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Fazit | Beitrag vom 11.04.2021

AfD-Parteitag in Dresden"Normal" sein wollen und trotzdem radikal

Maria Fiedler im Gespräch mit Vladimir Balzer

Der Bundessprecher der AfD, Tino Chrupalla, beim 12. Bundesparteitag in Dresden. (imago / Revierfoto)
Die zentrale Botschaft beim Bundesparteitag der AfD lautete: "Deutschland. Aber normal." (imago / Revierfoto)

Deutschland soll aus der EU austreten. Das beschloss eine sichtlich gespaltene AfD auf ihrem Bundesparteitag in Dresden. Gleichzeitig wolle die Partei mit Selbstverharmlosung bei der Bundestagswahl punkten, meint die Journalistin Maria Fiedler.

"Deutschland. Aber normal." Unter diesem Motto stand der Bundesparteitag der AfD, der am Wochenende in Dresden stattgefunden hat. Mit diesem Slogan und einem deutlich radikaleren Programm will die Partei in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Eine ziemlich kluge Strategie, wie die Journalistin Maria Fiedler findet. Sie ist Mitautorin des Buchs "Die Methode AfD" und berichtet für den Berliner "Tagesspiegel" aus der Hauptstadt.

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Die Partei könne sich so einerseits selbst verharmlosen – "selbst radikale und extremistische Positionen in der AfD werden jetzt mit dem Begriff normal in Verbindung gebracht" – und andererseits greife sie mit dieser Kampagne "die in der Coronakrise weitverbreitete Sehnsucht nach Normalität" auf, so Fiedler. Was diese Rückkehr zur Normalität für die Sterberate bedeute, erkläre die AfD dabei aber nicht.

Strategiewechsel bei der Rhetorik

Das Versprechen von Normalität überlagere nun "diese Angst- und Untergangsrhetorik vor Überfremdung", mit der die AfD bisher ins Rennen gegangen sei. Normalität meine hier die "Rückkehr zu einer idealisierten Vergangenheit, in der Migration, Klimawandel und Corona keine Rolle spielten".

Gleichzeitig kennzeichne die AfD alle gesellschaftlichen Veränderungen, die ihren Anhängern nicht passten, als nicht normal: also gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Frauenquoten, geschlechtersensible Sprache, Klimaschutz und Multikulturalismus. Dies sei gefährlich, so Fiedler. Es schüre Ressentiments und Hass.

Gelänge es der in zwei Lager gespaltenen Partei, sich hinter dem Slogan "Deutschland. Aber normal" zu versammeln "und auch die inhaltlichen Streitigkeiten zurückzustellen, dann könnte es schon passieren, dass sie noch einige Prozentpunkte aufholt", so Fiedler. Auf diese Weise könne die AfD geschickt "wegframen", dass sie eine in Teilen rechtsextreme Partei sei.

(ckr)

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