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Interview | Beitrag vom 14.07.2020

Alternsforscher Christoph Englert"Unser maximales Lebensalter sind 120 Jahre"

Moderation: Dieter Kassel

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Close up der blauen Augen eines alten Menschen. (Getty Images / E+ / skynesher)
Forscher ergründen die biologischen Prozesse des Alterns - und die sind sehr komplex. (Getty Images / E+ / skynesher)

Da mögen einige noch so sehr vom ewigen Leben träumen: Bei 120 Jahren ist Schluss, sagt der Wissenschaftler Christoph Englert. Wir alt wir maximal werden können, ist in unsere Gene eingeschrieben: Auslesen können wir den Todeszeitpunkt dennoch nicht.

Seit 150 Jahren steigt die Lebenserwartung pro Jahr im Schnitt um drei bis vier Monate an. Dieser Umstand zusammen mit immer besseren Heilungs- und Therapiemöglichkeiten für viele Krankheiten gibt dem alten Traum neue Nahrung, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen und ihn zu überwinden.

Und doch wird das ewige Leben immer ein Traum bleiben, meint Christoph Englert, Leiter der Forschungsgruppe Molekulare Genetik des Alterns am Leibniz-Institut für Alternsforschung. "Für uns Menschen ist die maximale Lebensgrenze bei etwa 120 Jahren."

Denn Altern sei ein sehr komplexer Vorgang - und selbst wenn man den einen oder anderen damit verbundenen Prozess zurückdrehen könne, so Englert, kämen immer noch andere Prozesse ins Spiel. Daran werde sich auch in zwei-, drei- oder vierhundert Jahren nichts ändern.

Gene und individuelles Verhalten

Evolutionär habe es auch durchaus Sinn, dass wir sterben, sagt der Wissenschaftler. Denn Lebewesen müssten sich an eine sich ständig verändernde Umwelt anpassen: "Das erreichen Sie eigentlich nur durch einen Generationenwechsel."

Zu der Idee, dass jedem Menschen das Todesdatum gleichsam in die Gene eingeschrieben ist, äußert sich Englert zurückhaltend: "Ich glaube, die Gene spielen eine sehr große Rolle", sagt er. Aber sie eröffneten nur einen Möglichkeitsraum:

"In Ihren Genen, in meinen Genen steht drin, wie alt wir werden können. Ob wir das ausschöpfen, dieses maximale Alter, das uns individuell zur Verfügung steht, dass uns gegeben ist, das liegt natürlich ganz stark an unserem Verhalten – Rauchen, Alkohol, Sport, Ernährung."

Die Information, wie alt man maximal werden könne, lasse sich nicht aus den Genen auslesen: "Es gibt nämlich noch eine Interaktion zwischen der Umwelt und den Genen, die so komplex ist, dass sie sich zumindest im Moment noch der Forschung entzieht", berichtet der Alternsforscher. "Und die verhindert auch, dass wir genau voraussagen können, wann unser Todestag sein wird." 

(uko)

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