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Therapieland | Beitrag vom 01.10.2019

Abschluss einer Psychotherapie "Machen Sie das weiter!"

Von Pia Rauschenberger und Thorsten Padberg

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Die Illustration zeigt die Schemen einer Frau, die bei Mondlicht in einer wüstenähnlichen Landschaft in Richtung des Mondes am Horizont läuft. (Illustration: Dragan Denda)
Wann und wie endet eigentlich eine Psychotherapie? Und steht am Ende der Patient oder die Patientin alleine da? (Illustration: Dragan Denda)

Psychotherapie soll dabei helfen, Probleme zu lösen und besser mit sich umzugehen. Aber wann sind diese Ziele erreicht? Wie lange sollte eine Psychotherapie dauern?

Die Dauer einer Therapie ist auch abhängig vom Behandlungsverfahren. Von einer Akutbehandlung, die 12 Stunden umfasst, bis zu einer analytischen Psychotherapie, die bis zu 300 Stunden dauern kann, ist alles möglich. Wer zum Beispiel eine Kurzzeittherapie mit 24 Sitzungen macht, kann die danach auch verlängern. Insofern ist das Ende einer Therapie auch davon abhängig, worauf sich Patient und Therapeutin einigen.

Ziel erreicht?

Wer gegen Ende einer Psychotherapie darauf wartet, dass die Therapeutin sagt, dass nun die Heilung eingetreten sei, der wird wohl lange warten müssen. Das habe er noch nie zu einem Patienten gesagt, erzählt der Verhaltenstherapeut Thorsten Padberg. Dafür seien die Therapieerfolge viel zu wenig sichtbar: "Wir arbeiten quasi hinter einer Milchglasscheibe, hinter der im Nebel Leute irgendetwas tun und wir müssen erraten, was da wohl passiert und ich würde sogar noch einen drauf setzen und sagen: Dabei tragen wir noch verschiedene Brillen, die das Ganze noch verzerren."

Fühlen Sie sich besser?

Die Patientensicht sei letztendlich entscheidend. "Deshalb frage ich immer: Brauchen Sie mich noch?" Es ist also anders als beim Hausarzt, der nur einen Blick in den Rachen werfen muss, um zu wissen, ob sich der Virus schon verzogen hat. Psychotherapie ist ein komplexer Prozess zwischen Therapeutin und Patient und deren Ende auch nicht von außen eindeutig als Erfolg oder Misserfolg zu bewerten.

Laut einer Untersuchung in Dresden, fühlen sich 21 Prozent der Patientinnen und Patienten nach einer Therapie besser. Ungefähr 68 Prozent sagten, sie fühlen sich etwas besser. Immerhin drei Prozent gaben an, dass es ihnen schlechter gehe als vor der Therapie.

Kosten und Nutzen

Nun stellt sich die Frage, ob die Gesellschaft die Kosten für so eine Behandlung tragen möchte. Denn die psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung bedeutet einen erheblichen finanziellen Aufwand.

Die Kosten ambulanter Psychotherapie betragen jährlich in Deutschland etwa 1,5 Milliarden Euro. Das sind 7,5 Prozent der jährlichen Gesamtausgaben für Behandlungen von Menschen mit psychischen Störungen. Dadurch, dass Menschen rechtzeitig behandelt werden, können natürlich auch Kosten gespart werden. Denn psychische Krankheit bedeutet oft Arbeitsausfall. Die Fehltage aufgrund psychischer Probleme hat sich innerhalb der vergangenen 20 Jahre mehr als verdreifacht.

Was passiert in der letzten Stunde?

Da psychische Probleme anders als körperliche Krankheiten funktionieren, werden sie gegen Ende einer Therapie nicht völlig verschwunden sein. Die Mehrheit der Menschen fühlt sich laut der Studie aus Dresden etwas besser. Insofern ist die letzte Stunde in einer Psychotherapie noch einmal besonders wichtig, um die Behandlung gut zu beenden.

"In aller Regel ist das eine Reflektionssitzung", erzählt der Verhaltenstherapeut Thorsten Padberg. "Wir gehen nun mal durch, wie es angefangen hat, wie inzwischen der Status ist." Er habe die Erfahrung gemacht, dass jede Patientin und jeder Patient andere Dinge aus der Psychotherapie mitnimmt.

"In der letzten Stunde machen wir uns zusammen klar, was von dem, was wir gemeinsam getan haben, hilfreich war. Das wollen wir präsent halten, um das quasi dann auch zur Verfügung zu haben, falls ein ähnliches Problem noch einmal auftauchen sollte." Dadurch, dass jeder Mensch mit anderen Sorgen und Problemen in eine Psychotherapie kommt, wird auch das Ende der Therapie bei jedem Patienten unterschiedlich aussehen. Nachdem er mit seinen Patienten zusammengetragen hat, was ihnen in der Therapie geholfen hat, sagt der Therapeut Thorsten Padberg einen Satz besonders häufig zum Abschluss: "Machen Sie das weiter!"

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