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Studio 9 | Beitrag vom 11.09.2014

"Ambient Intelligence"Schöne schlaue Arbeitswelt

Die Wanderausstellung DASA in Dortmund zeigt, was am Arbeitsplatz technisch bereits möglich ist

Von Antje Grajetzky

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DASA-Mitarbeiterin Jana Rech schaut in der Ausstellung "Schöne schlaue Arbeitswelt" in der DASA Arbeitswelt in Dortmund durch eine Datenbrille. (picture alliance / dpa)
Intelligente Umgebungen sind bereits Realität geworden, zum Beispiel in Form dieser Datenbrille. (picture alliance / dpa)

Eine neue Ausstellung in Dortmund zeigt digitale Hilfsmittel für den Arbeitsalltag. Zu besichtigen sind unter anderem Gürtel, die vibrieren, wenn man krumm am Schreibtisch sitzt. Es geht auch um die Frage, ob Technik wirklich intelligent sein kann.

Virtuelle Welten, Datenbrillen und Messgeräte, die den Sauerstoffgehalt fremder Planeten scannen, gibt es schon lange in Science-Fiction-Filmen.

"Wir zeigen diese Wanderausstellung, um einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, dass intelligente Umgebungen, "Ambient Intelligence", mittlerweile schon Realität geworden ist. Und dass diese Technologien Chancen haben, dass sie Risiken haben, und dass das untersucht wird. Und das wollen wir eigentlich darstellen, wie es untersucht wird, um es für den Menschen gut gestaltbar zu machen."

Feuerwehrleute tragen Sensoren in der Kleidung

Gregor Isenbort ist der Direktor der DASA Arbeitswelt Ausstellung. Fünf offene Kuben, jeder in einer anderen leuchtenden Farbe, sind im Ausstellungsraum aufgebaut. Im gelben Kubus sind Technologiebausteine wie SD-Karten, USB-Sticks, Sensoren und Sender-Empfänger-Systeme zu sehen, die eine berührungslose Identifikation und Lokalisierung von Objekten ermöglichen. Werden die Daten dann ausgelesen, können sie wichtige Informationen liefern.

"Der Feuerwehrmann im Einsatz hat zunächst einmal sein Atemschutzgerät, über das er mit Sauerstoff versorgt ist, aber was in seiner Umgebung an Gefahrstoffen und Gasen vorhanden ist, dass spürt er eben nicht, aber das kann natürlich Hinweise auf Explosionsgefahren und Vergiftungsgefahren geben", ...

...erklärt Lars Adolph, Wissenschaftler der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Die Schutzkleidung für Feuerwehrleute, die hier entwickelt wird, hat integrierte Sensoren, die sowohl die Umgebung analysieren, als auch die Körperdaten des Trägers lesen können. Entscheidend ist, wie diese Informationen verwertet werden. Sie können effektive Brandbekämpfung und einen höheren Schutz der Feuerwehrleute bewirken, aber auch leichtsinnigeres Handeln oder eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Verwertung der Körperdaten zur Folge haben.

Umblättern mit der Datenbrille

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz erforscht diese Fragestellungen. Im Mittelpunkt der Forschung zu "Ambient Intelligence" stehen Arbeitsmittel

"Die sich an die Arbeitsanforderungen und die Anforderungen des Menschen besonders gut anpassen können. Insofern adaptiv. Das Arbeitsmittel passt sich den Anforderungen der Situation und des Menschen an und wir fokussieren das, weil darin die Chancen der menschengerechten Arbeitsgestaltung für uns stecken."

Noch klappt es allerdings nicht immer perfekt mit der neuen Technik: Im roten Kubus können die Besucher eine Datenbrille ausprobieren. Holzklötze sollen verbaut werden. Durch die Brille sehe ich zugleich die Anleitung als auch meine reale Konstruktion mit den Holzklötzchen. Die Datenbrille blättert automatisch um - zu schnell für mich. Am Ende bin ich weder von dem Hilfsmittel noch von meinem Ergebnis überzeugt - eine Reaktion, die durchaus auch in der realen Arbeitswelt üblich ist. Die Datenbrille hilft nicht dem geübten Monteur, sondern dem Lernenden. Und sie unterstützt in den Fällen, in denen sie mit der Umgebung interagiert.

"Wenn sie zehn Rohrleitungen haben und zehn Ventile, dass in der Brille angezeigt wird, um welche Ventile und Rohrleitungen sie sich jetzt kümmern müssen, damit dort keine Fehlbedienungen vornehmen."

Intelligente Lichtsysteme können den Stromverbrauch senken, wenn nur nach Bedarf geleuchtet wird, oder auch die Lichtverhältnisse an die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Jana Rech führt durch die Ausstellung:

"An jedem Würfel steht eine dieser Leuchten. Die verfügt über eine so genannte Schwarmtechnologie. Das bedeutet: hier kommt jemand rein, diese Lampe registriert, aha es betritt jemand den Raum, macht komplett hell und alle anderen Lampen wissen durch Ultraschallsignale von dieser Lampe, es ist jemand im Raum und machen das indirekte Licht nach oben an."

Wie wirkt ein bestimmtes Licht auf den Schlafrhythmus?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz beschäftigt sich mit diesen Systemen, weil ...

"...das Licht auch manipulativ eingesetzt werden kann. Ein hoher Blaulichtanteil kann künstlich wach halten. Dass man ein Beleuchtungssystem integriert, dass nach der Mittagspause, wenn alle müde sind, den Blaulichtanteil erhöht."

Deshalb wird erforscht, wie sich biologisch wirksames Licht auf den Schlafrhythmus oder den Hormonhaushalt auswirkt. Es gibt bislang kaum gesicherte Erkenntnisse, denn der Fotorezeptor im menschlichen Auge, der auf den Blaulichtanteil im Lichtspektrum reagiert, wurde erst 2001 entdeckt. Der hohe Blaulichtanteil im Spektrum findet sich in den LED-Leuchten, auch diese Technologie steht noch am Anfang.

"Letztlich betreiben wir Forschung, um die Arbeitswelt mitzugestalten."

Trotzdem ist es in der Ausstellung noch ein bisschen wie in vielen heutigen Büros: Die Gestaltung der Ausstellung "Schöne schlaue Arbeitswelt" ist sehr nüchtern und unspektakulär. Was sie aber auszeichnet ist eine große Transparenz. An jeder Station wird das jeweilige Thema mit Videos zu Forschungsintentionen- und projekten aufgefächert. Dadurch gelangt der Besucher vom einzelnen Exponat zum Einblick in die komplexen Chancen und Risiken von Ambient Intelligence. Und auch Hausfrauen und –männern kann mit Ambient Intelligence geholfen werden:

"Diese Socken sind mit Chips ausgestattet, die es mir ermöglichen, wenn die Socken aus der Waschmaschine kommen und ich habe fünfzig Paar, dass ich diese genau zuordnen kann, welche zu wem gehört. Man braucht dafür diesen Scanner und ein iPhone, man scannt seine Socken und weiß diese gehört zu dieser und ich weiß auch, wie oft ich die schon gewaschen hab und praktischerweise kann ich sagen, warne mich bei zehn mal Waschen, dann bestelle ich sofort neue."

 

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