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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.03.2020

Abwehrkräfte stärkenWas dem Immunsystem jetzt gut tut

Martin Mair im Gespräch mit Dieter Kassel

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Ein Mädchen folgt einer Online Yoga-Klasse in ihrem Wohnzimmer in Turin, Italien. 14. März 2020. (Getty Images / LightRocket / Nicolò Campo)
Viel schlafen und dann (zu Hause!) ein wenig Sport treiben, dazu rät unser Wissenschaftsredakteur Martin Mair. (Getty Images / LightRocket / Nicolò Campo)

Wie schwer eine Coronainfektion verläuft, hängt sehr vom Immunsystem ab. Unser Wissenschaftsredakteur Martin Mair nennt drei Dinge, die wir tun können, um unsere Abwehrkräfte zu stärken. Auch die Psyche spielt dabei eine Rolle.

Der eine merkt gar nichts davon, die nächste bekommt etwas Fieber und Husten, und wieder andere müssen mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus: Wie schwerwiegend eine Coronainfektion unsere Gesundheit beeinträchtigt, hängt vor allem von unserem Immunsystem ab.

Insofern kann es in der jetzigen Situation durchaus sinnvoll sein, etwas für die Stärkung der Immunabwehr zu tun. Die schlechte Nachricht: Nicht alles, was im Ruf steht, für das Immunsystem gut zu sein, hilft auch wirklich. Vitamin C per se stärke das Immunsystem zum Beispiel nicht, erklärt unser Wissenschaftsredakteur Martin Mair. "Das gilt übrigens für alle anderen Nahrungsergänzungsmittel auch. Da fehlen die wissenschaftlichen Belege."

Sehr wichtig: ausreichend schlafen

Was hilft, sind drei Dinge, sagt Mair: Zunächst eine vernünftige Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse. "Dann braucht es gar keine Pillen." Außerdem regelmäßig ein bisschen Sport treiben. "In Coronazeiten vielleicht eher Youtubevideo zu Hause und ein bisschen Yoga, als draußen durch die Gegend turnen oder in einen Kurs gehen." Und dann sei ganz wichtig: ausreichend zu schlafen.

Auch die Psyche habe Einfluss auf das Immunsystem, so unser Wissenschaftsredakteur. Wie genau, sei zwar "immer noch ein großes Geheimnis in der Medizin". Aber man wisse inzwischen, dass Nervenstränge aus einer Teilregion des Gehirns direkt mit Immunzellen verknüpft seien. "Deshalb ist zum Beispiel dauerhafter Stress was Schlechtes. Das führt nämlich dazu, dass bestimmte Substanzen im Immunsystem weniger produziert werden, die eben Krankheitserreger wie Viren abwehren und gleichzeitig die Stresshormone ansteigen – und die unterdrücken dann eine gute Antwort des Immunsystems."

Ein allgemeingültiges Rezept, wie man Stress begegnet, der durch Homeoffice, Homeschooling oder drohende Ausgangssperren ausgelöst wird, gibt es Mair zufolge nicht. “Da muss jeder das tun, worauf er so vertraut im Alltag“, rät er. „Für den einen ist es ein gutes Buch lesen, für den anderen ist es Musik hören.“ Und für ihn selbst? „Für mich persönlich ist es, wenn man im Moment nicht rausgehen soll: viel telefonieren.“ (uko)

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