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Kompressor | Beitrag vom 28.04.2020

Actionfilm aus Korea: "Time to Hunt" Die große Freude an der Jagd

Hasko Baumann im Gespräch mit Nana Brink

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Der südkoreanische Regisseur Yoon Sung-Hyun bei der Berlinale, wo er seinen Actionfilm "Time to Hunt" zeigte.  (picture-alliance/dpa/Gregor Fischer)
Der südkoreanische Regisseur Yoon Sung-hyun zeigte seinen Actionfilm "Time to Hunt" erstmals auf der Berlinale. (picture-alliance/dpa/Gregor Fischer)

Die besten Actionfilme kommen inzwischen aus Fernost. Auf der Berlinale feierte "Time to Hunt" des südkoreanischen Regisseurs Yoon Sung-hyun Premiere. Jetzt ist der Film auf Netflix zu sehen. Filmemacher Hasko Baumann kann ihn klar empfehlen.

Nana Brink: Die Corona-Krise betrifft neben vielen Branchen auch die Filmindustrie. Die Kinos sind und bleiben geschlossen, Kassenknüller wie James Bond oder neue Marvel-Filme werden verschoben. Viele neue Filme erleben ihren Kinostart gar nicht erst und werden auf anderen Plattformen erstverwertet.

Zu diesen gehört auch der koreanische Film "Time to Hunt" von Regisseur Yoon Sung-hyun, der im Februar bei der Berlinale Weltpremiere feierte und jetzt nicht im Kino, sondern bei Netflix zu sehen ist. Filmemacher Hasko Baumann hat ihn bei der Erstaufführung in Berlin gesehen. Was ist "Time to Hunt" für ein Film?

Hasko Baumann: Es ist schon ein Genre-Film, ein Thriller mit viel Action, viele Schießereien, was nach meinem Empfinden das Berlinale-Publikum etwas verstört hat. Es geht um drei Freunde in einem dystopischen Südkorea, die aus dieser Tristesse entfliehen wollen mit einem letzten großen Coup, mit einem Raubzug in einem Casino. 

Das falsche Geld von den falschen Leuten

Brink: Das klingt recht vertraut aus vielen anderen Filmen. Was macht der denn besonders?

Baumann: Das stimmt. Es ist auch so, dass der Ausgang des Raubzugs eigentlich bekannt ist, wenn man gerne Kriminalfilme sieht. Die drei stehlen das falsche Geld von den falschen Leuten und werden von nun an gejagt.

Interessant wird es aber mit dem Auftritt des Jägers, der an der Jagd als solches viel mehr Freude hat als an seinem eigentlichen Auftrag, Geld und entwendete Beweismittel zurückzubekommen. Das ist schon ein sehr spannendes Katz- und Mausspiel. 

Brink: Daher auch der Titel, Zeit zum Jagen?

Baumann: Ab der Hälfte des Films geht es hauptsächlich um die Jagd. Das ist schon irgendwo zwischen John Woos "Bullet in the head" und "Hitcher, der Highwaykiller".  

Brink: Also ist das ein Film, den Sie empfehlen würden?

Baumann: Ich würde ihn empfehlen, weil er phantastisch gemacht ist. Er sieht, wie viele asiatische Filme, sehr gut aus, ist ganz toll gedreht und er ist auch, was die Tongestaltung angeht, wirklich sehr originell und sehr ausgeklügelt.

Schießereien in bester Tonqualität

Brink: Wenn Sie von der Ästhetik sprechen, meinen Sie auch die Bilder. Können Sie uns ein bisschen beschreiben, was sie so faziniert hat? 

Baumann: Man muss sagen, dass viele asiatische und besonders koreanische Filme wirklich toll aussehen. Sie sind phantastisch gedreht, sie sind sehr visuell. Wenn man das mag, wird man da reich belohnt.

Gleichzeitig ist nicht nur das Bild, sondern auch der Ton hervorzuheben. Die Schießereien waren brachial laut, das hat das Publikum bei der Berlinale etwas verstört.

Das andere ist, dass auf der Tonebene viel mit Filtern gespielt wird, mit Sounds. Wenn da ein Auto geknackt wird, dann wird dieser Alarmruf plötzlich zum Beat und zur Filmmusik. Das ist wirklich ganz phantastisch.

Brink: Es geht um drei Freunde, die mit einem Raubzug der Tristesse entkommen wollen. Wenn Sie sagen, die Bilder sind so phantastisch, dann ist es doch etwas, was man im Kino sehen möchte? Das geht nun natürlich nicht und dieser Film wird jetzt bei Netflix laufen. Wahrscheinlich besser als gar nichts, aber das wird nicht so wirken wie im Kino, oder?

Baumann: Das ist eine Glaubensfrage. Ich bin da nicht so streng wie andere. Der Kreuzzug für das Kino ist ein bisschen gestrig, gerade jungen Menschen nicht vermittelbar. Aber ich glaube auch, dass besonders diese Tonspielereien niemals zu Hause so einen Effekt haben wie im Kino mit einer tollen Anlage. Natürlich gilt das auch für die Bilder.

Ein Film für echte Filmfans

Brink: Also ist "Time to hunt" vor allem ein Actionfilm für Actionfans?

Baumann: Es ist ein Film für Filmfans. Wer Filme liebt, wird ihn auch mögen, einfach weil er toll gemacht ist. Actionfilmfans kommen ganz gut auf ihre Kosten.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandfunk Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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