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Weltzeit | Beitrag vom 27.06.2019

Aloha from HawaiiSummer Dreaming in Honolulu

Von Nicole Markwald

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Ein Mann watet durchs Meer am Palmenstrand. (Unsplash/Channey)
Mein Meer, meine Palme und meine Sonne: am Strand von Honolulu. (Unsplash/Channey)

Blauer Himmel, weiße Strände und endlos Sonne - Amerikas Trauminsel Hawaii ist bis heute Ziel für Touristen wie für Aussteiger. Der Waikiki Beach in Honolulu, die Cocktails, die Hula-Tänzerinnen - was macht das ganz besondere Aloha-Gefühl aus?

Honolulu ist wahrscheinlich die abgelegenste Großstadt der Welt. Mitten im Pazifik liegend, fünfeinhalb Flugstunden von Los Angeles entfernt haben, die Bewohner der Stadt ihren ganz eigenen Blick: auf Kunst, auf die Umwelt, auf das Lebensgefühl.

Nicole Markwald, Korrespondentin und Leiterin des ARD-Hörfunkstudios in Los Angeles. (Hessischer Rundfunk / Privat)Nicole Markwald. (Hessischer Rundfunk / Privat)Ende eines California Dreamin‘: Am 1. April 2013 hat sie angefangen, jetzt beendet Nicole Markwald, Autorin zahlreicher Features für Deutschlandfunk Kultur, nach sechs Jahren ihre Arbeit als ARD-Korrespondentin und Studioleiterin in Los Angeles. Im ergänzenden Weltzeit-Gespräch erklärt sie unter anderem, warum sie in den USA bleibt und welches ihre mexikanische Lieblingsspeise ist.

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Knapp 360.000 Menschen leben in der Hauptstadt Hawaiis - in vielerlei Hinsicht ist Honolulu eine ganz normale amerikanische Großstadt: es gibt Staus und Obdachlose, Müll und glänzende hohe Bürogebäude. Und doch ist Honolulu anders: ob Touristenbus-Fahrer oder Angestellte der Stadtverwaltung - viele tragen tatsächlich Hawaiihemden.

Normal und doch ganz anders - Hawaiis Hauptstadt Honululu. (Unsplash/Christian Joudrey)Normal und doch ganz anders: Hawaiis Hauptstadt Honolulu. (Unsplash/Christian Joudrey)

Wer’s eilig hat merkt schnell, dass nervöses Drängeln hier wenig geschätzt wird. Meistens scheint die Sonne. Die vielen Touristen aus Asien und den USA bevölkern den bekannten Waikiki Beach, zur Happy Hour warten Restaurants mit Hula-Tänzerinnen und Ukulele-Spielern auf. Wo Hawaii drauf steht, ist Hawaii drin. Jason Coleman beschreibt Honolulu so:

"Es ist sehr hip, sehr kulturell. Und es gibt hier keine Gruppe, die andere dominiert. Honolulu ist ein reiner Schmelztiegel."

Regional und vegan - Restaurantgründer Jason Coleman. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)Regional und vegan: Das verspricht Restaurantgründer Jason Coleman. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)

Coleman ist Inhaber von Leahi Health - alles, was es hier zu essen gibt, wird aus Pflanzen gewonnen oder hergestellt. Der Trend weg von Tierprodukten hin zur komplett pflanzlichen Ernährung hat auch Honolulu erfasst.

Die Smoothies heissen "Ulu Watu", "Morning Mana" oder "Jack Johnson", wie der Sänger, der auf Hawaii lebt. An einem kleinen Fenster geben Gäste ihre Bestellung ab, vor der Hütte stehen Holztische, Stühle und ein paar Sonnenschirme. An der Wand steht mit dicken Pinselstrichen: Leahi Health - Plant Based Food and Drink. Jason Coleman hat das vegane Restaurant vor einigen Jahren gegründet.

"It started off very basic, I started off with seven smoothies, that’s it."

Los gings mit sieben veganen Smoothies, fünf Dollar das Stück. Sein Geschäft kam nur langsam in die Gänge. Abends arbeitete er weiter als Barmann, tagsüber verkaufte er grüne Smoothies. Doch dann packte eines Tages eine Bekannte ihr mitgebrachtes Mittagessen aus:

"Sie hatte ihr Mittagessen dabei und ich habe davon probiert und dachte: Oh mein Gott, das ist das Beste, was ich je gegessen habe. Ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Ich habe sogar davon geträumt. Und am nächsten Tag dachte ich: wir müssen das anbieten!"

Und so kam der Bestseller auf die Speisekarte: die Surfer Bowl. Darin: brauner Reis, getoppt mit einem Salat aus Grünkohl in Konfetti-Größe, Gurken, Karotten, Rotkohl und Frühlingszwiebeln, dazu Avocado und Kirschtomaten, gesprenkelt mit gerösteten Mandeln und dem japanischen Gewürzmix Furikake. Abgerundet wird die Surfer Bowl mit hausgemachtem Tahini-Ingwer-Dressing und einem Brot beschmiert mit Knoblauch- Bohnendip.

"Ah - it’s like a party. You feel so good after it. Literally, you feel stronger and healthier."

Achtzig Prozent alles Produkte stammen von der Insel

Jason schwört darauf: wer die Surfer Bowl isst, fühlt sich gesünder. Auf der Speisekarte finden sich Grünkohl-Avocado-Tacos, eine Regenbogen-Bowl  und auch das Traditionsgericht Poké.

"You feel so good after it" - Rainbow Tacos im Restaurant Leahi Health. (Nicole Markwald, Los Angeles)"You feel so good after it": Rainbow Tacos im Restaurant Leahi Health. (Nicole Markwald, Los Angeles)

Allerdings serviert er nicht marinierten Fisch, bei ihm wird rote Beete eingelegt.  Sich auf Hawaii vegan zu ernähren, ist nicht billig. Obst und Gemüse sind wie alle Lebensmittel teurer als im Rest der USA. Vieles muss importiert werden. Bei Leahi Health stammen achtzig Prozent aller Produkte von der Insel selbst, erzählt Besitzer Jason:

"Wir sind mit vielen lokalen Bauern befreundet. Wir hatten sogar einige Jahre lang unsere eigene Bio-Farm. Aber das ist echt schwer, ALLE stürzen sich darauf: das Schwein von nebenan, Hühner, Vögel, Insekten, Blattläuse - es ist ein Kampf. Aber der Unterschied, die Reinheit dieser Produkte ist überwältigend."

Jasons Konzept kommt an. Inzwischen betreibt er drei Filialen, noch in diesem Jahr will er eine vierte eröffnen.

Eine blonde, tätowierte Frau erstellt in farbenprächtigem Ambiente ein Bild. (leipalm/ Tahiti Huetter)"Es ist immer mehr geben als nehmen": Susanne Jennerich lebt seit zweieinhalb Jahren in Honolulu. (leipalm/ Tahiti Huetter)

Natürlich zieht es die meisten Menschen nach Hawaii wegen der unbeschreiblich schönen Natur. Auch für Susanne Jennerich ist das einer der Gründe, weshalb sie vor zweieinhalb Jahren nach Honolulu gezogen ist.  Sie sitzt an einem ihrer Lieblingsorte:

"Wir schauen wunderbar hier auf den Pazifik und wir sehen einige Surfer, einige rennen an uns vorbei … "

Das also liegt vor uns. Und hinter uns: Diamond Head.

"Diamond Head ist ein großer Krater hier in Waikiki, sehr beliebt, weil man eigentlich recht einfach da hochspazieren kann."

"Da war immer irgendwas, was mich fasziniert hat"

Die Norddeutsche arbeitet als Designerin und Künstlerin. Die Faszination für die Insel stammt noch aus ihrer Kindheit:

"Es hat mich schon immer fasziniert: es war die Musik, das sind die Hula-Tänzerinnen und einfach das ganze Gefühl - da war immer irgendwas, was mich fasziniert hat."

Im Laufe ihrer Karriere lebte Susanne Jennerich in New York, Rio de Janeiro, Los Angeles. Obwohl Honolulu viel kleiner ist, so ihr Eindruck, vereint die Stadt vieles.

"Dieses geschäftige, Geschäftsleben, dieses Schnelle, speed und deadlines die wir eben haben, weil ich nun wieder in der fashion industry arbeite, dann aber auch dieses Island-Style, bisschen entspanntere, bisschen alles wird schon - und das ist eine wunderschöne Kombination."

Nicht nur Bettenhochburgen für die Touristen - Ruhiger, leerer Traumstrand in Honolulu. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)Nicht nur Bettenhochburgen für die Touristen: Ein ruhiger, leerer Traumstrand in Honolulu. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)

Bei der letzten Zählung lebten rund 360.000 Menschen in der Hauptstadt von Hawaii. Honolulu ist auch die größte Geschäftsstadt der Insel - der Ala Moana Boulevard ist für Honolulu das, was die Zeil in Frankfurt ist. Zehn Autominuten vom touristenüberschwemmten Strand von Waikiki mit Hochhäusern liegt dann aber schon der Diamond Head mit seinen spektakulären Ausblicken. Anschluss fand Susanne Jennerich schnell und ist Tag für Tag beeindruckt von der Lebenseinstellung der Hawaiianer.

"Es ist wirklich immer mehr geben als nehmen - und es wird einfach immer an die anderen gleich gedacht. "

Aloha ist eine Lebenseinstellung

Aloha wird in Hawaii als Grußformel benutzt. Dabei ist es viel mehr, drückt Mitgefühl und Liebe aus - Aloha ist eine Lebenseinstellung und die spürt man jeden Tag, sagt die Deutsche:

"Die lachen einen an, das kann der Busfahrer sein, der sagt dann, Du heute fährst du mal umsonst, geh einfach durch. Es sind so einfache Sachen, wo du denkst, mann, das ist jetzt aber lieb oder man geht irgendwo vorbei und dann pflückt da jemand seine Avocado und gibt dir da die größte Avocado, die du je in deinem Leben gesehen hast - es ist eine Wahnsinns-Grundeinstellung."

Nach wie vor hält sie engen Kontakt zu alten Freunden in Deutschland. Besuch aus der alten Heimat hat sich schon angekündigt. Für Susanne Jennerich ist Honolulu - zumindest für den Moment- der Ort, in dem sie sich am wohlsten fühlt:

"Ja es ist so wie als Kind unter Mamas Rockzipfelchen vielleicht zu sein, das Gefühl gibt einem Hawaii und ich glaube, wenn man das Gefühl hat, dann spielen auch Kilometer keine Rolle."

Teilen, einander helfen, freundlich sein

Komi, gebürtiger Hawaiianer, Mitte 60, erklärt Aloha so:

"Wir geben unser Bestes, hier nach dem Motto ‘Aloha’ zu leben. Und das heisst, nicht nur das Wort zu benutzen, sondern danach zu leben: zu teilen, einander zu helfen, freundlich zu sein. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich."

Komi nennt sich Surf-Guru, das ist sozusagen sein Künstlername. Wir sind am Kahanamoku Beach in Honolulu verabredet, benannt nach Duke Kahanamoku, nach Barack Obama vielleicht dem bekanntesten Hawaiianer. Duke war einst olympischer Schwimmer, wurde später als Surfgott bekannt und brachte das Wellenreiten von Hawaii in die Welt.

Der bekannteste Hawaiianer nach Barack Obama - Die Statue von Surfgott Duke Kahanamoku im Kuhio Beach Park. (Imago / Design Pics / M Swiet Productions)Der bekannteste Hawaiianer nach Barack Obama: die Statue von Surfgott Duke Kahanamoku im Kuhio Beach Park. (Imago / Design Pics / M Swiet Productions)

Surflehrer Komi trägt Sonnenbrille, schwarzes, langärmeliges Neopren-Oberteil und grell orange Badeshorts. Er gibt mir ein ebensolches Oberteil, Wasserschuhe, legt ein Surfbrett für mich bereit.

"I like it here because this was my homebreak when I was a little kid."

Er sei hier schon als Kind gesurft, erzählt Komi.

 "Die Leute, die hier Surfunterricht nehmen, kommen alle mit unterschiedlichen Erwartungen. Machen erwarten nicht viel, andere haben Angst - am Ende des Tages gehen alle mit einer Botschaft, die ihnen Mutter Natur gelehrt hat."

Nicole Markwald und Surflehrer Komi stehen am Strand und machen eine fröhliche Geste in Richtung Kamera. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)Glücklich - Korrespondentin Nicole Markwald mit Surflehrer Komi nach der Unterrichtsstunde. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)

Ich gebe zu: auch mir ist etwas mulmig zumute. Ich will mich erstens nicht blamieren und zweitens weiß ich gar nicht, ob ich das wirklich innerhalb einer Stunde schaffen kann: mich aus dem Wasser aufs Brett hochziehen, in Position bringen und gleichzeitig auf einer der Wellen zu halten und übers Meer zu gleiten. Doch Komi bläut mir noch einmal ein: jeder kann surfen.

"Everyone can surf and get the same feeling that I get every day. "

Jeder kann surfen und dieses erhebende Gefühl spüren, sagt er. Also gut. Und ab gehts. Nach ein paar Trockenübungen an Land befestigt er den Klettverschluss der Leine an meinem Fußgelenk, die mit dem Surfbrett verbunden ist. Nebeneinander paddeln wir aufs Meer. Es dauert ungelogen gerade mal vier Versuche und ich stehe tatsächlich auf dem Brett, lasse mich von der Welle in Richtung Strand tragen und kann es kaum fassen.

"Das Ziel ist, ganz im hier und jetzt zu sein"

Everyone can surf - sagt Komi. Das sieht jetzt vielleicht noch nicht elegant aus, ich bin auch nicht sonderlich schnell - aber! ich! surfe! Und Komi hat noch einen guten Ratschlag:

"Es geht darum, den Moment wahrzunehmen. Viele von uns denken die ganze Zeit, sie denken zu viel. So ist das Leben. Aber: Menschen, die nicht so viel schwatzen und lieber anpacken, kommen weiter als die, die immer nur reden aber nicht zupacken. Darum gehts beim Surfen: Wenn du nicht paddelst, erwischst du die Welle nicht. Nicht auf Weihnachten warten, sondern aufstehen. Das Ziel ist, ganz im hier und jetzt zu sein."

Ich konzentriere mich noch mehr. Ziehe mich hoch, fasse das Brett so fest, als wolle ich jemanden einhändig erwürgen - ein Tipp von Komi- wenn ich versuche mich hinzustellen. Mehrmals flutscht das Surfbrett unter mir einfach weg, ich falle und habe Spass dabei. Das Timing ist mit am schwierigsten. Am Ende der Surfstunde sind meine Knie wund gescheuerten vom ständigen auf dem Brett knien.

Aber ich habe es insgesamt vier Mal geschafft, mich schnell genug und stabil aufzurichten und auf den Wellen des Pazifiks dahinzugleiten - ein totales Glücksgefühl, wie Komi es mir eingangs versprach. Aufgescheuerte Knie hatte ich zuletzt als Kind - und genauso fühle ich mich jetzt auch  - müde, aber glücklich nach einem abenteuerlichen Tag. Danke, Honolulu.

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