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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 26.01.2018

Alex CapusEin Schriftsteller hinterm Tresen

Moderation: Matthias Hanselmann

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Der Schweizer Schriftsteller Alex Capus steht am 09.08.2016 am Tresen seiner Bar "Galicia" in Olten (Schweiz). (picture-alliance / dpa /  Thomas Burmeister)
Der Schweizer Schriftsteller Alex Capus in seiner Bar "Galicia" in Olten (picture-alliance / dpa / Thomas Burmeister)

Jeden Montagabend schenkt Alex Capus selbst aus. Und im Geschoss über seiner Bar "Galizia" in Olten entstehen die Romane des Schweizers. Seit mehr als einem halben Jahrhundert lebt der Schriftsteller in der Kleinstadt zwischen Zürich und Basel.

"Ich lebe in der Empfindung, dass die Welt voller Geschichten ist. Das ist mein Kosmos."

Jeden Montagabend steht er selbst am Tresen und schenkt aus. Vor fünf Jahren eröffnete der Schriftsteller Alex Capus im Schweizerischen Olten die Bar "Galicia" als Treffpunkt für die Generation 50+. Seine Familie, seine Arbeit, seine Bar – alles, was Alex Capus liebt, befindet sich in der Kleinstadt, die zwischen Zürich und Basel liegt. Dort lebt er seit über 50 Jahren.

Aus historischen Stoffen wird Literatur

Seine Romanrecherchen führten ihn nach Samoa, in die USA und immer wieder in sein Geburtsland Frankreich. "Ich fühle mich nie so schweizerisch, wie wenn ich in Frankreich bin und ich fühle mich nie so französisch, wie wenn ich in der Schweiz bin", sagt Alex Capus. "In der Schweiz ist es schon ein revolutionärer Akt, wenn man bei Rot über die Ampel geht. Da ist der Gallier in mir, der macht das dann." Die Konfliktkultur in der Schweiz und in Deutschland sei sehr unterschiedlich. "Schweizer sind berühmt für eine fast japanische Konfliktkultur. Da wird alles in sieben Konjunktive gepackt. Das ist in Deutschland nicht so. Das musste ich lernen."

Capus vertieft sich gern in historische Stoffe, um sie dann in Literatur zu verwandeln. Seine Romane entstehen im Obergeschoss seiner Bar "Galicia". Um beim Schreiben nicht gestört zu werden sucht er sich mitunter auch ein Versteck in seinem Haus, wo man ihn nicht findet. Alex Capus hat auch kein Mobiltelefon. Ich möchte nicht geortet werden."

Helden aus den Archiven

Die Figuren seiner Romane laufen ihm zu, sagt Alex Capus, der Autor von "Leon und Louise" (2011 für den Deutschen Buchpreis nominiert), "Der Fälscher, der Spion und der Bombenleger" oder "Das Leben ist gut", in dem es um einen Barkeeper und seine Geschichte geht. "Das begann in Basel, als ich noch Student der Geschichte war. Ich habe alte Tageszeitungen aus dem Jahr 1934 gelesen und stieß da auf große Schlagzeilen, die zwei Jungs gemacht haben, die eine Bank überfallen haben. Statt meine Seminararbeit fertig zu schreiben, habe ich mich für die zwei Jungs interessiert und daraus ist mein erster Roman entstanden. Seitdem bin ich in Archiven unterwegs und sehe dort dauernd meine Helden. Ich versuche sie immer abzuwimmeln, weil es sind viel zu viele. Die laufen mir aber mein ganzes Leben hinterher, ich habe ein ganzes Rudel, das mir folgt. Ich gebe dann mal wieder nach und sage ‚Gut, jetzt bist Du an der Reihe‘ und schreibe das nächste Buch." Er lebe in der Empfindung, dass die Welt voller Geschichten ist. "Das ist mein Kosmos."

Alex Capus hat fünf Söhne, die in der Kleinstadt Olten vielfältig vernetzt sind und unbedingt in Olten wohnen bleiben wollen. Solange die Kinder noch zuhause lebten, werde er auch in Olten bleiben. Als Kreuzungspunkt sämtlicher europäischer Eisenbahnlinien sei Olten "unvermeidbar". Das Beste, was man über Olten sagen könne, sei, dass man sehr rasch von dort wegkomme. "Ich kann ohne umzusteigen von Olten nach München, Hamburg, Mailand oder Paris fahren." Allein die Lautsprecherdurchsagen am Bahnhof belebten die schweizerische Kleinstadt schon: "Der Hauch von frischem Wind, den der Bahnhof in die Stadt bringt, hat etwas Erfrischendes."

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