Seit 05:05 Uhr Studio 9

Dienstag, 17.09.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.06.2019

Albrecht Mayer beim Festival "Rosetti im Ries"Ganz auf Oboe eingestellt

Moderation: Stefan Lang

Der Oboist steht mit seinem Instrument an einem schmiedeeisernen, großen Schlosstor. (Albrecht Mayer / Holger Hage)
Albrecht Mayer ist zur Zeit der bekannteste Oboist. (Albrecht Mayer / Holger Hage)

Auf Schloss Baldern feiert man jedes Jahr seinen berühmtesten Kapellmeister: Antonio Rosetti. Der hat auch etliche Konzerte für die Oboe hinterlassen. Kein Geringerer als Albrecht Mayer folgte der Einladung, einige Werke vorzustellen.

Antonio Rosetti ist nordbömischer Abstammung. Noch heute streitet sich die Wissenschaft, ob er sich diesen italienischen Namen aus PR-Gründen zugelegt hat und als Anton Rössler in Leitmeritz geboren wurde oder nicht. Fakt ist, seine musikalische Ausbildung erhielt er in Prag, wahrscheinlich bei den Jesuiten. Nachdem er sich gegen eine geistliche Karriere entschieden hatte, schlossen sich Wanderjahre eines Musikers an. Die wurden beendet, als er eine Anstellung in der Hofkapelle des Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein erhielt. Als Kontrabassist spielte er fortan auch auf Schloss Baldern, das der Familie bis heute gehört.

Ein Zeitgenosse Mozarts

Beinahe hätte er dann unter Mozarts Leitung musiziert. Dieser hatte sich an Ort und Stelle beworben, aber der Fürst war gerade in Trauer um seine Gemahlin und zeigte sich interessenlos. Etwas später übernahm dann Rosetti die Kapelle. So hatte er sich vom Musiklakaien mit Dienerschichten zum führenden Kopf des musikalischen Zentrums entwickelt. Dazu gehörte auch, dass Rosetti mehr und mehr komponierte - alles, was gebraucht wurde: Sinfonien, Konzerte für das Horn, für die Geige und auch für die Oboe. 

Auf einem bewaldeten Hügel zeigt sich die barocke Schlossanlage. (imago images / Volker Preußer)Aus einer idyllisch gelegenen Burg wurde eine barocke Schlossanlage: Schloss Baldern. (imago images / Volker Preußer)

Albrecht Mayer hat auf etlichen Alben bewiesen, dass er Spaß an unbekanntem Repertoire hat. Immer wieder macht er sich auf die Suche in Bibliotheken oder befragt befreundete Archivare, ob noch etwas für sein Instrument zu entdecken sei. Und so hat der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker auch Konzerte von Antonio Rosetti im Repertoire. 

Haydns Sinfonie Nr. 63 trägt den Namen "La Roxelane". Wie dieser zur Sinfonie kam, bleibt Deutungssache. Eine besagt, Haydn habe einfach in der Manier einer französischen Romanze komponiert. Andere vermuten, Haydn habe eine Figur eines Theaterstückes in seinem Stück verewigt - oder hat er eine beliebte Schauspielmusik in seine Sinfonie integriert? Sacht und herantastend beginnt die Sinfonie, der Oboe werden immer wieder solistische Stellen eröffnet.

Rosetti-Fan am Pult

Der Leiter der Rosetti-Festspiele Johannes Moesus dirigiert in diesem Konzert das Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau. Moesus ist erklärter Rosetti-Fan, der schon zahlreiche CDs mit dessen Musik veröffentlichen konnte. Ihm ist sehr zu verdanken, dass dieser Name zunehmend wieder in Konzertprogrammen auftaucht. 

(cdr)

Aufzeichnung des Konzertes vom 23. Juni 2019 im Schloss Baldern

Antonio Rosetti
Sinfonie Es-Dur, Murray A28
Oboenkonzert D-Dur, Murray C 33
Romanze B-Dur für Oboe und Orchester, Murray C 62

Joseph Haydn
Sinfonie C-Dur Nr. 63 "La Roxelane"

Albrecht Mayer, Oboe
Bayerisches Kammerorchester Bad Brückenau
Leitung: Johannes Moesus

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur