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Tonart | Beitrag vom 30.04.2019

Aldous Harding über ihr Album "Designer""Es ist okay, Spaß zu haben"

Von Jessica Hughes

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Porträtaufnahme der neuseeländischen Musikerin Aldous Harding (Clare Shilland)
Aldous Harding: "Seit wann ist es eine Schwäche, den Mut zu haben, sich auszuprobieren?" (Clare Shilland)

Bekannt wurde Aldous Harding mit düsteren Songs über Alkohol und Angst. Auf ihrem dritten Album "Designer" lässt die Neuseeländerin nun Selbstzweifel und trübe Gedanken hinter sich. Das gibt Raum für eine expressive Performance.

"Ich hatte Angst, war unsicher, ob ich es schaffen würde. Wusste aber in mir, dass ich es kann. So hat es für mich angefangen."

Den musikalischen Richtungswechsel, meint Aldous Harding. "Und jetzt fühle ich mich so, als müssten wir das nicht mehr machen. Wir können ernsthaft sein. Nur weil es fröhlich klingt, ist es nicht weniger ernst gemeint." 

Mit ihrem neuen Album "Designer" hat die Neuseeländerin ihre Selbstzweifel weggewischt. Weggewischt auch den Düsterpop, mit dem sie bekannt geworden ist. Im Video zum neuen Song "Barrel" streift sie ein Dämonen-Kostüm ab, am Ende steht sie grinsend da:

"Es ist okay, Spaß zu haben, wenn man kreativ ist."

Songs vom Teufel und Alkohol

Aldous Harding heißt eigentlich Hannah Harding. In frühen Songs singt sie in altertümlicher Sprache vom Teufel, von Ängsten und vom Alkohol. Nach und nach löst sie sich davon, schlüpft auf der Bühne in unterschiedliche Rollen. Jetzt – bei Album Nummer drei – ist von der introvertierten Folk-Bardin wenig übrig. Platz für eine expressive Perfomerin mit Mut zur Fratze.

"Wir haben Angst davor, uns lächerlich zu machen oder zuzugeben, dass wir uns gerade ausprobieren", sagt sie. "Aber was ist so falsch daran? Seit wann ist das hässlich? Seit wann ist es eine Schwäche, den Mut zu haben, sich auszuprobieren? Ich verstehe das nicht. Also, ich kann es zwar nachvollziehen, aber ich möchte darauf nicht mehr hereinfallen. Ich weiß nicht, ob es die richtige Art und Weise ist, wie ich singe und erzähle, aber so finde ich es interessant. Es interessiert mich."

Das Spiel mit den Rollen führt sie auf ihrem neuen Album fort, schlüpft von der jugendlichen Folk-Chanteuse des Titeltracks in die Rolle einer anmutigen und betörenden Jazz-Sängerin der 1940er-Jahre.

Hardings Stimme wirkt dabei so nah und nahbar wie nie zuvor. Auch die Instrumentierung ist wärmer geworden: Streicher und Holzbläser ergänzen in ausgewählten Momenten Akustikgitarre und Piano. Genauso Rasseln und Percussion, die Songs wie dem Titeltrack einen beschwingten Groove verleihen. Produziert hat das Ganze John Parish.

Zusammenarbeit mit H. Hawkline und Sweet Baboo

Weiteren hörbaren Einfluss hat Hardings Bekanntschaft mit Musikern aus dem Dunstkreis der walisischen Künstlerin Cate Le Bon hinterlassen: Huw Evans, bekannt als H. Hawkline und Stephen Black beziehungsweise Sweet Baboo unterstützen Harding auf "Designer" sowohl gesanglich als auch an den Instrumenten und fügen dem Album eine Note ihres verspulten Kammerpops hinzu, wie zum Beispiel im Titeltrack.

Im Unterschied zum traditionellen Folk erzählt Aldous Harding in ihren Songs keine in sich geschlossenen Geschichten. Aber sie nutzt immer wieder Bilder, die an Parabeln oder Märchen erinnern. Oft wirken die Texte dadurch kryptisch – in ihrer verschrobenen Symbolhaftigkeit aber auch seltsam vertraut.

Ein gelungener Sprung nach vorne

Frage nach mir und du wirst Purpur und Pelz erhalten, singt Aldous Harding im Song "Zoo Eyes". Entschlüsseln möchte sie ihre Songs nicht. Die Deutung überlässt sie ihrem Publikum: "Ich will, dass sich alle, die meine Kunst ansehen, stark fühlen. Ich meine, ich will niemandem etwas vorschreiben. Aber ich will, dass die Menschen etwas spüren. Dabei sollen sie sich nicht schlecht fühlen. Am wichtigsten ist, dass das, was ich tue, interessant ist, denn ich denke, das ist heutzutage schwer."

Interessant bleibt Aldous Harding, die mit "Designer" einen überraschenden und gelungenen Sprung nach vorne wagt. "Designer" zeigt neue Facetten der Künstlerin, die endgültig ihre Vielseitigkeit als Musikerin beweist – und mysteriös bleibt. Ihrem Rollenspiel mag man weiterhin mit großer Faszination zusehen.

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