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Lesart / Archiv | Beitrag vom 11.06.2020

Adelheid Müller-Lissner: "Empty Nest"Plötzlich fehlt ein Stück Leben

Adelheid Müller-Lissner im Gespräch mit Frank Meyer

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Buchcover zu Adelheid Müller-Lissner: "Empty Nest - Wenn die Kinder ausziehen" (Ch. Links Verlag)
Adelheid Müller-Lissner hat für ihr Buch "Empty Nest" mit Müttern, Vätern, Paaren und Alleinerziehenden gesprochen. (Ch. Links Verlag)

Wenn Töchter oder Söhne ausziehen, wird Eltern bewusst, dass dieser Lebensabschnitt nie mehr wiederkommt. Trauer darüber sei etwas Normales, meint die Buchautorin Adelheid Müller-Lissner. Sie erinnert an Versuche, diese Lebensphase zu pathologisieren.

Wenn Kinder "flügge" werden und das Elternhaus verlassen, tun sich Eltern zunächst oft schwer. Auch, wenn sie fest im Berufsleben stehen und ein ausgefülltes Leben führen, spüren sie doch eine Lücke.

Die Wissenschaftsjournalistin Adelheid Müller-Lissner hat mit Müttern, Vätern, Paaren und Alleinerziehenden gesprochen, die den Auszug ihrer Kinder aus der familiären Wohnung auf verschiedene Art erlebt haben.

Außerdem interviewte sie Psychologen und Paartherapeuten, Soziologen oder Philosophen für ihr Sachbuch "Empty Nest. Wenn Kinder ausziehen" (Ch. Links, 18 Euro).

Eltern vermissen die Lebendigkeit

Eltern, für die der Abschied schmerzhaft war, denen fehlte meist "ein Stück Leben", sagt Müller-Lissner im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Sie vermissten die Lebendigkeit, zum Beispiel den Kontakt mit den Freunden der Kinder.

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Es sei "ein Stück Trauer", das viele Eltern beim Auszug der Kinder empfänden. Zugleich werde Vätern und Müttern bewusst, dass diese Lebensphase nicht mehr wiederkomme.

"Trauer ist nicht pathologisch, Trauer ist was Normales", sagt Müller-Lissner und erinnert an den Begriff des "Empty Nest Syndrom", der in den 1960er-Jahren in den USA aufgekommen ist und diese Gefühle als behandlungsbedürftig markierte.

"Tatsächlich wurde das als Unterform der Depression damals betrachtet", sagt die Autorin. "Es gab Studien mit einer ganzen Reihe von Müttern – die Väter hat man gar nicht so beachtet damals –, wo man dann gesehen hat: Die fallen in eine schwere depressive Symptomatik, wenn die Kinder ins College gehen."

Ist das Problem eher die "leere Mutter"?

Kritische Autoren hätten schon damals angemerkt, dass das Problem vielleicht gar nicht so sehr "das leere Nest", sondern "die leere Mutter" sei. 

Auch Männer seien oft nicht gut auf das Ereignis des Auszugs vorbereitet. Sie seien oft weniger als Mütter darin geübt, zu telefonieren oder Kurznachrichten zu schreiben.

Sie sei gespannt, wie Väter, die sich heute ihre Aufgaben paritätisch mit den Müttern teilten, reagieren werden, wenn ihre Kinder demnächst ausziehen.

(huc)

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