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Fazit | Beitrag vom 20.02.2020

Aktivist Ali Can zu Hanau"Sobald wir rausgehen, sind wir Zielscheibe des Hasses"

Ali Can im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Der Antidiskriminierungs-Aktivist Ali Can schaut während einer Pressekonferenz in die Kamera. (picture alliance/Soeren Stache/dpa)
Angst vor Angriffen: Verbale Munition werde zu physischer Gewalt, sagt Ali Can. (picture alliance/Soeren Stache/dpa)

Die neue Qualität des Terrors von Hanau verunsichert besonders Menschen mit Migrationsgeschichte. Der Anti-Diskriminierungsaktivist Ali Can möchte für seine Rechte einstehen und kämpfen, weiß aber auch: "Deutschland hat Nazis nicht im Griff."

Ali Can hat eine "Hotline für besorgte Bürger" ins Leben gerufen, in Essen das "VielRespektZentrum" gegründet und ist momentan mit seinem Buch "Mehr als eine Heimat. Wie ich Deutschsein neu definiere" auf Lesereise unterwegs. Der 26-jährige Sozialaktivist hat Verwandte in der Nähe von Hanau und als er erfahren hat, dass ein rassistischer Attentäter neun Menschen vor einer Shishabar erschossen hat, galten ihnen seine ersten Gedanken: "Das hätten genauso gut meine Cousins sein können oder meine Geschwister." 

Verbale Munition wird zu physischer Gewalt

Hier trete ein Zwiespalt zutage, erläutert Can: "Einerseits wollen wir sichtbar werden, für unsere Rechte einstehen und kämpfen. Aber sobald wir an die Öffentlichkeit gehen, sind wir Zielscheibe und Projektionsfläche des Hasses." Er habe jetzt Angst, sagt Can und fügt hinzu: "Deutschland hat Nazis nicht im Griff. Wir fragen uns gerade, wie lange wir noch in Deutschland leben können."

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der Anschlag von Halle und jetzt Hanau – das seien alles Folgen des Rechtsrucks, meint Can: "Die verbale Munition, die von Leuten wie Höcke abgefeuert wird, die mündet in physische Gewalt." 

Ein Teil der Gesellschaft plant den Umsturz

Gefragt sei die Mehrheitsgesellschaft, so Can: "Menschen, die eine Einwanderergeschichte haben, geben sich Mühe, hier zu partizipieren. Sie arbeiten hier, engagieren sich, aber das reicht nicht." Man könne viel über gesellschaftspolitische Maßnahmen und Integration reden, aber: "Das wird alles nichts bringen, wenn ein bestimmter Teil der Gesellschaft, der auch übrigens bei der Polizei sitzt, der bei der Bundeswehr ist, einen Umsturz plant."

(beb)

Ebenfalls in der Sendung Fazit wurde mit Barbara John, Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der Opfer des Nationalsozialistischen Untergrundes, über den Anschlag in Hanau gesprochen. Das Interview können Sie hier nachhören:

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