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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.07.2017

80 Jahre Haus der Kunst Schwieriger Umgang mit der NS-Architektur

Tobias Krone im Gespräch mit Marietta Schwarz

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(picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)
Ein Ort mit Widersprüchen - das Haus der Kunst in München (picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)

Das Haus der Kunst in München hat seinen 80. Jahrestag mit einem Symposium begangen. Kulturjournalist Tobias Krone wünscht sich eine ausführlichere Diskussion über die Ideen des Architekturbüros Chipperfield zum Umbau des früheren NS-Baus.

Zum 80. Jahrestag lud das Haus der Kunst in München Künstler, Kuratoren und Wissenschaftler zu einem  halbtägigen Symposium ein, um den zeitgenössischen Umgang mit historischer Architektur aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren. Dabei geht es auch um den Vorschlag des Architekturbüros Chipperfield, das Haus der Kunst in seinen Originalzustand rückzubauen und dafür zahlreiche Bäume zu fällen, die seit der Nachkriegszeit den NS-Bau im Stadtbild verbergen.

Die Rolle des Archivs

Der Kulturjournalist Tobias Krone bedauerte im Deutschlandfunk Kultur, dass die Diskussion bei dem Symposium eher abstrakt blieb. Die Künstlerin Beate Passow habe zum Thema Intervention in der Architektur gesprochen. Sie selbst hatte vor einigen Jahren an der Fassade der Münchner Universität Einschussspuren aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt und diese mit Glas versehe, auf dem "Wunden der Erinnerung" stand. "Das war auch mal eine tolle Idee in den 90er-Jahren, so eine Art Konservierung dieser Spuren", sagte Krone. "Sie hatte zur Aktualität heute aber wenig zu sagen, außer das Kunst besser erinnern kann als die Architektur." Der Direktor des Museums, Okwui Enwezor, vertrete da eine ähnliche Sicht. Die Erinnerung an seinen NS-Ursprung halte das Haus der Kunst deshalb vor allem mit seinem Archiv wach, das Künstler immer wieder zu Ausstellungen einlade. "Es ist ein besonderes Archiv, weil es keine Werke hat, sondern Erinnerungsstücke, Möbel, Dokumente ect aus der NS-Zeit und aus der Zeit danach."

Aufregung um die Bäume

Zu einer echten Diskussion sei es erst am Ende des Symposiums gekommen, sagte Krone. Nach einem Vortrag der Kunsthistorikerin Ines Lauterbach über die architektonische Geschichte des Hauses habe sich das Publikum nicht mehr halten können. "Die Münchner bewegt das sehr, sehr stark, vor allem, was mit diesen hohen Bäumen vor dem Haus der Kunst passieren soll", sagte Krone. Sie kaschierten das Haus in seiner Klotzigkeit im Sommer ein wenig. Chipperfield wolle das Haus in seinem Entwurf für den Umbau freilegen und die Bäume fällen lassen. Die Münchner Grünen hätten dagegen protestiert  und auch Lauterbach habe sich in ihrem Vortrag dafür ausgesprochen, die Bäume zu erhalten. Bei der Debatte gehe es um die tiefergehende Frage, ob man NS-Architektur wieder an ihren Originalzustand zurückführen dürfe. "Ich denke an Chipperfields Ideenskizzen lässt sich grundsätzlich so ein neuer Geist ablesen, den man zumindest sehr viel ausführlicher diskutieren sollte", sagte Krone.   

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