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Im Gespräch | Beitrag vom 14.03.2019

Almuth BergerEhrentitel "Nervensäge"

Moderation: Klaus Pokatzky

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Ein Porträt der ehemaligen Ausländerbeauftragten von Brandenburg, Almuth Berger. (Foto: privat)
Die ehemalige Ausländerbeauftragte von Brandenburg, Almuth Berger. (Foto: privat)

Flüchtlinge, Einwanderer und Deutsche mit Vorurteilen, das waren die Themen der ehemaligen Ausländerbeauftragten Almuth Berger. Schon zu DDR-Zeiten kämpfte sie für mehr Weltoffenheit und ließ in ihrer Kirche mosambikanische Gottesdienste abhalten.

Eigentlich wollte Almuth Berger selbst gerne mal in Afrika arbeiten, aber das war in der DDR nicht ohne Weiteres möglich. So kam Afrika zu ihr, in Gestalt von mosambikanischen Vertragsarbeitern, die sie als Pfarrerin in ihrer Berliner Kirchengemeinde willkommen hieß:

"Da hat sich eine Gruppe von jungen Mosambikanern, die aus christlichen Kirchen kamen, gemeldet und hat Kontakt gesucht zur Gemeinde – und wir haben sie aufgenommen. Sie haben bei uns eine eigene Gemeindegruppe gebildet, und wir haben viel miteinander gefeiert, Gottesdienste gehalten und Ferienwochen gestaltet."

Die erste Ausländerbeauftragte der DDR

Diese intensiven Kontakte waren einer der Gründe, warum Almuth Berger bei der "Arbeitsgruppe Ausländerfragen" beim Runden Tisch mitwirkte. Nach dem Fall der Mauer wurde die Berliner Theologentochter so die erste Ausländerbeauftragte der DDR, später dann die des Landes Brandenburg. Im wahrsten Sinne des Wortes Pionierarbeit mit vollkommen neuen Problemstellungen:

"Wir hatten das vorher nicht. Es gab kein individuelles Asylrecht in der DDR, also mussten Strukturen geschaffen werden. Dann waren es die Vertragsarbeiter, die zum Teil einfach in den Betrieben nicht mehr sein konnten; weil die Betriebe Bankrott gingen oder Leute entlassen mussten und ihre vertraglich zugesicherte Arbeit nicht mehr einhalten konnten. Da haben wir uns intensiv drum gekümmert."

Antirassistische Erziehung in den Schulen

Bei ihrer Arbeit ging es jedoch nicht nur darum, den in Brandenburg lebenden Flüchtlingen und Zuwanderern das Leben zu erleichtern, Berger wollte auch bei der einheimischen Bevölkerung Ängste und Vorurteile abbauen. "Das war eines meiner Haupteinsatzgebiete. Da haben wir leider sehr viel Rassismus erlebt, Angriffe auf junge Namibier zum Beispiel. Es sind aber nach und nach Gruppen gewachsen, die sich dagegen gestellt haben, und die haben wir versucht zu unterstützen. Wir haben regionale Arbeitsstellen gegründet, die sich um antirassistische Erziehung und Bildung in Schulen und in Kommunen bemüht haben." Es entstand ein Netzwerk in Brandenburg, das auch heute noch aktiv ist.

Als Ausländerbeauftragte hatte Almuth Berger keine Weisungshoheit und war stets darauf angewiesen, dass man ihren Empfehlungen folgte. Oft genug tat man das nicht. Das frustrierte sie zwar immer wieder, aber locker ließ sie trotzdem nicht.

"Nervensäge" als Ehrentitel

Ein Brandenburger Politiker bezeichnete sie deshalb mal als "Nervensäge": "Ich hab das durchaus als Ehrentitel empfunden, weil ich in der Tat manchmal nerven und um Dinge kämpfen musste. Es waren nicht alle, auch in der Brandenburger Regierung, bereit, das zu unterstützen. Sehr stark angelegt habe ich mich, als die Asylgesetzgebung geändert wurde und als Sachleistungen eingeführt wurden."

Aus tiefster Überzeugung setzte sie sich dafür ein, dass Asylsuchende keine fertig gepackten Lebensmittelpakete erhalten, sondern sich selbst ihr Essen im Supermarkt kaufen können.

Der Erfolg ließ eine Weile auf sich warten, was Berger aber nicht entmutigte. Die Strategie, sich mit Rückschlägen nicht einfach abzufinden, hat sich in ihrem Leben immer wieder bewährt. Und sie hatte ja auch ein großes Ziel: die Wahrung der Menschenwürde.

(ma)

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