Freitag, 07.08.2020
 

Tonart | Beitrag vom 09.07.2020

Album "Efia" von RosaceaeAnti-Kriegs-Musik mit Panzergeräuschen

Rosaceae im Gespräch mit Martin Böttcher

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Fotografie eines frontal angeleuchteten Leopard 2A4 Panzers in einer dunklen Halle. (Getty Images / Guenter Vahlkampf)
Rosaceae verurteilt in ihrer Musik Krieg und Genocid. Auf ihrem Album "Efia" klagt sie den Verkauf des Panzers durch Deutschland an. (Getty Images / Guenter Vahlkampf)

Rosaceae macht elektronische Musik mit Panzergeräuschen und Stimmfetzen oder Schreien. Damit spielt sie an auf Krieg und Genozid. Doch Rosaceae will niemandem Assoziationen vorschreiben, sondern Erfahrungen ermöglichen.

Rosaceae komponiert elektronische Musik mit Geräuschen aus Filmen oder solchen, die sie in ihrer Umgebung aufgenommen hat. Auf ihrem neuen Album "Efia" kommt auch ein Panzer vor. "Ich habe mich sehr stark mit dem Leopard-2-Panzer beschäftigt, weil Deutschland den ja massiv exportiert – unter anderem an die Türkei, die damit Krieg gegen die Kurden führt", sagt Rosaceae. Sie habe sich seine Geräusche angeeignet - anlässlich des 40. Panzergeburtstages.

"Es geht mir um die Erfahrung"

Auch die brutale Verfolgung der Jesiden durch die Terrororganisation Islamischer Staat hat Rosaceae in ihrer Musik verarbeitet. Doch sie wolle die Geräusche und Sprachsamples nicht erklären. Hörer sollen ihre Musik selbst erfahren.

"Wenn es um das Hören geht, geht es mir schon um eine Erfahrung und nicht um das bloße Wiedergeben von Informationen." Hören sei anders, als einen Artikel über ein Thema zu lesen. Es sei zu einfach, zu sagen, in der Musik gehe es um Krieg und Genozid. "Ich finde Musik eignet sich sehr gut, schwere Schicksale zu verarbeiten."

Inhalt muss nicht erklärt werden

Die Geräusch- und Sprachsamples sind für Rosaceae sowohl gestalterisches Mittel als auch inhaltliches Statement. Dass Menschen sich ihre Musik auch zur Unterhaltung anhören, störe sie gar nicht, sagt sie. Man müsse nicht auf Anhieb verstehen, worum es geht. Man solle sich nur auf die Erfahrung einlassen und hat dann vielleicht etwas gespürt.

"Ich will gar nicht aufklären. Das ist nicht meine Aufgabe, noch ist es mein Wille", sagt die Künstlerin. Der entscheidende Punkt sei, dass Hörer sehr wohl verstehen, worum es in ihrer Musik geht, ohne den Inhalt genau zu erklären. Und das unterscheide sie eben von einer Singer/Songwriterin.

(nis)

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