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Tonart | Beitrag vom 06.10.2016

"Acid Arab" aus ParisWestlicher Elektro trifft orientalische Folklore

Von Olga Hochweis

Guido Minisky und Hervé Carvalho sind das Duo Acid Arab aus Paris (Foto: Flavien Prioreau)
Guido Minisky und Hervé Carvalho sind das Duo Acid Arab aus Paris (Foto: Flavien Prioreau)

Das Debütalbum des französischen DJ-Duos Acid Arab heißt "Musique de France" - Musik aus Frankreich - und mischt arabische Musik mit elektronischen Klängen. Der selbstbewusste Titel des Albums hat auch mit den Musikern und ihrer Geschichte zu tun.

Es gibt Zeiten, da muss ein solcher Satz tatsächlich nochmal ausgesprochen werden: dass es keinerlei Beziehung gibt zwischen arabischer Musik und Terrorismus – auch nicht im von Anschlägen erschütterten Frankreich. Die beiden DJs Hervé Carvalho und Guido Minisky haben keine arabischen Wurzeln - der eine hat polnische Vorfahren, der andere einen portugiesischen Vater und eine armenische Mutter. Aufgewachsen sind sie mit der French-House-Szene der 90er-Jahre und deren Nachfolgern. Aber als sie 2012 ihr Duo Acid Arab gründeten, stand das grundlegende eigene Konzept schon im Namen fest.

Minsky: "Bei uns dreht sich viel um Acid, House und Techno. Aber dazu kommt eine Menge anderer elektronischer Stile: Subgenres wie Noise, Dark, Cold, manche Stücke klingen sogar nach 'urban' oder Hip-hop-trap. Aber was sich nicht ändert, ist der Umstand, dass wir eine Begegnung schaffen zwischen okzidentaler Elektronik und einer musikalischen Szene, die arabisch-orientalisch daher kommt. Wir wollen erzählen von der Begegnung zwischen zwei Universen, zwei Kulturen, die schon immer koexistiert haben- und auch wenn wir nicht die ersten sind, die das machen: Es gibt doch wenige, die nur das machen. Und wir wollen genau nur das machen."

Hervé: "Keiner dominiert hier. Ganz verschiedene Traditionen sind  zu hören - einfach wegen der Begegnungen ganz unterschiedlicher Musiker. Mit Sofiane Saidi sind wir beim algerischen Rai. Der Alawi-Rhythmus mit Jaouad el Garrouge bringt uns tief in die Gnawa-Klangwelten der Berber. Da sind auch türkische Sounds mit Cem Yildiz. Aber es gibt keine kulturelle Dominanz."

Selbstbewusster Titel

Am Debüt-Album von Acid Arab sind Musiker aus dem Nahen und Mittleren Osten wie der Syrer Rizan Said ebenso beteiligt wie der Keyboarder Kenzi Bourras aus Algerien. Letzterer ist seit den Anfängen dabei. Bei Live-Auftritten in Clubs und bei Festivals steht er als dritter Mann auf der Bühne. Alle anderen Musiker gaben sich im Lauf der fünf Monate, die die Album-Aufnahmen andauerten die Ehre. Keiner hatte es weit bis zum Shelter-Studio im zentral gelegenen Pariser 10. Arrondissement. Alle Interpreten sind in Frankreich  zu Hause – was dem Album auch seinen selbstbewussten Titel gab: "Musique de France" - Musik aus Frankreich.

Hervé: "Nicht alle, aber die meisten am Album beteiligten Musiker sind Franzosen. Und das ist ein Statement. Ob es ein politisches Statement ist, weiß ich nicht. Definitiv aber ist es ein Statement dafür, dass diese Musik aus einem Frankreich kommt, in dem wir leben, das wir kennen. Es ist vielleicht ein Frankreich, das man weniger in den Medien sehen kann, aber es ist eben auch Frankreich. Nur: Es geht hier um Musik. Wir wollen keine Politik machen!"

Sound bewegt mehr als Worte

Auch die meisten Texte lassen Politik außen vor. Es geht um die Liebe, um die schönen Dinge des Lebens, sagt Guido. Einzig der Alleskönner Rachid Taha – Idol von Acid Arab seit Kindertagen - singt zu düsteren Sounds von Freiheit und Hoffnung. Vor allem aber geht es um den Sound irgendwo zwischen Trance und Ekstase. Und der kann manchmal mehr bewegen als viele Worte. Regelrecht euphorisch wird der coole Hervé bei der Frage, wer denn genau zu den Auftritten von Acid Aráb  kommt:

"Alle. Wirklich alle. Wirklich wahr. Da hatten wir im vergangenen Jahr so einen großartigen Abend, der hat wunderbar gezeigt, was wir für ein Publikum haben. Ein Riesenerfolg. So viele Leute waren da, Musikerkollegen, DJ-Freunde, Künstler wie Rachid Taha. Es kamen Jugendliche , Schwule, verschleierte Frauen, Familien, die Superhippen und sehr normale Mainstream-People, und alle hatten Spaß. Das war wirklich ein ganz großer Erfolg, für mich eine wunderbare Erinnerung."

Tonart

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