 Jahren

Die vorerst letzte Untersuchung einer australischen Forscherin hat bei der Sichtung von 12.665 Todesfällen bei Musiker herausgefunden, dass mehr Musiker mit 28 sterben als mit 27 und die meisten anscheinend mit 56. Nur befanden sich unter den 27-Jährigen mehr Berühmtheiten!

Ob das einen ursächlichen Hintergrund hat, ist unklar. Aber das macht ja nichts: Pop lebt von Image, und Image lebt von Legenden, und nicht nur die Plattenfirmen profitieren ja von der kultischen Verehrung, sondern eben auch der Fan, der nicht will, dass sein kultisch verehrtes Idol einfach so abtritt, am Sternenstaub erstickt oder vom Regenbogen fällt.

Und deshalb wird Amy Winehouse auch ganz einfach dann mal zu diesem Club 27 dazu gerechnet.

Gelegentlich zanken sich übrigens die Rock-Mythologie-Fans, wer denn überhaupt qualifiziert ist, zu diesem Club 27 zu gehören - jeder Rockstar, der mit 27 stirbt oder nur die großen Fünf aus dem Drogennebel von Brian Jones bis Cobain. Aber so lange das nicht eindeutig geklärt ist, sagen wir allen Musikern unter 28: Passt auf Euch auf! 

Mehr zum Thema:

Dokumentarfilm "Amy" - "Wir sind alle Voyeure gewesen"
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(Deutschlandfunk, Corso, 11.07.2015)

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Postheroismus - Wenn Helden nicht mehr nötig sind
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 22.10.2014)

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