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Tonart | Beitrag vom 28.08.2019

Album "Zum Glück traurig"Schauspieler Jürgen Tarrach singt Fado

Jürgen Tarrach im Gespräch mit Carsten Beyer

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Porträt von Jürgen Tarrach (Sony Music/ Markus Nass)
Nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Maler und nun als Musiker unterwegs: Jürgen Tarrach. (Sony Music/ Markus Nass)

Mit 58 Jahren hat der Schauspieler Jürgen Tarrach sein erstes Musikalbum "Zum Glück traurig" veröffentlicht: portugiesische Fado-Klänge mit deutschen Texten. Quasi ein "neues Genre", meint Tarrach. Kann ein solcher Kulturtransfer gelingen?

"Ich sollte den Menschen die Hände reichen und tanzen, statt mutlos herumzuschleichen", singt Schauspieler Jürgen Tarrach im Titelsong seiner Fado-CD "Zum Glück traurig". "Ich sollte und ich sag: Komm, trau dich! Aber zum Glück bin ich traurig."

Auf dem Album mischen sich portugiesische Gitarrenklänge mit deutschen Texten, die von Antek Krönung stammen: mal melancholisch, mal ironisch-witzig. Es sei eine "Hommage an den portugiesischen Fado" mit seinem Weltschmerz, seiner Melancholie, sagt Schauspieler Jürgen Tarrach, der im "Lissabon-Krimi" der ARD den portugiesischen Rechtsanwalt Eduardo Silva spielt – und nun, mit 58 Jahren, sein erstes Album vorlegt.

Mit der portugiesisch-deutschen Kombination sei quasi "ein neues Genre" entstanden, das es so noch nicht gab: "der deutsche Fado". So hätten portugiesische Lieder oft einen noch sehr viel größeren wehklagenden Charakter, sagt Jürgen Tarrach. "Wenn man das im Deutschen machen würde, würden wir das vielleicht als kitschig empfinden. Insofern ist das etwas moderater, aber humorvolle und ironische Titel gibt es auch."

Mit Musik Wunden heilen

Schon bevor er für die Dreharbeiten des "Lissabon-Krimis" regelmäßig Portugal besuchte, habe er sich mit der dortigen Kultur und seiner Musik verbunden gefühlt, erzählt Tarrach. Vor einigen Jahren war er im "Clube de Fado" in Lissabon, erinnert er sich. "Da haben wir das live erlebt und ich habe mir dann bei irgendeinem Stand so ein Album gekauft mit sechs CDs, wo man ausgiebig Fado hören kann."

Die Idee, das musikalische Lebensgefühl Portugals dann ins Deutsche zu transferieren, sei natürlich "etwas verwegen" gewesen. "Ich finde Melancholie in der Musik aber ein tolles Thema." Wenn ein Lied beispielsweise vom Tod eines Freundes handele, von "dieser Wunde, die da klafft, die nicht zu schließen ist. Und wenn man das besingt, kann man das vielleicht ein wenig heilen", meint Tarrach, der selbst vor einigen Jahren einen Freund verloren hat.

Melancholie und Schönheit

Gleichzeitig habe die Melancholie des Fado "etwas Schönes", sagt der Schauspieler. Diese Traurigkeit sei keine kleine Depression, kein Makel oder Merkmal für eine Gemütserkrankung, sondern: "Es hat mit Schönheit zu tun."

Anfang Dezember geht Tarrach mit seinen Mitmusikern (Fado-Gitarre: Bernardo Couto, Tasteninstrumente: Ingvo Clauder, Cello: Ernst Clauder, Percussion: Claudio Spieler) auf Tour durch Deutschland.

(lkn)

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