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Studio 9 | Beitrag vom 29.01.2019

Alcolocks in SchwedenErst pusten, dann fahren

Von Carsten Schmiester

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Ein Autofahrer pustet in ein sogenanntes Alcolock, um seinen Wagen zu starten. (Markus Beck / dpa)
Alcolocks sind alkoholsensitive Zündsperren: Nur nach dem Alkoholtest startet der Wagen. (Markus Beck / dpa)

In Schweden ist es für Bus- und Taxifahrer oder Lokführer schon Routine: erst der Alkoholtest, dann startet das Fahrzeug. Sogenannte Alcolocks garantieren Nüchternheit am Steuer. Auch in einigen PKW sind die Kontrollgeräte bereits eingebaut.

Janne ist Busfahrer in Stockholm und einigermaßen genervt, auf der einen Seite jedenfalls: "Ein wichtiges Argument ist, dass wir so häufig am Tag pusten müssen, drei, vier, fünf Mal. Unter anderem bei den Ablösungen, aber auch zwischendurch."

Auf der anderen Seite sieht auch Janne ein, dass die Dinger Sinn machen und zusätzliche Sicherheit schaffen im Land der 0,2-Promille-Grenze und des staatlich kontrollierten Alkoholverkaufs. Wo viele Erwachsene zwar unter der Woche kaum trinken, an Wochenenden aber regelmäßig – man kann es nicht anders sagen – saufen und wo jüngere Menschen längst den "Lill-Lördag" fürs Feiern entdeckt haben, den wörtlich übersetzt "kleinen Samstag", gemeint ist der Mittwoch.

"Sicherheit steht ganz oben"

In diesen Nächten und an den Vormittagen danach ist "rattfylleri" eines der häufigsten Delikte, zu Deutsch – Trunkenheit am Steuer. Aber nicht bei Bus- oder Taxifahrern oder Lokführern. Da garantieren seit Jahren schon Alcolocks hundertprozentige Nüchternheit. Neuerdings auch bei Fährkapitänen, sagt Karl Henriksson von der Stockholmer Verkehrsbehörde:

"Es ist so wichtig, dass Sicherheit ganz oben steht, was sowohl unsere Passagiere als auch unsere Mitarbeiter angeht. Es gibt ja die gleichen Regeln für den Boots- wie für den Bus- und Taxiverkehr. Die Grenzwerte sind die gleichen. Natürlich brauchen wir dann auch die gleichen Kontrollen, die es in den Bussen und in Taxis ja bereits gibt."

"Ich sehe das als eine Qualitätssicherung"

Auch Krankenwagenfahrer werden in Schweden inzwischen kontrolliert. Mit der Besonderheit, dass die Geräte nicht direkt in die Autos eingebaut worden sind, sondern auf den Wachen stehen. Der Grund: Man will unbedingt verhindern, dass ein Rettungswagen bei technischem Versagen des Alcolocks in einer Notsituation plötzlich ausfällt.

Und auch hier reagieren die Fahrer positiv. Motto: Manchmal nervt es zwar, aber der Nutzen ist größer. Das sagt auch Staffan, der einen dieser Krankenwagen fährt:

"Ich sehe das als eine Art Qualitätssicherung. Wir können sowohl dem Arbeitgeber, als auch gegenüber der Öffentlichkeit nachweisen, dass wir immer völlig nüchtern bei der Arbeit sind."

Alcolock oder Lappen weg

Schließlich sind in Schweden auch noch Alcolocks in privaten Autos im Einsatz. Allerdings laut Verkehrsbehörde nur in 2.864 Fällen und nicht ganz freiwillig! Ein zuletzt im März vergangenen Jahres aktualisiertes Gesetz bietet Autofahrern, die mit Alkohol am Steuer erwischt worden sind, eine Möglichkeit, den Führerschein trotzdem nicht zu verlieren.

Wenn sie nach entsprechender Genehmigung durch die Behörden bis zu zwei Jahre lang nur Autos mit Alcolocks fahren, meist dann ja den eigenen, den sie auch auf eigene Kosten haben umrüsten lassen.

Das Ganze läuft unter ärztlicher Aufsicht und die Geräte sind so eingestellt, dass nicht nur vor dem Losfahren, sondern auch immer wieder unterwegs angehalten und gepustet werden muss. Ziemlich umständlich, aber auf diese Weise soll es nahezu unmöglich sein, das System auszutricksen.

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