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Wortwechsel | Beitrag vom 10.08.2018

Ackern in heißen ZeitenBringt der Klimawechsel die Agrarwende?

Moderation: Birgit Kolkmann

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Das Foto zeigt ein Salatfeld in Baden-Württemberg, das von Rissen durchzogen ist. (dpa-Bildfunk / Sebastian Gollnow)
Salatfeld in Baden-Württemberg: Kommt eine "Heißzeit"? (dpa-Bildfunk / Sebastian Gollnow)

Klimaforscher warnen vor einer "Heißzeit" auf dem Planeten Erde. Im Zentrum des heißen Sommers steht die Debatte um die Landwirtschaft. Im "Wortwechsel" geht es vor allem um deren Rolle in der Klimapolitik.

Klimaforscher warnen vor einer "Heißzeit" auf dem Planeten Erde, Umweltschützer und Klimaforscher fordern die Politik zu sofortigem Handeln auf. Im Zentrum der Debatte dieses heißen Sommers steht die Landwirtschaft.

  • Haben wir überhaupt noch Zeit, das Ruder herumzureißen?
  • Kann eine Agrarwende die Folgen des Klimawandels bremsen?
  • Hat die herkömmliche Landwirtschaft noch eine Chance?

Darüber und über mehr diskutieren im Wortwechsel:

Portraitfoto: Krüsken lächelt vor einem grauen Hintergrund in die Kamera. (DBV)Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. (DBV)Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands

"Landwirtschaft ist ein Gewerbe, das absolut standortgebunden ist. Wir können das nicht so tun, wie andere Zweige der Industrie, die einfach ihre Produktionsanlagen einsammeln und an anderen Ecken des Globus wieder aufstellen – also, wir sind auf Gedeih und Verderb an unseren Standort gekettet – und dass heißt auch, dass wir natürlich mit Standortbedingungen, die sich ändern, und dazu gehört der Klimawandel, dazu gehören Extremwetterereignisse, umgehen müssen – ob wir wollen oder nicht."

"Wir sind mittendrin. Wir sehen zum einen, auf der Positivseite, eine deutlich längere Vegetationszeit, im Schnitt der Jahre – wir sind jetzt, glaube ich, bei 15 oder 18 Tagen, die wir in den letzten dreißig, vierzig Jahren gewonnen haben. Und das ist Klimawandel live und damit müssen wir umgehen und ich halte wenig von der Rhetorik 'Weiter so ist keine Option!', weil, tatsächlich ist niemand damit unterwegs, dass er so weitermacht und so weiterarbeitet, wie er es vor zwanzig, dreißig Jahren gemacht hat."

Der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, aufgenommen am 04.02.2016 in Nürnberg (Bayern) (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)Der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)

Felix Prinz zu Löwenstein, Agrarwissenschaftler, Vorsitzender des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft

"Das, wovon ich bei den schweren Maschinen spreche ist das, was sich mit der Digitalisierung ergibt: Die wenigen Riesenmaschinen, die wir jetzt aus arbeitswirtschaftlichen Gründen einsetzen, weil halt Arbeit teuer ist, aufzulösen in viele kleine autonome Maschinen: Das klingt total wie Zukunftsmusik, aber wenn Sie mit den Landtechnik-Leuten reden, die arbeiten an den Dingen. Wir müssen aber auch über Agrarlandschaften reden. Wenn wir, in Deutschland und überall, Flächen haben, die über hunderte von Hektar keinen Baum und keinen Strauch haben, dann haben wir diese Flächen schutzlos dem Wind und der Austrocknung, aber auch der Erosion ausgesetzt. Gestern fahre ich durch Thüringen und werde gewarnt vor einem Sandsturm. Ja, das heißt ja nix anderes, als das da irgendwo bei einem Acker die Erde wegfliegt: Da müssen wir neu ansetzen. Vielleicht hilft uns auch da die neue Technik. Wenn wir mit GPS-gesteuerten Maschinen auf den Zentimeter genau fahren können, könnten wir Äcker mehr in Streifen aufteilen, wo verschiedene Sachen wachsen. Die Vielfalt wiederum ist notwendig dafür, dass viele verschiedene Lebewesen Lebensraum haben. Die Belebtheit des Ökosystems Landwirtschaft ist extrem wichtig für seine Widerstandsfähigkeit."

(privat)Markus Möller (privat)Markus Möller, Internationaler Wasserexperte, Hydrologe der Thüringer Fernwasserversorgung

"Natürlich ist die Bewässerung eine Investition, die nicht umsonst ist – da sind im Konzert der öffentlichen Hand und von privaten Landwirtschaftsbetrieben Aufwendungen zu erbringen, die aber nachhaltig auch für kommende Generationen dann zur Verfügung stehen. Ein ganz konkretes Beispiel hier von meinem Unternehmen in Erfurt: Wir planen, im Jahr 2020 eine große Brauchwasserleitung in Betrieb zu nehmen, eine Umnutzung einer bestehenden Leitung, die Wasser aus dem niederschlagsreichen Thüringer Wald in das Thüringer Becken bringt und damit Landwirtschaftsbetrieben, Gartenbaubetrieben und auch Obstbaubetrieben hier eine sicher Zukunft und einen sicheren Produktionsstandort für die kommenden Jahrzehnte gewährleistet."

Benjamin Bodirsky, Agrarökonom, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, Arbeitsbereich Landgruppe" (Deutschlandradio)Benjamin Bodirsky (Deutschlandradio)Benjamin Bodirsky, Agrarökonom, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung, Arbeitsbereich Landgruppe"

"Wir brauchen zwei verschiedene Instrumente. Das eine ist, dass wir die Umweltschäden einpreisen und dazu könnten wir die EU-Subventionen umlenken. Die Flächensubventionen führen wirklich nur dazu, dass die Pachtpreise steigen, dass Jungbauern Probleme haben, überhaupt an Land zu kommen, dass zunehmend sich auch große Investitionsgesellschaften Land kaufen und Bauern nur noch zu Pächtern werden. Stattdessen müssen wir dieses Geld nutzen, um Umweltdienstleistungen zu schaffen. Der zweite Punkt (...): wenn wir wirklich einen Strukturwandel haben wollen, dann müssen wir auch die Ernährung der Leute umstellen. Das heißt, momentan zum Beispiel kochen die Leute immer weniger, sie gehen immer mehr auswärts essen, was normalerweise auch dazu führt, dass sie einen ungesünderen Lebensstil haben, dass sie mehr Fleisch essen, dass sie mehr Fertigprodukte essen, mehr Öl, mehr Zucker und so weiter. Da sollten wir ansetzen, da sollten wir auch in Bezug auf Lebensmittelverschwendung ansetzen."

Wortwechsel

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