Feature, vom 28.11.2020, 18:30 Uhr

Alle Beiträge im ÜberblickWirklichkeit im Radio

Aufeinander gestapelte Radios mit einem blauen Himmel und weißen Wolken im Hintergrund. (EyeEm / Michelle Blasko)
Radiogeräte-Turm (EyeEm / Michelle Blasko)

Wirklichkeit im Radio ist eine Sendereihe mit historischen Features und Dokumentarstücken. 
Zu hören sind einige Klassiker und etliche Neu- und Wiederentdeckungen.
Kein Kanon, sondern ein Streifzug. 
Kein Best Of, sondern eine Fülle von Möglichkeiten. 
Ein Blick zurück und ein Blick nach vorn. 
Denn das Radio von gestern inspiriert die Features und Dokus von heute.

Bisher bei Wirklichkeit im Radio:

deutsch und deutsch


Christian Geissler: Ende der Anfrage (1965)

Von 1940 bis 1944 wurden auf Schloss Hartheim bei Linz geistig Behinderte von der SS getötet und verbrannt. Bei Recherchen vor Ort traf der Autor auf Misstrauen und ausgeprägtes Vergessenwollen. Das Feature wurde nicht gesendet. Es gehört zu den Vorboten bundesdeutscher Dokumentarliteratur.

Peter von Zahn: Hörbild über den Kamienna-Prozess in Leipzig (1949)

Der deutsche Hörfunk- und Fernsehjournalist Peter von Zahn am Mikrofon im Studio des NWDR im Jahr 1951   (picture-alliance/ dpa). (picture-alliance/ dpa)Ein früher Originaltonbericht aus dem Jahr 1949 zeigt die Mörder des NS-Regimes als Dutzendfiguren. Und 1965 stößt die Recherche im Umfeld einer NS-Euthanasie-Anstalt auf eine Wand des Schweigens.

Theo Gallehr: Wer hat Angst vor dem Milchmann? (1979)

Deutschland im Herbst 1977. Eine Reise durch die Republik zeigt Stammtische, Schützenvereine, Stimmen der Polizei und Szenen von der Beisetzung der in Stammheim umgekommenen RAF-Terroristen.

Martina Schulte: Bonga Boys. Global Village Stories (2009)

Eine Teeplantage in Bonga, Äthiopien, Afrika. Frauen pflücken den Tee und werfen die Blätter in einen geflochtenen Korb, der auf dem Rücken einer jungen Frau mit weißem Kopftuch ist.  (picture alliance / robertharding). (picture alliance / robertharding)Sie leben in Köln, Los Angeles, Bahrein oder Tel Aviv. Sie stammen aus Bonga in Äthiopien. Im dritten Teil unserer Reihe zur Geschichte des Features zeigt ein Stück aus dem Jahr 2009, wie mit der Globalisierung auch ein neuer Sound ins Radio kommt.

Frieder Butzmann: Es stand ein Haus in Ost-Berlin (2005)

Zwei Koffer mit Tonaufnahmen erzählen vom "Haus der jungen Talente" in Ost-Berlin. Vorgestellt werden sie von einem Urgestein der damaligen Alternativ-Szene West-Berlins. Vorgestellt? Nein: besungen!


Typen

Ror Wolf: Bananen-Heinz (1983)

"Was soll ich Ihne saache..." – Bananen-Heinz aus Hessen ist Hausierer und fliegender Händler, vor allem aber: ein begnadeter Sprachperformer. Ein Klassiker des O-Ton-Hörspiels aus dem Jahr 1983 – von Ror Wolf.

Charlotte Niemann und Matthias Niemann: Mein Partner Hansipiepchen (1973) 

Ein Wellensittich (imago). (imago)Eine einsame Frau. Ein Wellensittich. Briefe an die Kinder, die nie beantwortet werden. Unsere Reihe "Wirklichkeit im Radio" mit einem O-Ton-Kammerspiel aus dem Jahr 1973.




Sieglinde Scholz-Amoulong: Der dicke Lipinski (1989)

Hans Lipinski – Brigadier im Kraftwerk Jänschwalde. Ein gemütlicher Dicker. Die Autorin trifft ihn vor, während und nach der Wende. Ein Porträt und zugleich ein Stück live dokumentierter Zeitgeschichte – entstanden im Jahr 1989.

Claudia Wolff: Die Callas - Beschreibung einer Leidenschaft (1987)

Maria Callas im Jahr 1967 in Berlin  (picture alliance / akg-images). (picture alliance / akg-images)Die Autorin ist 17 Jahre alt, als sie zum ersten Mal diese Stimme hört – da ist es um sie geschehen. Jahrzehnte nach der berauschenden Frühinfektion will sie ihrer Leidenschaft endlich auf den Grund gehen.



Live dabei

Bob Uschi: Die Vögel singen noch in Newe Ur (1970)

Historische Radiofeatures verbindet man mit betulichem Erzählerton. Doch diese Doku über einen Kibbuz im Kriegszustand ist wie ein Film im Radio. Ein Fundstück aus dem Jahr 1970.

Harun Farocki: So long good-bye (1978)

Der deutsche Filmkünstler Harun Farocki in seiner Ausstellung "Spiel und Spielregeln"  im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst in Oldenburg, April 2013 (picture alliance / dpa). (picture alliance / dpa)Berlin 1978: in den Hansa Tonstudios wird eine Disco-Single produziert. Dokumentarfilmer Harun Farocki, damals für kurze Zeit im Radio tätig, ist von Anfang bis Ende dabei und seziert den Aufnahmeprozess mit kapitalismuskritischem Besteck.

Peter Leonhard Braun: 8 Uhr 15, OP III, Hüftplastik (1970)

Wie ein akustischer Film verfolgt dieses wegweisende Feature aus dem Jahr 1970 den Verlauf einer Operation. Die Routiniertheit der Chirurgen lässt stellenweise vergessen, dass ein Mensch unter dem Messer liegt.


Meta-Features

Ingo Kottkamp: Ihr könnt mir viel erzählen (2019)

Von der Wirklichkeit erzählen? Das wurde in der Geschichte des Features immer wieder anders aufgefasst. Teilweise sehr anders. Ein Streifzug und Orientierungsversuch als Begleitung zur Reihe "Wirklichkeit im Radio".

Giuseppe Maio: Mikro Beute Kunst (2020)

Ein Mikrofon auf einem Ständer, beleuchtet.  (imago images/viennaslide). (imago images/viennaslide)Fehlerfrei verlesene Texte sind Routine im Radio. Im Jetzt gesprochen, frei aus der Hüfte und ohne Skript: das traut sich nur der Originalton. Und er erzählt weit mehr als er sagt. Das Feature begleitet unsere Reihe "Wirklichkeit im Radio".

Marianne Weil: ticken, flüstern, rauschen (2020)

Wir sind wild auf Geschichten aus der Realität und wollen sie HÖREN. Sonst könnten wir ja auch ein Buch lesen. Was können Geräusche? Was können Wörter?


Geschlossene Gesellschaften

James Reston Jr.: Unser Vater der du bist in der Hölle (1988)

Am 18. November 1978 starben in Guyana 913 Männer, Frauen und Kinder durch Massenselbstmord. 600 Tonbandkassetten bezeugen, wie Sektenoberhaupt Jim Jones seine Jünger, die "Jones-People", in den Abgrund führte.

Kaye Mortley: Springtime it brings on the shearing (1987)

Ein Landwirt schert ein Schaf. (imago images / Westend61). (imago images / Westend61)Geräusche, Lieder, Beschreibungen beschwören ein Kindheitsbild der Autorin herauf: das der Schafscherer in Australien, einer verschworenen Männergesellschaft. Viele von ihnen stammen von englischen Strafgefangenen ab.

Klaus Lindemann: Ein weites dunkles Land (1982)

Deutschland ist durchzogen von einem Inselreich aus Psychiatrien. Gemeinsam bilden sie ein dunkles weites Land mitten unter uns. Ein Feature von 1982, das nichts von seiner Intensität verloren hat.


Arbeitswelt

Henryk M. Broder: Verkaufskanonen (1976)

Marktschreier "Wurst-'Achim" in seinem Verkaufswagen in der Berliner Karl-Marx-Allee.  (picture-alliance / ZB / Soeren Stache). (picture-alliance / ZB / Soeren Stache)Auf keinem Wochenmarkt, in keiner Fußgängerzone fehlten sie. Man nannte sie Marktschreier, fliegende Händler, Propagandisten. In diesem Original-Ton-Feature von 1976 laufen sie zu voller Form auf.

Ekkehard Saß: Wie eine Staubwolke von Noten (1975)

Mit unzähligen Aufnahmen und Gesprächen dokumentierte der Autor 1975 das Innenleben eines Orchesters. Das Feature, in dem sich auch heutige Klangkörper wiedererkennen können, gewann damals den Prix Italia.

Andreas Schroth u. Gabriele Thaler: Gar nicht so einfach, sich am Leben vorbeizuschleifen (1981)

O-Ton aus dem Jahr 1981: Erich Graf, 85 Jahre alt, ist der letzte Scherenschleifer Berlins. Pfeifend zieht er durch die Hinterhöfe und bietet seine Dienste an. Seine Erinnerungen reichen bis in die Kaiserzeit.

Karlheinz Tesch: Meine Schwester Ursel (1986)

Unermüdlich zieht sie von Wohnung zu Wohnung. Verarztet, organisiert, hört zu. In einem O-Ton-Feature porträtierte der Rundfunk der DDR 1986 einen Tag im Leben der Bezirksschwester Ursel in Berlin-Prenzlauer Berg.


Adoleszenzen

Thomas Heise: Vorname Jonas (1989)

Cover "Vorname Jonas" (Henschel-Schauspiel Theaterverlag). (Henschel-Schauspiel Theaterverlag)Systemsprenger sind heute in aller Munde. Der Versuch, den Schüler Jonas zu disziplinieren, zeigt das Erziehungssystem der DDR in solcher Klarheit, dass der auftraggebende Rundfunk das Feature 1983 nicht senden wollte.

Alfred Andersch: Der Tod des James Dean (1959)

John Dos Passos‘ Biographie von James Dean, Allen Ginsbergs Gedicht "Howl" sowie eine Boxreportage und die Trompete von Miles Davis: aus diesen drei Elementen entsteht ein Zeitbild der "finsteren Jugend Amerikas" und ein Meilenstein des Features.

Werner Meyke: Mirjam (1975)

O-Ton-Porträt einer jungen Frau aus dem Jahr 1975. Weder gehört sie einer Randgruppe an, noch steht sie für ein bestimmtes Milieu: Ihre Besonderheit ist das "Normale". Nur der Ort des Interviews ist ungewöhnlich: Mirjams Badewanne.


Druckkammer Familie

Helmut/Jan Kopetzky: Große Kids (1996)

Feiernde junge Menschen (Tina Potocki / EyeEm). (Tina Potocki / EyeEm)Über hundert Features hat Helmut Kopetzky produziert. Dieses ist das anarchischste. Denn über weite Teile gibt er das Mikrofon ab an seinen damals neunzehnjährigen Sohn, der mit seiner Clique ruhelos durch die Großstadt zieht.

Ingeborg Koch: Vor meinem Leben kommt meine Ehre (1995)

Hasan hat einen jungen Mann erschlagen, weil dieser seine Schwester verführte. Die Hintergrundgeschichte eines "Ehrenmords" wird vom Täter Hasan Ö. selbst erzählt. Der Schauplatz wechselt zwischen Berlin und dem kurdischen Teil der Türkei.

Lisbeth Jessen: Nach dem Fest (2002/2004)

"Wenn Papa badete" – so beginnt die berühmte Szene in dem Film "Das Fest", der die Enthüllung eines jahrelangen Missbrauchs schildert. Zuerst erzählt wurde die Geschichte von Allan in einer Talkshow. Aber wer ist Allan?


Die Reihe wird fortlaufend erweitert.

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