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Lesart / Archiv | Beitrag vom 27.10.2015

Alte Helden, neue GeschichtenDas "Star Wars"-Universum wächst

Von Stefan Mesch

Die Filmfigur "Master Yoda"ist am 20.05.2015 bei einem Presserundgang durch die Ausstellung "Star Wars Identities" im Odysseum in Köln zu sehen. (picture alliance / dpa - Henning Kaiser)
"Master Yoda" ist seit 2012 eine Disney-Figur - hier in der Ausstellung "Star Wars Identities" im Odysseum in Köln. (picture alliance / dpa - Henning Kaiser)

Es gibt "Star Wars"-Liebesromane und -Detektivgeschichten. Comics und Serien. Bevor der "Krieg der Sterne" mit "Das Erwachen der Macht" im Dezember in eine neue Runde geht, dehnt Disney das Erzähl-Universum aus. Stefan Mesch hat die Drumherum-Geschichten gelesen, die manchmal mehr wagen als die Kinofilme.

Schon in den 70er-Jahren, nach Erscheinen des ersten "Star Wars"-Films, wurden offizielle Romane veröffentlicht. Aus diesen Rand- und Nebengeschichten wuchs ein enges Geflecht aus Figuren und Details: das erste "Expanded Universe". Fans fragen sich bei solchen Beiwerk oft: "zählen" diese Geschichten? Wenn ein "Star Wars"-Roman den Helden Kinder und Kindeskinder andichtet – werden diese Figuren je den Sprung in neue Kinofilme schaffen? Oder bleibt das alles apokryph, widersprüchlich, vernachlässigbar?

2014 entschied Disney: Das "Extended Universe" ist vorbei. Die Geschichten, die in den letzten 30 Jahren als Roman, Comic, Videospiel etc. den "Star Wars"-Kosmos ergänzten und bespielten, sind nie passiert. Nur eine Kinder-Trickserie, "Star Wars: The Clone Wars" bleibt offiziell. Seitdem entwickelt Disney ein neues, zweites "Extended Universe" - einen "neuen Kanon" mit Geschichten, die zählen, offiziell und maßgeblich sind.

Star Wars-Liebesromane und -Krimis

Tatsächlich sind viele dieser neuen Geschichten, so Stefan Mesch, durchdacht, liebevoll, überraschend originell. Doch zwei große Probleme bleiben: Wenn Marken und Franchises wie "Star Wars" immer populärer werden, verkaufen sich statt Liebesromane und Detektivgeschichten zu viele "Star Wars"-Liebesromane und "Star Wars"-Detektivgeschichten: talentierte Autorinnen und Autoren, die im immer selben "Sandkasten" mit den immer gleichen Figuren spielen müssen. Und: Die großen "Star Wars"-Kinofilme bleiben Mainstream und versuchen, ein globales Publikum so wenig zu irritieren wie möglich. Die lesbische Jedi-Kriegerin darf nur bei "Rebels" Kurzauftritte haben, die kluge Geschichte über Widerstand, Datenschutz, Überwachung wartet im "Servants of the Empire"-Jugendbuch – nicht im Kino.

Je kleiner Zielgruppe und Publikum, desto mutiger die Geschichten und Figuren. Aber: Je mutiger die Geschichten und Figuren, desto kleiner die Chance, dass sie für die großen Kinofilme maßgeblich bleiben. Versteckte Perlen – mit dem "Star Wars"-Logo. Ein seltsamer Zwiespalt, so Mesch.

Der Literaturblogger und Autor Stefan Mesch. (Deutschlandradio - Andreas Buron)Der Literaturblogger und Autor Stefan Mesch. (Deutschlandradio - Andreas Buron)Stefan Mesch ist Gast im Studio. Mesch hat sich mit dem literarischen Parallel-Universum, das sich um die Saga gebildet hat, beschäftigt. Er berichtet aus dieser "extended universe". 

 

 

 

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