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Tonart | Beitrag vom 21.10.2019

Amadeu-Antonio-Stiftung über #hallezusammen"Wichtig, dass es solche Zeichen gibt"

Timo Reinfrank im Gespräch mit Andreas Müller

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Joris, Max Giesinger und Michael Schulte singen zu dritt in ein Mikrofon. (Imago / Future Image / R. Stoffels)
Joris, Max Giesinger und Michael Schulte sangen am Ende des Konzerts „Imagine“ von John Lennon. (Imago / Future Image / R. Stoffels)

Über Soli-Konzerte nach Ereignissen wie in Halle lässt sich streiten. Timo Reinfrank von der Amadeu-Antonio-Stiftung findet gut, dass es #hallezusammen gab und dass die Stadt es mitorganisierte: Das stehe für Zusammenhalt.

Wenn in Deutschland schockierende Dinge passieren, wird gerne ein großes Konzert organisiert, mit dem man "ein Zeichen setzen" will, wie es dann oft heißt. Nach der Ermordung von zwei Menschen in Halle und dem versuchten Anschlag auf die Synagoge der Saale-Stadt war das auch so. Am 19. Oktober traten Musikerinnen und Musiker wie Mark Forster, Alice Merton und Max Giesinger unter der Überschrift #hallezusammen auf dem Hallenser Marktplatz auf – und 14.000 Menschen kamen, um sich das anzusehen.

Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu-Antonio-Stiftung, sagt zu dem Solidaritätskonzert in Halle und ähnlichen Veranstaltungen: Diese hätten durchaus was für sich. Sie seien ein wichtiges Instrument, "um die Menschen zusammenzubringen und um Zusammenhalt zu demonstrieren" – während Rechtsterrorismus ja gerade auf die Spaltung der Gesellschaft ziele und darauf, Gruppen gegeneinander auszuspielen. 

"Nicht selbstverständlich"

Der Geschäftsführer der Stiftung, die die Zivilgesellschaft gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus stärken will, findet es gut, dass hier die Kommune die Organisation in die Hand genommen habe, denn dies sei eben nicht selbstverständlich, "weil wir auch ganz viele Städte haben, die das nicht tun". Reinfrank nennt als Beispiel ein Konzert im sächsischen Chemnitz und erklärt, dass es hier vollkommen unverständlich gewesen sei, was auf Landesebene in Sachsen nach dem Konzert #wirsindmehr geschehen war: "Das tauchte dann hinterher unter 'Linksextremismus' im Verfassungsschutzbericht des Freistaats auf."

Auch deshalb begrüßt er das Engagement der Stadt Halle: Wenn die eigene Landesregierung das Engagement als Linksextremismus einstufe, "dann finde ich es um so wichtiger, dass Städte auch aufstehen." 

Die Betroffene einbinden

Das mag einen Marketing-Effekt haben – Motto: "Wir sind aber ganz anders, wir sind eine weltoffene Stadt", sagt Reinfrank: "Aber für die Leute ist es doch enorm wichtig, dass es solche Zeichen gibt."

Es wäre gut, wenn die Zivilgesellschaft, die Gruppen, auf die der Anschlag zielte, beteiligt wären, findet Reinfrank. Es bedürfe eines ganz klaren Zeichens der Solidarität und der Einbindung, dass es sich bei den Menschen, auf die der Anschlag zielte, eben nicht um die sogenannten anderen handele. "Die jüdische Gemeinde muss da vor Ort sein, die türkische, die muslimische Gemeinde – die müssen im Vordergrund stehen. Man muss sie fragen, wie es ihnen geht."

Es sei auch wichtig, sich hinter die konkreten Menschen zu stellen: "Das Gefühl der Ausgrenzung, dass bestimmte Gruppen gegeneinander ausgespielt werden, das darf da am Ende nicht stehen bleiben!" 

Die Gefahr bei solchen Konzerten sei, dass sich das Gefühl einstelle, etwas gemacht zu haben – "aber es ändert sich im Prinzip im Alltag vor Ort nichts". 

(mfu)

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