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Studio 9 | Beitrag vom 26.03.2020

Alternativen zum ToilettenpapierZeitung ist nicht zum Wischen da

Von Thomas Wagner

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Eine Hand greift nach einer leeren Rolle Klopapier (Jasmin Sessler / Unsplash.com)
Das Toilettenpapier wird mancherorts knapp. Doch Feuchttücher und Küchenkrepp sollte man keinesfalls im Klo runterspülen. (Jasmin Sessler / Unsplash.com)

Da viele Menschen Klopapier hamstern, greifen andere stattdessen zur Zeitung, zum Küchenkrepp oder zum Feuchttuch. Schon jetzt verstopfen deshalb Rohre und Kläranlagen. Dabei gibt es eine simple, kanalisationsschonende Alternative zu Toilettenpapier.

Was tun, wenn das Toilettenpapier ausgeht?

Vorschläge von Menschen aus Friedrichshafen am Bodensee: "Waschlappen?" "Ich habe ein Video im Internet gesehen, wie man sich Klopapier selbst herstellen kann." "Toilettenpapier – früher hat man Zeitungspapier genommen. Wahrscheinlich sind Zeitungen das Beste…"

Auf gar keinen Fall. Zeitungspapier als Alternative zum ständig knapper werdenden Toilettenpapier – geht gar nicht, sagt Joachim Eberlein, Referatsleiter Gewässerreinhaltung beim baden-württembergischen Umweltministerium:

"Zeitungspapier gehört nicht rein, oder Küchenkrepp, oder Papiertaschentücher – die gehören auf keinen Fall in die Toilette."

Verstopfte Rohre

Das Problem: Weil Toilettenpapier knapp ist, werden alle nur möglichen Ersatzutensilien mit einigem Schwung und Tatendurst die Toilette hinab gespült – und verstopfen danach Rohre, vor allem aber die Kläranlagen. Erste Fälle gibt es bereits:

"Wir haben es aus dem Regierungsbezirk Tübingen gehört, jetzt auch aus Stuttgart. Daraus kann ganz schnell ein Riesenproblem entstehen."

Auf den Leitstellen der Kläranlagen, bei den kommunalen Abwasser-Zweckverbänden und in den Rathäusern ist man informiert. Mit was sich die Verbraucher den Hintern nun mangels richtigem Toilettenpapier tatsächlich abwischen – das unterliegt noch keiner Reglementierung. Aber was sie danach übers Abwasser wegspülen, das kann den Verantwortlichen nicht einerlei sein.

Monika Blank, Sprecherin der Stadt Friedrichshafen, sagt: "Wir haben schon die eindringliche Bitte an die Bevölkerung: Wenn schon etwas in die Toilette geworfen wird, dann ist es Toilettenpapier und nichts anderes."

Feuchte Tücher gehören nicht ins Klo

Der Appell kommt nicht von ungefähr: Denn je länger die Coronakrise andauert, je knapper Toilettenpapier wird, desto vielfältiger der Unrat, den die Mitarbeiter der Klärwerke aus ihren Anlagen fischen:

"Das sind die feuchten Tücher, Hygienetücher. Auch Küchentücher, die in die Kanalisation kommen, gehören da einfach nicht hin. Die gehören in den Abfall."

Gerade in jüngster Zeit landet zunehmend eine Form von Müll in den Kläranlagen, die für deren Betrieb eine große Gefahr darstellt:

"Die gleiche Problematik ergibt sich, wenn man wegen der Coronapandemie so Desinfektionstücher über die Toilette entsorgt. Das Problem liegt darin, dass diese Feuchttücher zum größten Teil aus Kunststofffasern bestehen. Sie sind reißfest und lösen sich deshalb im Gegensatz zu Toilettenpapier nicht im Wasser auf."

Klumpen in den Pumpen

Das ist der Anfang einer langen Kette von unerwünschten Folgeerscheinungen, sagt Joachim Eberlein vom baden-württembergischen Umweltministerium:

"Dann kommen sie in den Kanal. Da verstopfen sie die Abwasserpumpen. Da bilden sie lange Klumpen und führen zu Funktionsstörungen im Kanal. Das ist in der derzeitigen Situation eben ganz schwierig."

Warum, erklärt Monika Blank, Sprecherin der Stadt Friedrichshafen: "Das hat dann Reparaturen zur Folge. Das ist in diesen Zeiten natürlich besonders schwierig."

Auch in den Kläranlagen sind, um die Ansteckungsgefahr mit Corona möglichst niedrig zu halten, so wenige Mitarbeiter wie möglich vor Ort. Müssen die auch noch in den Reparatureinsatz wegen verstopfter Zuleitungen, werde der Betrieb insgesamt kritisch, so Joachim Eberlein:

"Und da besteht natürlich eine zusätzliche Gesundheitsgefahr, wenn man jetzt diese Zöpfe, diese Pumpen reinigen und das entfernen muss. Das sollte man eigentlich auf gar keinen Fall machen. Aber wenn das nicht erfolgt, dann entsteht ein Riesenproblem für die Anwohner. Weil: Irgendwann staut sich dann das Abwasser auch zurück."

Die Alternative ist simpel

Möglicherweise bis in die Häuser und Toiletten hinein – und das in Zeiten, wo sich die Bürgerinnen und Bürger vornehmlich zu Hause aufhalten sollten. Nicht auszudenken, was dann passiert. Was aber tun, wenn wirklich kein geeignetes Toilettenpapier zur Verfügung steht?

Die Zeitung jedenfalls ist nur zum Lesen da, nicht zum Wischen. Und trotzdem gibt es noch eine Alternative:

"Toilettenpapier – wenn man das nicht hat, dann kann man ja wiederverwendbare Waschlappen verwenden."

Monika Blank von der Stadt Friedrichshafen ergänzt: "Deswegen sind wir wirklich auf die Bevölkerung angewiesen, die uns da unterstützt, das Richtige in die Toilette wirft. Und alles andere wandert in den Abfall."

Nur so lasse sich vermeiden, dass der Coronakrise und dem Toilettenpapiermangel nun auch noch eine Kanalisationskrise folgt, die dann möglicherweise bis zum Himmel stinkt.

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