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Tonart | Beitrag vom 04.12.2019

Afrob: "Abschied von Gestern"Zeit für eine Zäsur

Afrob im Gespräch mit Andreas Müller

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Afrob während eines Live-Auftritts, das Mikrofon in der linken Hand, die rechte Hand gestikulierend. (imago images / Future Image)
Kam im Alter von wenigen Monaten aus Eritrea nach Deutschland: der Musiker Afrob. (imago images / Future Image)

20 Jahre nach seinem Debütalbum orientiert sich Afrob auf "Abschied von Gestern" in eine neue, persönlichere Richtung. Im Interview spricht er über die eigene Selbstfindung und wieso er für das Album anders Texte schreiben musste als früher.

In den letzten 20 Jahren hat Afrob viel erreicht: Als Solokünstler, aber auch im Duo mit Samy Deluxe (als ASD) hat der Rapper in Deutschland große Erfolge gefeiert. 

Auf seinem neuen Album "Abschied von Gestern" geht es Afrob nun nicht darum, seine bisherigen Werke hinter sich zu lassen. Sondern nach all den Jahren den Blick in eine andere Richtung zu lenken: "Mit der Zeit merkt man einfach, mit was für Personen man klarkommt – oder was für Laster man so mit sich herumträgt, bis ins hohe Alter. Da habe ich gesagt: So, jetzt muss eine Zäsur her. Und natürlich – ein Abschied von etwas ist immer auch ein Willkommen von etwas anderem."

Botschaft vor Verpackung

In Zeiten der Playlisten, in denen viele andere Künstler auch im HipHop-Bereich vermehrt einzelne Lieder statt ganzer Alben rausbringen, glaubt Afrob an einen Gegentrend: "Ich glaube, mittlerweile gibt es eine Trendumkehrung, dass die Leute intensiver in einen Künstler oder eine Platte eintauchen wollen. Ich bin da nur der Botschafter für diese Art von Musik und Gefühl, was viele Leute vermissen werden."

Am Ende steht ein ziemlich persönliches Album. Um den Inhalt wirken zu lassen, war es Afrob wichtig, den Fokus weniger auf Rap-Technik, statt auf den Inhalt zu legen: "Ich kann ja acht Doppelreime in einem Takt machen. Das habe ich alles schon längst gezeigt. Manchmal stehen diese Technik-Geschichten der Message ein bisschen im Weg. Hier war es mir einfach wichtig, etwas zu erzählen. Mir war es sehr wichtig, dass es Platz hat, dass es atmen kann und dass ich nicht jede Sekunde mit einer Silbe den Beat zudecke."

Wandel macht Rap aus

Afrob gilt als Veterane im Deutschrap. Heute ist Rap ein Mega-Geschäft – und die Musik hat sich deutlich verändert. Für Afrob ist Nostalgie hier aber fehl am Platz: "Wenn man Rap verstehen will, muss man verstehen, dass er ständig im Wandel ist. Rap wird nie so bleiben, wie es mal war. Es erlaubt einen Ort, wo man Musik so interpretieren kann, wie man sie sieht. Das haben wir uns erlaubt – und das muss man allen anderen auch erlauben."

Er hätte sich schon vor ein paar Jahren umorientieren können – doch Motivationsprobleme, neue Musik zu machen, hat Afrob nicht. Vielmehr glaube er, dass er durch die persönliche Selbstfindung in den letzten Jahren noch einmal ein wesentlich besserer Musiker geworden ist: "Es gibt für mich keinen Grund zu sagen: 'Ich hänge das Ganze jetzt an den Nagel'".

Flüchtling4Life

Doch "Abschied von Gestern" bedeutet für ihn nicht, mit allem abschließen zu können. Afrob, dessen Familie aus Eritrea stammt, kam im Alter von wenigen Monaten nach Deutschland. Doch vollkommen integriert fühlt er sich bis heute nicht.

In dem Lied "Flüchtling4Life" thematisiert Afrob daher, wie es für ihn ist, in Deutschland aufgewachsen zu sein, aber von vielen Menschen nicht akzeptiert zu werden: "Das wird mich mein ganzes Leben lang begleiten. Ich habe gehofft, dass ich eine Zeit lang kämpfen muss, und irgendwann hat sich das beruhigt. Aber leider ist das nicht der Fall. Das ist, um was es in dem Song geht. Die Enttäuschung, dass es kein Ankommen gibt." 

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