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Sonntag, 16.06.2019
 
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Kulturnachrichten

Montag, 20. Mai 2019

Alter des Turiner Grabtuchs bezweifelt

Über eine mögliche neue Altersbestimmung des Turiner Grabtuchs beraten am Donnerstag Wissenschaftler an der Universität Catania. Es gehe dabei um eine Neuinterpretation der Daten aus der Radiokarbon-Messung, die 1988 vorgenommen worden war. Einer Mitteilung der Universität zufolge, könnte das 4,36 Meter lange und 1,10 Meter breite Leinentuch, das als Grabtuch Jesu verehrt wird, nicht erst aus dem Mittelalter, sondern schon aus der Antike stammen. Bei der Untersuchung 1988 war eine Gewebeprobe dreigeteilt an Labore in Zürich, Oxford und Arizona geschickt worden. Diese bestimmten die Entstehungszeit auf die Zeit zwischen 1260 und 1390 n. Chr. In Catania wollen Grabtuchforscher, Statistiker und Datenanalysten die ursprünglichen Daten wie auch bisher unveröffentlichte Rohdaten der Messungen begutachten. Die Labors seien damals zu recht unterschiedlichen Ergebnissen gekommen, "wahrscheinlich weil die getesteten Proben nicht homogen waren", so Torrisi.

Brentano-Akademie in Aschaffenburg gegründet

Aschaffenburg widmet dem Romantik-Schriftsteller Clemens Brentano eine Akademie. Die neue Einrichtung wolle das literarische, kulturelle und gesellschaftliche Erbe der Romantik vermitteln, gab die Stadt in einer Mitteilung bekannt. Ab Juni kommenden Jahres soll alle zwei Jahre ein Festival mit Konzerten, Vorträgen, Theater, Workshops, Poetry Slam und weiteren Veranstaltungen stattfinden. Der Romantik-Dichter Clemens Brentano starb 1842 in Aschaffenburg und wurde dort bestattet.

Manuskripte von Kafka-Freund Brod an Israel übergeben

Israels Nationalbibliothek erhält weitere Dokumente aus dem Nachlass des Kafka-Freundes Max Brod (1884-1968). Vertreter des Bundeskriminalamtes wollen in der israelischen Botschaft in Berlin rund 5000 Seiten aus Brods Privatarchiv an Israel übergeben, wie das BKA und die Bibliothek bestätigten. Die Dokumente waren nach Angaben der Nationalbibliothek vor rund zehn Jahren in Tel Aviv gestohlen und nach Deutschland geschmuggelt worden, wo sie 2015 beschlagnahmt wurden. Die Dokumente waren vermutlich aus der Wohnung der einstigen Sekretärin Brods in Tel Aviv gestohlen und unter anderem dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach zum Kauf angeboten worden. Nach einem Gerichtsverfahren in Wiesbaden wurden die Dokumente, Notizen und Korrespondenz dem Brod-Nachlass zugesprochen.

US-Museum kann Cranach-Gemälde behalten

Das Oberste Gericht der USA hat einen Eigentümerstreit um zwei Gemälde des Renaissance-Künstlers Lucas Cranach der Ältere nicht angenommen. Im Zweiten Weltkrieg hatten die Nationalsozialisten einen jüdischen Kunsthändler in den Niederlanden zum Verkauf der Bilder "Adam" und "Eva" gezwungen, seine Schwiegertochter Marei von Saher klagte auf ihre Rückgabe. Allerdings hatte die niederländische Regierung die Gemälde 1971 an ein Museum in Kalifornien verkauft. Mit der Entscheidung des Obersten Gerichts in Washington bleiben die Urteile der Vorinstanzen in Kraft, dass dieser Deal rechtmäßig war. Auch ein niederländisches Gericht hatte gegen den Anspruch von Sahers entschieden.

Gedenktafel für Zadek in Berlin enthüllt

Der legendäre Theaterregisseur Peter Zadek (1926-2009) hat eine Gedenktafel in Berlin bekommen. Zadek war Intendant am Schauspielhaus Bochum, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und von 1992 bis 1995 Mitglied des Direktoriums des Berliner Ensembles. Die Gedenktafel findet sich in der Offenbacher Straße im Stadtteil Wilmersdorf. Dort lebte Zadek von seiner Geburt bis 1933, als er mit seinen Eltern nach England emigrierte. 1958 kehrte er nach Deutschland zurück. Zur Enthüllungszeremonie kamen die Schriftstellerin und letzte Lebensgefährtin Zadeks, Elisabeth Plessen, die Schauspielerin Angela Winkler und Michelle Zadek, Tochter des Regisseurs.

Fassbinder Center eröffnet

Nun ist der Nachlass des Filmregisseurs Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) im Fassbinder Center in Frankfurt zugänglich. Deutsches Filminstitut und Filmmuseum (DFF) eröffneten dort heute Nachmittag das Zentrum. Der Nachlass des früh verstorbenen Fassbinders, der mit Filmen wie "Die Ehe der Maria Braun" und "Lili Marleen" als einer der bedeutendsten Filmemacher der Nachkriegszeit gilt, wurde mit Hilfe von Hessischer Kulturstiftung und der Kulturstiftung der Länder angekauft. Auch die Stadt Frankfurt hat sich beteiligt. Der Regisseur hat zahlreiche Drehbücher, Finanzierungspläne, Drehpläne, Verträge, Produktionsakten und Korrespondenzen hinterlassen. Auch Fassbinders legendäres Ledersofa und sein Flipperautomat haben eine neue Heimat in Frankfurt gefunden. Die Eröffnung nutzten Filmmuseum und Filminstitut zugleich zur Feier ihres 70-jährigen Bestehens. Das DFF, 1949 in Wiesbaden als Deutsches Institut für Filmkunde gegründet, zählt zu den ältesten Einrichtungen der Filmwissenschaft in Deutschland. Zusammen mit dem Bundesarchiv und der Stiftung Deutsche Kinemathek kommt ihm bei der Bewahrung von Originalmaterialien aus allen Epochen der Filmgeschichte die Aufgabe einer nationalen Kinemathek zu.

Kritische russische Journalisten gekündigt

Die renommierte russische Tageszeitung "Kommersant" hat nach einem kritischen Bericht über "die mächtigste Frau Russlands" erhebliche Probleme bekommen. Zwei Politik-Redakteure des liberalen Blattes hätten nach der Veröffentlichung ihre Stellen verloren, schrieben die beiden Mitarbeiter auf Facebook. Der Eigentümer der Zeitung, der kremlnahe Oligarch Alischer Usmanow, sei mit dem Bericht nicht einverstanden gewesen. Aus Solidarität mit den Kollegen kündigten daraufhin der Vize-Chefredakteur und zehn weitere Journalisten ihre Stellen. Im April hatten die Journalisten über eine mögliche Stellen-Rochade in den höchsten Ämtern des Landes berichtet. Demnach sollte die Vorsitzende des Föderationsrates, Valentina Matwijenko, Chefin des russischen Rentenfonds werden; der Leiter des Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, werde daraufhin den Posten der 70-Jährigen übernehmen, berichtete die Zeitung damals. Die Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin wies den Bericht zurück. Seit Jahren beklagen die wenigen unabhängigen Medien, dass der Druck vor allem auf investigative Journalisten zunehme. Immer wieder werden sie attackiert oder inhaftiert.

"Mannheimer Morgen" bekommt Doppelspitze

Die Tageszeitung "Mannheimer Morgen" wird künftig von zwei Chefredakteuren geleitet. Karsten Kammholz, bisher Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion der Funke Zentralredaktion in Berlin, wechselt zum 1. September nach Mannheim. Der 40-Jährige bildet dann mit dem amtierenden Chefredakteur Dirk Lübke eine Doppelspitze. Dies teilte der Geschäftsführer des "Mannheimer Morgen", Florian Kranefuß,mit. "Mit dem Ausbau der redaktionellen Führung wollen wir zusätzliche innovative Angebote schaffen, bestehende Angebote weiterentwickeln und erfolgreich weiter wachsen", erklärte Kranefuß. Der "Mannheimer Morgen" erscheint mit seinen Partnerzeitungen in einer Auflage von 115 000 Exemplaren in Nordbaden, Südhessen, der Pfalz und in Tauberfranken.

"Auf Wiedersehen, Game of Thrones"

Die preisgekrönte Fantasy-Saga "Game of Thrones" ist nach acht Staffeln und 73 Folgen Geschichte: Am frühen Montagmorgen strahlte der Pay-TV-Sender Sky das große Finale aus. Acht Jahre lang hatte "GoT" Fans auf der ganzen Welt gefesselt. Allein in Amerika erreichte die Serie laut dem US-Sender HBO pro Folge rund 43 Millionen Menschen. Traurig über das Ende sind nicht nur viele Fans, sondern auch die Protagonisten. So schrieb Emilia Clarke, die die Drachenkönigin Daenerys Targaryen spielte, auf Instagram, die Serie habe sie als Frau, Schauspielerin und Mensch geprägt. Sophie Turner, die Sansa Stark verkörperte, schrieb, sie sei mit der Serie aufgewachsen, habe sich in sie verliebt und werde nie vergessen, was sie ihr beigebracht habe. Auch wenn die finale Staffel von vielen Anhängern kritisiert und eine Online-Petition für neue Drehbücher von Hunderttausenden unterstützt wurde, gab es in sozialen Medien viel Lob für den Abschluss der Saga. In der 75-minütigen Abschlussepisode mit dem Titel "Der Eiserne Thron" zeigen die Serienmacher das Schicksal der noch verbliebenen Hauptcharaktere und beantworten die Frage, wer am Ende die Macht über den fiktiven Kontinent Westeros erhält.

Film-Legende Alain Delon mit Goldener Palme geehrt

Der französische Schauspieler Alain Delon ist beim Festival in Cannes mit der "Goldenen Palme" für sein Lebenswerk geehrt worden. Die Auszeichnung wurde dem 83-Jährigen unter großem Applaus von seiner Tochter Anouchka überreicht. Delon zeigte sich gerührt und sagte, es sei lange her, dass er so viel geweint habe. Der Franzose war in den 60er- und 70er-Jahren unter anderem mit "Der eiskalte Engel" von Jean-Pierre Melville und "Der Leopard" von Luchino Visconti weltberühmt geworden. Die Verleihung der Ehrenpalme war von der amerikanischen Vereinigung "Women and Hollywood" kritisiert worden. Sie lancierte eine Petition gegen die Vergabe, weil Delon rassistisch, homophob und frauenfeindlich sei.

Alfred-Kerr-Darstellerpreis an Johannes Nussbaum

Johannes Nussbaum ist auf dem Berliner Theatertreffen mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet worden. Schauspieler Franz Rogowski entschied in diesem Jahr über den Preisträger. Er verlieh die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung an den 1995 in Österreich geborenen Nussbaum. Mit dem Preis wird jährlich eine junge Schauspielerin oder ein junger Schauspieler geehrt, der mit einer "herausragenden Leistung" in einem der eingeladenen Stücke aufgefallen ist. Nussbaum war als Darsteller in „Das große Heft“ vom Staatsschauspiel Dresden in Berlin zu sehen. Zum Berliner Theatertreffen werden jedes Jahr die zehn "bemerkenswertesten Inszenierungen" aus dem deutschsprachigen Raum eingeladen.

Mehrere niederländische Städte wollen ESC ausrichten

Mehrere niederländische Städte haben ihren Hut in den Ring geworfen, um den Eurovision Song Contest (ESC) im nächsten Jahr auszurichten. Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Maastricht bekundeten Interesse daran, Gastgeber der Mega-Veranstaltung im Jahr 2020 zu sein. Am Samstag hatte der große Favorit Duncan Laurence den diesjährigen ESC gewonnen. Traditionell findet der Musikwettbewerb im darauffolgenden Jahr im Gewinner-Land statt.

EBU kritisiert Polit-Provokationen beim ESC

Die EBU (European Broadcast Union) hat als Veranstalter des gestrigen Eurovision Song Contest politische Provokationen während der Show beklagt. Bei dem Auftritt Madonnas hatte ein Tänzer eine israelische Flagge und eine Tänzerin eine palästinensische Flagge auf dem Rücken. Ein EBU-Sprecher sagte: "Dieses Element der Show war nicht Teil der Proben, die von der EBU und dem israelischen Ausrichter genehmigt worden waren. Der ESC ist unpolitisch." Das habe man Madonna auch im Vorfeld klargemacht. Auch in israelischen sozialen Netzwerken wird die Aktion als naiv und bevormundend kritisiert. Auch die isländischen Vertreter, die Band "Hatari" zeigt die palästinensische Flagge. Die Europäische Rundfunkunion als Veranstalter erwägt Schritte, zumindest Islands Verstoß zu ahnden. Die palästinensische Organisation PACBI, die sich für akademischen und kulturellen Boykott Israels einsetzt, reagiert unzufrieden auf die Gesten der Solidarität. Die Künstler hätten sich mit ihren Acts trotz allem als "Feigenblätter" Israels missbrauchen lassen.

Kaschnitz-Preis geht an Angelika Klüssendorf

Die Schriftstellerin Angelika Klüssendorf hat den mit 7.500 Euro dotierten Marie Luise Kaschnitz-Literaturpreis der Evangelischen Akademie Tutzing erhalten. Sowohl Klüssendorfs Erzählungen als auch ihre Romane bestächen durch eine klare, direkte Sprache, die den Leser sofort in ihren Bann zieht, begründete die Jury ihre Entscheidung. Klüssendorf beschreibe Erfahrungen wie Liebe, Wut und die Würde des Einzelnen in einem fremdbestimmten Leben. Seit ihrem Debüt "Sehnsüchte. Eine Erzählung" schreibe sie aus der Perspektive von Schwachen und Gedemütigten, meist Mädchen und Frauen, mit literarisch von Buch zu Buch variierenden Mitteln. Klüssendorf steht laut Jury in der Tradition großer deutscher Erzählerinnen wie Marie Luise Kaschnitz, der Namensgeberin des Preises. Sie erhielt die Auszeichnung für ihr Gesamtwerk im Rahmen einer Literaturtagung am Wochenende in der Evangelischen Akademie.

Kontroverse um Voynich-Manuskript

Eines der geheimnisvollsten Dokumente der Geschichte soll nach 100 Jahren Rätselraten und Forschen entschlüsselt sein. Ein britischer Akademiker schreibt in der Fachzeitschrift "Romance Studies", er habe sowohl die mysteriöse Schrift als auch die Sprache des sogenannten Voynich-Manuskripts aus dem 15. Jahrhundert geknackt. Seit die Universität Bristol dies vergangene Woche bekannt gemacht hat, wächst allerdings die Skepsis unter Fachkollegen. Die Handschrift auf Pergament, 240 Seiten lang, sei in einer ausgestorbenen Sprache und einer heute unbekannten, aber einst üblichen Schrift geschrieben, sagte Gerard Cheshire, der es decodiert haben will. Die Sprache sei Protoromanisch, von der es bis heute keine andere Dokumentation gibt. Sie gilt als Verbindung zu heutigen romanischen Sprachen wie Spanisch, Französisch oder Italienisch. Fachkollegen weisen Cheshires Schlussfolgerungen aber zurück. Cheshire habe seine Thesen seit längerem an Fachkollegen verschickt und sei zwei Jahre lang nicht ernst genommen worden, sagte der Computer-Linguist Jürgen Hermes von der Universität Köln, der das Voynich-Manuskript 2012 in seiner Dissertation behandelt hat, der Deutschen Presse-Agentur.

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