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Stunde 1 Labor | Beitrag vom 06.12.2020

Alte Texte neu entdecktEin Plädoyer für vergessene Theaterstücke

Von Susanne Burkhardt und Robert Brammer

Ensembleszene aus "Die Wupper" von Else Lasker-Schüler. (Ruth Walz)
In einer leeren Berliner Volksbühne wurden Monologe und Ensembleszenen gespielt, Texte, die Lust machen sollen auf ein literarisches Theater. (Ruth Walz)

Manchmal entdeckt man im Kleiderschrank ein längst vergessenes Teil - und freut sich darüber. Warum nicht dasselbe mit Theaterstücken probieren?

Der Theaterkritiker Simon Strauß formulierte bereits 2018 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Sorge: "Verschwindet das Drama von den deutschen Bühnen? Und wird es stattdessen ersetzt durch Roman- und Filmadaptionen, Stückentwicklungen und dokumentarisches Theater?" Hinter diesen Fragen stand der Wunsch: Was, wenn es unter den Stücken unbekannte Schätze gibt, die man einfach nur entdecken müsste?

Ein Plädoyer für die Vielfalt

Das Feuilleton seiner Zeitung begab sich deshalb auf die Suche nach vergessenen oder wenig gespielten Theaterstücken. Mehr als 40 Texte wurden von Theaterenthusiasten ausgegraben – Texte, die Lust machen sollen auf ausgefallenes literarisches Theater, Texte, die auch einladen sollen, ein Plädoyer, sich die Vielfalt von Theatertexten vor Augen zu führen.

Gespielt wird nur für die Kamera

Ursprünglich geplant war ein großes Spektakel in der Berliner Volksbühne vor ausverkauftem Haus, mit langen, halbstündigen Inszenierungen. 

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Doch um das Ganze coronabedingt nun nicht komplett absagen zu müssen, wurden aus den Texten jetzt kurze Spielszenen destilliert und filmisch festgehalten, vor leerem Zuschauerraum und in Szene gesetzt vom Schweizer Regisseur Zino Wey. Gespielt wurde nur für die Kamera. (Zu sehen sind diese Filme bei faz.net.)

Zwei Stunden mit wieder entdeckten Texten

In einer zweistündigen Dokumentation kommen SchauspielerInnen zu Wort, der Initiator und die Wiederentdecker der meist unbekannten Stücke – zu hören sind ihre Begründungen und viele der in der Berliner Volksbühne gezeigten Szenen. So zum Beispiel "Medea" von Hanns Henny Jahnn mit Gina Haller, "Die heilige Johanna" von George Bernhard Shaw, gesprochen von Stefanie Reinsperger, "Gabriel" von George Sand mit Jella Haase  oder "Der neue Menoza" von Jakob Michael Reinhold Lenz mit Dörte Lyssewski und Nils Strunk. 

Im Tropen-Verlag (Klett-Cotta) hat Simon Strauß außerdem ein Buch mit den Texten der Stücke herausgegeben: "Spielplan-Änderung! 30 Stücke, die das Theater heute braucht!"

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