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Interview | Beitrag vom 09.10.2018

Alte Diesel-FahrzeugeJetzt sollen sie in Osteuropa stinken

Jens Müller im Gespräch mit Dieter Kassel

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Das Foto zeigt die Abgase eines Dieselfahrzeugs. (dpa-Bildfunk / AP / Martin Meissner)
Viele Autokonzerne wollen Diesel-Dreckschleudern nach Osteuropa verklappen. (dpa-Bildfunk / AP / Martin Meissner)

Wohin mit Dieselfahrzeugen, die in Deutschland nicht mehr fahren dürfen? Man verkauft sie einfach nach Osteuropa. Genau das tun deutsche Autobauer angeblich zunehmend. Das Problem wird einfach verschoben, sagt Jens Müller von der NGO Transport & Environment.

Das Verwaltungsgericht in Berlin verhandelt heute über Fahrverbote für Dieselautos. Egal, was dabei herauskommt, Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren werden in Deutschland immer unattraktiver. Deshalb landen immer mehr Euro-4- und Euro-4-Diesel in Osteuropa. Und die von den Koalitionsspitzen vereinbarte Umtauschprämie könnte diesen Trend noch deutlich verstärken.

Europa der sauberen und der dreckigen Luft

Tatsächlich gebe es im Augenblick keine Lösung, sondern eher den Versuch das Problem zu verschieben, sagt Jens Müller von der Nichtregierungsorganisation Transport & Environment in Brüssel. "Das halten wir natürlich nicht nur aus Gesundheitsperspektive für nicht akzeptabel, sondern es unterläuft natürlich auch eigentlich den europäischen Binnenmarkt, wo es keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben soll zwischen den einen, die saubere Luft haben und den anderen, die quasi nur noch die Reste bekommen und dann darunter leiden."

Autokonzerne wollen alte Diesel weiterverkaufen

Einerseits würden alte Diesel von Privatleuten weiterverkauft. Andererseits gebe es aber auch entsprechende Ankündigungen der Autokonzerne - gerade vor dem Hintergrund der Diskussion in der letzten Woche, "dass man sagt, wenn wir zum Beispiel Umtauschprämien geben, dann werden wir einen großen Teil der Fahrzeuge nicht etwa verschrotten, sondern weiterverkaufen." Es könne nicht sein, dass die extrem dreckigen Autos einfach woanders fahren sollten. "Erstmal müssen die Fahrzeuge sauber gemacht werden, dann kann man darüber nachdenken die weiter zu benutzen."

Rechtliche Situation schwierig

Rechtlich sei die Lage nicht einfach, denn ein Auto, "das einmal in einem Mitgliedsstaat zugelassen ist von der zuständigen Behörde, darf überall woanders dann in Europa auch fahren und weiterverkauft werden". Dennoch könnten die EU-Kommission und auch Regierungen hier noch einiges machen, zum Beispiel strengere Kontrollen auferlegen und temporäre Beschränkungen einrichten, wenn es große Bedrohungen für den Gesundheitsschutz gebe. Wenn die Kommission wirklich wolle, könne es hier durchaus Maßnahmen geben. "Der Druck wird auf jeden Falls steigen."

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