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Nachspiel | Beitrag vom 12.09.2021

Ärger in der Tennis-BundesligaSchlammschlacht beim Weißen Sport

Von Heinz Schindler

Schmutziges Sporthandtuch im Dreck. (imago/ Icon )
Während wieder Tennis in der Bundesliga gespielt wird, geht es hinter den Kulissen schmutzig zu. (imago/ Icon )

Die Tennis-Bundesliga hat einen holprigen Saisonstart hinter sich: Unmut gibt es wegen kurzfristiger Verlegungen, Abstiegsplätzen und eines Streamingdienstes. Vereine werfen dem Verband DTB schlechtes Management vor - der wehrt sich.

Corona-Bedingungen, Quarantäne-Bestimmungen und eine kurzfristige Verlegung des ersten Spieltags. Die diesjährige Saison der Tennis-Bundesliga hatte es in sich – hinter den Kulissen ebenso wie auf den Plätzen. Aufschlag TuS Sennelager, Teammanger Marc Renner:

"Alle Vereine waren sich einig: Wenn man der Verschiebung des ersten Spieltags zustimmt, dann wird ohne Abstieg gespielt. Der Deutsche Tennis Bund hat dann leider anders entschieden und zwar so, dass wir das nicht nachvollziehen können. Weil einfach keine Begründung da war, warum man in diesem Jahr auf den Abstieg nicht verzichten kann."

Knallharter Return von DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff: "Ich hab selten so viel Unsinn von einer Person in so kurzer Zeit gehört wie von dem Vertreter von Sennelager." Und er geht zum Angriff über: "Erst wollten neun Vereine den Spieltag verlegen und dann hat man versucht, den DTB zu erpressen. Indem man sagt: Wenn ihr nicht ohne Absteiger spielt, dann stimmen wir der Spielplanverlegung nicht zu."

Eine Liga braucht auch Absteiger

Dem Großteil der Liga Erpressung vorzuwerfen, ist sicherlich an der Grenze der Sportlichkeit. Um die aber gehe es ihm:

"Eine Liga, die ohne Absteiger spielt, hat viel zu große Risiken, dass nicht ernsthaft gespielt wird, dass die Liga mehr oder minder in Verruf kommt. Und deswegen hat der Deutsche Tennisbund nach sehr reiflicher Prüfung und Rücksprache mit Fachleuten entschieden, dass wir eine Liga spielen mit Abstieg. Es gab auch keinen Grund, den Abstieg nicht auszuspielen."

Wohl aber gab es aus Sicht der Vereine Gründe gegen die so kurzfristige Verlegung, erklärt Ralf Grambow, Trainer des TC Rot- Weiß Köln.

"Es ist im Tennis so, dass man drei Wochen vorher melden muss, für die Turniere. Das ist die kürzeste Deadline, die man hat. Wir haben denen gesagt, die nicht in Wimbledon sind: Die anderen sind in England, wir brauchen euch unbedingt. Meldet da bitte kein Turnier und haltet euch bereit, damit wir eine spielfertige Mannschaft haben. Dann kriegen wir aber zehn Tage vorher Bescheid: Ihr spielt jetzt doch nicht, ihr spielt am 16.7. Wo dann natürlich die Leute, die in England waren, wieder spielen können und wir die vielleicht einsetzen könnten. Da muss ich den anderen das Geld aber trotzdem zahlen. Weil wir denen ja gesagt haben: Ihr dürft da keine Turniere melden, kommt bitte zu uns. Das funktioniert so nicht!"

Vermarktung im Streaming

So intensiv die Kommunikation der Vereine mit ihren Spielern war, so verbesserungswürdig erscheint der Austausch mit dem Verband.

"Da gab es dann mehrfach subtile Provokationen, so würde ich es fast schon nennen. Wo sich ein bisschen darüber lustig gemacht wurde: Wieso wollt ihr Vereine denn erst alle umlegen? Ihr sagt uns, ihr seid 9:1 für das Umlegen, und jetzt, wo wir umlegen, beschwert ihr euch, dass wir umgelegt haben."

Eine Kostprobe subtiler Stichelei bekommt von Hordorff auch der kleinste Verein der Liga, als es um die Vermarktung der Spiele an einen Streamingdienst geht.

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"Es können jetzt zum Beispiel die Fans eines Vereins, sofern Sennelager Fans hat, zum Beispiel die Fans von Sennelager, die können ihrer Mannschaft folgen, auch wenn sie zum Beispiel am Bodensee, oder in Hamburg oder München spielt."

Und vielleicht bleiben sie sogar dann zu Hause, wenn ein Heimspiel ansteht, befürchtet nicht nur Marc Renner.

"Ich denke, die Tennis-Bundesliga lebt in erster Linie von der Stimmung und von den Zuschauern, die bei den entsprechenden Heimspielen da sind. Ob jetzt da der große Boom kommt in Sachen 'Ich gucke mir das Spiel im Internet an' - das weiß man nicht."

Dafür bekommen die zehn Vereine der Liga jeweils etwa ein Prozent der Summe, die der DTB vom Streaminganbieter erhalten haben soll. Etwa 3500 Euro. Dazu weitere Gelder aus dem Vertrag mit einem Wettanbieter. Kölns Trainer Grambow betrachtet die Saison einmal vor dem Hintergrund dieser Verträge.

"Gleichzeitig mit der Situation, wo es plötzlich heißt, wir haben Einnahmen durch einen Streamingdienst, wir haben Einnahmen durch einen Wettanbieter – die sind schon wahrscheinlich unterschrieben gewesen – also sollte die Liga doch besser stattfinden. Man könnte das ja mal so verknüpfen und sagen: Wenn das Geld nun schon geflossen ist, dann sollte das auch besser stattfinden. Dann ist natürlich so eine Entscheidung, es findet statt, leichter zu treffen oder hat vielleicht eine andere Motivationsgrundlage als wenn diese Sachen nicht da wären."

"Es geht um den Sport"

Einer der beiden Ligasprecher, Gerald Marzinell vom Meister Grün-Weiß Mannheim, kann da auch nicht entscheidend weiterhelfen. Die Übertragungen hätten einen Mehrwert gebracht, die Zugriffszahlen auf den Stream kenne er aber nicht. Der Wettanbieter sei nicht die Angelegenheit der Liga und unzufriedene Vereine gebe es immer mal. Er sieht das große Ganze:

"Aber unterm Strich muss einer entscheiden und ich glaube, die Entscheidungen waren alle in Ordnung. Die waren alle glücklich. Es geht ja nicht um einen Verein, es geht ja um den Sport insgesamt. Es war ein Riesenerfolg für das Tennis. Wenn man den Sport sieht – und darum geht’s uns – das ist wirklich das Entscheidende: dass wir einen tollen Sport haben und dass man den nach außen auch gut zeigen kann, wie gut er ist und wie schön er ist. Dann war das hundert Prozent richtig, hundert Prozent!"

Weitaus weniger als volle Zustimmung gibt es da vom Manager des TSV 1860 Rosenheim, Thomas Detterbeck:

"Wir spielen absoluten Weltklasse-Sport. Und dann wirst du so amateurhaft gemanagt. Den Eindruck habe ich. Wir haben an den DTB ein Schreiben rausgeschickt, dass wir uns vorbehalten, zum Anwalt zu gehen. Ich glaube, dass da die Messe noch nicht gesungen ist."

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