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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 10.12.2008

Absaufen von unten?

Grundwasseralarm in Berlin und in der Lausitz

Von Maren Schibilsky

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Wasser in Deutschland. Manchmal reichlich vorhanden, manchmal nicht. (Stock.XCHNG / Fleur Suijten)
Wasser in Deutschland. Manchmal reichlich vorhanden, manchmal nicht. (Stock.XCHNG / Fleur Suijten)

In Berlin und der Lausitz herrscht Grundwasseralarm. Unaufhaltsam steigt das Wasser, nähert sich langsam den historischen Höchstständen vor einhundert Jahren an. Die Keller vieler Häuser stehen regelmäßig unter Wasser. Die Standsicherheit alter Gebäude ist gefährdet. Bauherren vergangener Jahrzehnte bauten im Trocknen, wo jetzt das Wasser steht. Die Gründe für die "unterirdische Flut" sind in beiden Regionen verschieden und auch die Strategien zur Gefahrenabwehr.

Wasser in Deutschland. Manchmal reichlich vorhanden, manchmal nicht. Wasserknappheit. Vor allem im regenarmen Osten. Dort, wo mehrere trockene Jahre einander folgten. So 2003 bis 2006. Viele Seen und Flüsse verloren große Mengen an Wasser. Dort ging auch das Grundwasser zurück.

Andernorts ein anderer Trend. In vielen Städten und Gemeinden steigt das Grundwasser wieder an. Ganze Stadtquartiere kämpfen mit feuchten oder nassen Kellern. Betroffen ist auch die Infrastruktur der Städte. Risse in Straßen und Gehwegen, feuchte U-Bahntunnel, Schäden in der Kanalisation.

Eine Umfrage des Deutschen Städtetages und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes bestätigte bereits 2002 das Problem. Von 730 befragten großen Städten und Gemeinden geben 46 Prozent sehr hohe Grundwasserstände an. Berlin, Hamburg, München, Köln und Dresden bekommen nasse Füße.

Als Hauptursache wird der Rückgang des Wasserverbrauchs angegeben. Die städtischen Wasserwerke fördern weniger Grundwasser. Andernorts sind die Gründe Hochwasser oder Bergbau. "Vernässungsschäden" heißt der Fachbegriff. Große Probleme haben Berlin und die Lausitz in Brandenburg.

Seit 15 Jahren verflucht Joachim Sackhoff dieses Plätschern. Der pensionierte Ingenieur betritt den dunklen Keller eines Gründerzeithauses im Stadtquartier "Warschauer Straße" in Berlin.

"Hier sehen Sie, fließt es raus. Es kommt aus dem Hausanschlussraum."

Mit einer Taschenlampe in der Hand leuchtet er auf ein Bächlein, das mitten durch seinen Keller fließt. Von unten dringt Grundwasser durch die Kellersohle. 30 Zentimeter tief steht Joachim Sackhoff in seinen dunkelgrünen Gummistiefeln im Wasser.

"Es ist seit 1993 jedes Jahr immer ein höherer Wasserstand erreicht worden. Wir haben eine Messstelle außen im Freigelände und da zeichnen wir das regelmäßig auf."

Als Joachim Sackhoff das Gebäude 1991 übernommen hat, war der Keller noch trocken. 1,9 Millionen Euro investierte der Berliner Ingenieur in die Sanierung des Gründerzeithauses seines Großvater. Ein Gewerbehof ist entstanden mit Showräumen für Textilunternehmen. Eine Elektrotechnik- und Werbefirma hat hier ihren Sitz. Im Keller befand sich eine Metallwerkstatt. Bis 1993 das Wasser kam. Auch ein Lastenaufzug fuhr vom vierten Stock in den Keller.

"Wir mussten die Kellerstation des Aufzugs schon stilllegen, weil der Aufzug schon unten ins Grundwasser gefahren ist und die ganze Elektrik kaputt gegangen ist."

Die 2.200 Quadratmeter großen Kellerräume sind unbrauchbar geworden. Die Hausanschlussstation musste Joachim Sackhoff höher legen, damit die Elektrik nicht im Wasser hängt. Ein Geruch von Moder und Fäulnis liegt in der Luft.

"Das gibt Schwamm, das gibt Feuchtigkeit, das gibt Auswaschungen im Putz. Das gibt Absackungen unterhalb der Kellersohle. Es gibt Brüche in der Kellersohle, weil das Wasser eben mal drückt, mal abfällt. Es ist unbeschreiblich."

Alexander Limberg von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz kennt diesen Fall. Er ist einer von hunderten in der Bundeshauptstadt. Jahr für Jahr nehmen die Grundwasserschadensmeldungen zu. Eingaben von Bürgern stapeln sich auf seinem Schreibtisch.

"Die Brennpunkte des Grundwasseranstiegs sind vor allem heute in den Gebieten, wo die Wasserwerke liegen. Dort ist einfach die Grundwasserförderung stark zurück gegangen und infolgedessen ist dort das Grundwasser wieder stark angestiegen."

Alexander Limberg breitet eine Karte auf dem Tisch aus. Großräumig sind die Einflussbereiche aller Berliner Wasserwerke erkennbar. Sieben Wasserwerke wurden nach 1990 außer Betrieb genommen. Dort steigt das Grundwasser besonders - erklärt Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe.

"Das sind gigantische Mengen. Wir haben in Berlin insgesamt seit der Wende eine Halbierung der Wassernutzung. Das hat mit dem Weggang und dem Kaputtgehen eines Großteils der Berliner Industrie zu tun. Auf der anderen Seite haben aber auch umweltgesetzliche Reglungen und moderne Haustechnik, die per se Wasser sparend ist, dazu geführt, dass wir uns auf immer niedrigerem Niveau einpegeln."

Der Rückgang des Wasserverbrauchs sei der Hauptgrund für die hohen Grundwasserstände unter Stadt. Mittlerweile erstreckt sich das Problem auf viele Stadtteile wie Spandau, Tegel, Johannisthal, Wuhlheide, Mitte und Friedrichshain. Joachim Sackhoff im Stadtquartier Warschauer Straße hat sich notdürftig mit einer Pumpe im Keller beholfen.

"Die läuft das ganze Jahr über als Sumpfpumpe. Immer anschalten, abschalten, immer - wenn wir Grundwasser hoch haben, fünf, sechs, acht Zentimeter über der Kellersohle, dann läuft die 24 Stunden am Tag, wochenlang."

Insgesamt drei Pumpen laufen im Gelände. Über einhundert Eigentümer haben Grundwasserschäden im Stadtquartier. Seit das Wasserwerk Friedrichsfelde Anfang der 90er Jahre abgeschaltet wurde. Die Grundwassergeschädigten haben den Berliner Senat aufgefordert, ein gebäudeverträgliches Grundwassermanagement zu schaffen.

Doch der Ruf nach staatlicher Hilfe sei zu einfach - meint Alexander Limberg von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

"Die Menschen haben vor 20, 30 Jahren ihr Haus gebaut und haben in Erinnerung, dass seit Menschengedenken, seit Generationen, das Grundwasser so tief war. Sie haben dabei vergessen, dass es auch höher ansteigen kann, wenn ein Wasserwerk die Förderung verringert oder einstellt."

Doch dieser Vorwurf treffe nicht immer zu – meint Joachim Sackhoff. Sicher gäbe es viele Bauherren in Berlin, die Informationen über höchst gemessene Grundwasserstände nicht beachtet haben. Sein Großvater, der um 1900 gebaut hat, gehöre nicht dazu.

"Mein Großvater hat nach damaligem Stand sicher nicht falsch gebaut. Die Kellersohle ist mit einem Abstand von 1,20 m zu dem damals gemessenen Grundwasser gebaut worden. Das ist ein sicherer Abstand. Aber um 1900, als unser Gebäude errichtet wurde, gab es für niemanden eine Aussage für möglicherweise höchste Grundwasserstände."

Was tun, wenn jetzt ganze Stadtquartiere Probleme bekommen? Alexander Limberg sieht bisher nur einen Ausweg für Berlin.

"Wir versuchen natürlich zu helfen, wo wir können im Rahmen unseres Grundwassermanagements. Wir versuchen die Trinkwasserförderung so zu verteilen in der Berliner Stadt, dass die Schäden möglichst gering sind, dass wir möglichst viel bei den Wasserwerken fördern, wo viele Kellerwasserschäden sind, soweit das technisch möglich ist. Das geht nur immer im Rahmen des Trinkwasserbedarfs."

Die Berliner Wasserbetriebe verteilen jetzt schon die Wasserförderung auf neun Wasserwerke der Stadt. Eigentlich würden drei Wasserwerke reichen, um den Bedarf der Berliner zu decken. Ein zehntes Wasserwerk in Johannisthal soll in den nächsten Jahren wieder angeworfen werden.

Die Firma Siemens hat auf eigene Kosten ein still gelegtes Wasserwerk in Jungfernheide in Betrieb genommen, um die Keller ihres Firmensitzes in der Bundeshauptstadt trocken zu halten. Das geförderte Grundwasser wird ungenutzt in die Spree eingeleitet.

Den Betroffenen im Stadtquartier Warschauer Straße helfen diese Wasserwerke nicht. Der umweltpolitische Sprecher der Berliner SPD, Daniel Buchholz, fordert deshalb andere Lösungen.

"Wir werden es sicher nicht schaffen, über die normale Trinkwasserförderung, die Probleme mit dem hohen Grundwasser in Berlin zu lösen. Da ist für mich das große Stichwort, dezentrale Lösungen, das heißt kiez- und stadtteilbezogen. Da muss man schauen, ist es nicht effizient dort, in kleineren Bereichen Pumpen zu installieren, die dann eben das Grundwasser fördern."

Bereits 2005 hat Daniel Buchholz einen Parlamentsauftrag auf den Weg gebracht, der vom Berliner Abgeordnetenhaus mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Der Berliner Senat wurde beauftragt, zu prüfen, ob nicht externe Pumplösungen außerhalb der Trinkwasserförderung für die Grundwassersteuerung möglich seien.

Bisher gibt es keine abschließende Antwort vom Berliner Senat. Aber an einer neuen Grundwassersteuerungsverordnung werde gearbeitet - weiß Daniel Buchholz von der Berliner SPD.

"Die Zeit drängt sehr. Wir brauchen jetzt auch kurzfristig Lösungen, die wir auch angehen können, denn der Parlamentsauftrag ist jetzt dreieinhalb Jahre alt. Es müssten auch ein paar Untersuchen angestellt werden, was ist technisch möglich, wo laufen wirklich die Grundwasserströme unterhalb von Berlin. Aber jetzt ist die Zeit, dass wir zu Entscheidungen kommen."

Die spannende Frage bleibt, wer diese externen Pumpanlagen finanziert. Im Stadtquartier Warschauer Straße hat die Betroffenenvertretung mit dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bereits vor zwei Jahren eine Pumplösung erarbeitet. Zehn bis 16 Grundwasserpumpen würden ausreichen, um das Schadensgebiet von drei Quadratkilometern Größe trocken zu bekommen - erzählt Joachim Sackhoff.

"Wir haben uns als Interessenvertretung bereit erklärt als Eigentümer sicherlich unseren finanziellen Anteil zu tragen, wenn alle, die betroffen sind, gleichermaßen mit zur Kasse gebeten werden. Wir haben da Vorschläge gemacht, wie man es umlegen kann auf die betroffenen Eigentümer."

Finanzierungsmodelle für externe Pumpanlagen müssen erst gefunden werden. Ob sich der Berliner Senat beteiligt, sei offen - meint der Berliner SPD-Politiker Daniel Buchholz.

"Ich glaube, das ist auch möglich. Das sieht man auch an anderen Stellen der Bundesrepublik. Wenn man sich zusammen setzt und vernünftige Konzepte entwirft und nicht alle nur auf ihrer Maximalposition beharren, sondern sich alle auch finanziell daran beteiligen, dann ist so etwas möglich."

Kellergewölbe im Schloss Altdöbern. Niederlausitz. Der Boden ist bis zu eineinhalb Meter tief aufgebuddelt. Findlinge liegen herum. In den Bodenlöchern befinden sich marode Holzbalken. Sie gehören zum Fundament des 300 Jahre alten Barockschlosses. Es wurde auf einem Holzrost gegründet. Jürgen Klemisch von der Brandenburgischen Schlösser Gmbh beobachtet, wie Beton in die Bodenlöcher eingespült wird.

"Wir führen im Moment eine Grundwassersanierung durch. Das heißt, wir müssen die gesamten Fundamentbereiche, die großenteils aus Holzrosten bestehen, in unterschiedlichen Höhen ausbauen. Wir sind dabei, eine komplette Betonplatte unter dem Schloss zu führen."

Das Schloss bekommt ein 50 Zentimeter dickes neues Betonfundament. Denn auch in der Niederlausitz steigt das Grundwasser. Jahrzehntelang wurde es abgesenkt, um trocken Braunkohle zu gewinnen. Ein 2000 Quadratkilometer großer Absenkungstrichter befand sich bis vor kurzem unter der Lausitz. Nachdem viele Tagebaue nach 1990 stillgelegt wurden, kommt das Wasser jetzt von unten wieder. Schneller als erwartet. Um das Altdöbener Schloss herum steigt das Grundwasser 80 Zentimeter im Jahr. Das alte Holzfundament bekam Probleme.

"Eine Ursache ist natürlich, dass das Holz, das ursprünglich immer im feuchten Milieu gewesen ist, trocken gefallen ist im Laufe der Grundwasserabsenkung Ende der 60er Jahre. Heute ist es so, dass durch den Grundwasserwiederanstieg das Holz wieder eintaucht in den Grundwasserspiegel und ein zweites Mal das Medium, in dem es ist, sich verändert. Hierdurch wird der Verrottungsprozess stark angeregt."

In den oberen Etagen des Schlosses sind die Schäden unübersehbar. Tiefe Risse in den Wänden. Auch außen an den Mauern. Das Gebäude hat sich an einigen Stellen abgesenkt, an anderen gehoben.

Seit zehn Jahren läßt die Brandenburgische Schlösser GmbH das Altdöberner Schloss erneuern. Das Dach wurde mit Schiefer gedeckt, die Südfront bekam eine Sandsteinfassade, der Lichthof ist neu überdacht. Decken, Gesimse und Fenster sind saniert. Doch alle Arbeiten mussten im letzten Jahr gestoppt werden, um das Barockschloss vor dem schnell ansteigenden Grundwasser zu retten. Rund 3,4 Millionen Euro kostet das.

Jürgen Klemisch schaut in den Schlossgarten. Allein könnte die Brandenburgische Schlösser GmbH diese Summe nicht aufbringen. Den Löwenanteil an der Grundwassersanierung zahlt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft LMBV. Auch mit Know-How unterstützt das Bergbausanierungsunternehmen. Bund und Länder haben dafür eine Gesetzesgrundlage schaffen. Paragraf drei des Verwaltungsabkommens Braunkohlesanierung. Es gibt ein großzügiges Budget - berichtet Klaus Zschiedrisch von der LMBV.

"Die LMBV hat über das Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung für den Zeitraum von 2008 bis 2012 eine Gesamtbudget von 260 Millionen Euro für das Lausitzer Revier und den Mitteldeutschen Raum. Das ist eine auskömmliche Summe für die Projekte, die wir für die Abwehrmaßnahmen planmäßig durchführen können."

Die LMBV ist dabei, Lösungen zu erarbeiten. Für erste Brennpunkte wie im Spreewald oder im Großraum Plessa/Lauchhammer oder in der Stadt Senftenberg. Friedrich-Carl Benthaus entwickelt mit seinem Team ein ganzes Maßnahmepaket.

"Wir gehen systematisch an die Sache ran. Wir werden von den Kommunen beauftragt, großräumige Lösungen zu schaffen. Deshalb werden von uns Varianten gerechnet, die alles umfassen - die Pumplösungen im Großräumigen, die Haussanierung durch Anheben, die Verlegung von Drainagen zum gezielten Abführen als auch das Wiederaufbuddeln früherer Grabensysteme."

Die Lausitz ist durch das Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung in einer Sondersituation. Jürgen Klemisch von der Brandenburgischen Schlösser Gmbh.

"Es ist ein Glück, dass die Paragraf-Drei-Maßnahmen überhaupt installiert worden sind. Und damit auch ein Instrument, was uns und auch anderen hilft, Schäden, die man früher erst beseitigt hat, wenn sie eingetreten sind, schon im Vorfeld, damit sie gar nicht erst entstehen, zu verhindern."

Auch Hans-Joachim Ertel hat mit Hilfe des Verwaltungsabkommens sein Haus vor dem Grundwasseranstieg retten können. Er bewohnt ein Einfamilienhaus in der 300-Seelen-Gemeinde Burghammer. Schon einmal hat er mit seiner Frau ein Haus verloren. Weil es Risse bekam durch die bergbauliche Grundwasserabsenkung. 1994 mußte es abgerissen werden. 1995 baute Hans-Joachim Ertel ein neues. Jetzt steigt das Grundwasser in der Gemeinde. Zehn Zentimeter stand es im letzten Sommer unter seiner Bodenplatte.

"Es gab keinerlei Hinweise, dass es zu einem Wiederanstieg des Grundwassers kommt. Fairerweise muss man auch dazu sagen, da habe ich selber auch nie im Traum dran gedacht, dass es hier irgendwann wieder zum Grundwasseranstieg kommt. Das war vor zehn Jahren, als ich das Haus gebaut hab, absolut kein Thema."

Das Bergsanierungsunternehmen LMBV hat die Situation in Burghammer untersucht und zunächst für sieben Häuser eine Lösung angeboten. Eins wurde abgerissen und mit finanzieller Unterstützung der LMBV neu gebaut. Hans-Joachim Ertel hat sein Haus samt Keller um 1,10 Meter anheben lassen. Es war das vierte Haus im Ort.

"Ich habe auch gezweifelt bis zum Schluss, ob es funktioniert. Aber ich bin sehr zufrieden. Es hat keinerlei Schäden gegeben. Die Anhebung war innerhalb von zwei Tagen erledigt. Ich bin mehr als zufrieden. Das kann man wirklich sagen."

Jetzt steht Ertels Haus auf einem kleinen Sandhügel. Neuer Rasen ist angesät. Das Haushebungsverfahren nach Burghammer geholt hat der Bauunternehmer Ulrich Wendt. Als Pilotprojekt hat er sein eigenes Haus im Ort zuerst heben lassen.

Das Verfahren selbst stammt aus Bad Münstereifel. Anfang der 80er Jahren entwickelte es der Bauingenieur Bernfried Sudbrack. In Nordrhein-Westfalen hat er bereits einige Häuser aus dem Grundwasser gehoben und viele abgesenkte Gebäude aufgerichtet. Sein prominentestes Projekt war der schiefe Turm von Pisa.

Jetzt bietet Bernfried Sudbrack zusammen mit Ulrich Wendt die Hausanhebung in der Lausitz an. Im bergbaubedingten Grundwasserschadensfall trägt die LMBV 80 Prozent der Kosten. Den Rest muss der Hauseigentümer aufbringen - erzählt der Burghammer Bauunternehmer Ulrich Wendt.

"Wenn man den Leuten helfen kann, ihr Eigenheim zu schützen oder es wieder bewohnbar zu machen, ist das natürlich eine ganz feine Sache. Wenn dann auch so eine Reglung getroffen wird, dass Bund und Länder zu einem bestimmten Prozentsatz einspringen, dann sehen wir das doch ganz sportlich. Wenn wir gerufen werden, ziehen wir das in kürzester Zeit durch."

Die eigentliche Hausanhebung dauert zwei bis drei Tage. Vorher muss das Gebäude frei geschaufelt werden. Mithilfe von hydraulischen Hubzylindern wird das Haus sechs Zentimeter in der Stunde gehoben. Der entstandene Hohlraum unter dem Fundament wird mit Beton verfüllt und nach unten gegen das Grundwasser abgedichtet.

Jahrzehntelang wurde in das Grundwasserregime eingegriffen. Jetzt muss damit gerechnet werden, dass sich das Wasser beim Wiederanstieg auch andere neue Wege sucht. So könnten nun auch Schäden in Regionen entstehen, die nie ein Grundwasserproblem hatten.

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