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Tonart | Beitrag vom 21.12.2020

80. Geburtstag von Frank ZappaDie klanggewordene Einzigartigkeit

Nikko Weidemann im Gespräch mit Mascha Drost

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Frank Zappa (imago images / Prod.DB)
Ein ganz eigener Kosmos sei Zappa und seine Musik gewesen, sagt Nikko Weidemann. (imago images / Prod.DB)

Am 21. Dezember wäre Frank Zappa 80 Jahre alt geworden. Bis heute ist seine eigenwillige Musik unnachahmlich. Musiker und Komponist Nikko Weidemann stand einmal Backstage mit Zappa auf der Bühne. Er sei ein "gequälter Geist" gewesen, so Weidemann.

Aus Trotz gegenüber den Linken, die ihn zu gern vereinnahmt hätten, bezeichnete er sich als konservativ. Dabei musste er einem typischen Konservativen erschienen sein, wie der Leibhaftige. Frank Zappa: die klanggewordene Einzigartigkeit. Ein Avantgarde-Rocker, der E-Gitarre und Neue Musik zusammenbrachte. Strawinsky oder Varèse waren seine Vorbilder, genauso wie R&B oder Free Jazz. Seine Kompositionen waren teils aberwitzig kompliziert.

Zwischen Klassik und Blues

Nikko Weidemann ist Musiker und Komponist unter anderem für Tom Tykwer und Dani Levy. Die meisten dürften ihn jedoch als Leiter des Moka Efti Orchestra aus "Babylon Berlin" kennen. Doch Weidemann ist auch ein großer Bewunderer von Frank Zappa und hat ihn persönlich kennengelernt. Er erinnert sich noch genau, wie er als Teenager zum Fan wurde:

"Eine Kreuzung zwischen Klassik des 19. Jahrhunderts und Blues, das war eben ein Alleinstellungsmerkmal von Zappas musikalischem Genius. Dass er wirklich zwei komplett widersprüchliche Musikformen, nämlich die hochintellektuelle Klassik von Webern, Schönberg und Strawinsky zusammenbrachte mit dem ganz rudimentären Chicago-Blues. Mit 12, 13 ist man ja nicht analytisch, aber man empfindet das als einen wahnsinnigen Reichtum. Und dann ist Zappa natürlich jemand, der einen einlädt in sein Universum. Von seiner ganzen Art und Weise her ist es ein ganz eigener Kosmos, den dieser Mann aufmacht."

Der Neuankömmling

Weidemanns Bewunderung mündete darin, dass nach einem Gespräch mit Zappas Roadie schon mittags in die Frankfurter Festhalle gelassen wurde, wo er sich dann ans Klavier geschlichen hat und zu spielen begann. Als er dann "King Kong" anstimmte, habe sich die ganze Band dazugesellt und mit ihm gespielt, sogar Zappa persönlich. Woraufhin Weidemann ihm gesagt habe, dass er gerne Teil der Band werden würde und Zappa ihn zum Vorspielen in die USA eingeladen habe, zu dem Weidemann jedoch nicht ging.

Neben seiner anziehenden Wirkung auf Jugendliche war ein anderer spannender Aspekt Zappas seine politische Unnahbarkeit. Denn obwohl gerade die Hippiebewegung ihn idealisierte, bezeichnete er sich selbst als konservativ. Das habe laut Weidemann mit seiner Herkunft zu tun:

"Er war durch und durch ein Erstgeborener Amerikaner. Sein Vater wurde in Italien geboren. Zappa war das Kind von jemandem, der eigentlich nie in Amerika ankam. Im Alter von 13, 14 Jahren hatte er bereits neun Schulen besucht, das heißt er war in dieser Kapsel des Fremden, des Neuankömmlings."

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Die habe dazu geführt, dass er sich von niemanden vereinnahmen lassen wollte. Das habe sich auch bei einem Auftritt im Berliner Sportpalast im Mai 1968 gezeigt. Dort habe der Sozialistische Sportbund versucht, die Show zu kapern und Zappa dazu zu bewegen, das Alliierte Kommando anzuzünden.

Ein Erlebnis, das er in einer niemals veröffentlichten deutschen Version des Stückes "A Holiday in Berlin Full Blown" verarbeitet habe, in dem er über Leute wie Horst Mahler gesungen habe, die damals zwar links gewesen, aber im Kern Nazis gewesen sein. Etwas, das Weidemann als prophetisch bezeichnet.

Gequälter Geist

Doch Weidemann sieht in Zappa nicht nur einen Propheten: "Er war ein sehr widersprüchlicher und auch abgründiger, gequälter Geist. Er war auch natürlich Kind seiner Zeit, der Vierziger. Je besser ich Englisch konnte, desto mehr habe ich gemerkt, dass er eigentlich eine gewisse Art von Abgründigkeit in seinen Texten hat, die ich nicht brauche."

(hte)

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