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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.07.2016

80. Geburtstag des Schriftstellers Norman Manea Ein Erwachsener mit der Perspektive des Kindes

Ernest Wichner im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Der Schriftsteller Norman Manea zu Gast im Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Der Schriftsteller Norman Manea feiert heute seinen 80. Geburtstag (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Der rumänische Schriftsteller Norman Manea sieht sich selbst als alten, europäischen Melancholiker. Der Leiter des Berliner Literaturhauses, Ernest Wichner, hat einige seiner Werke ins Deutsche übersetzt und würdigt dessen Werk zum 80. Geburtstag.

Unruhe und Ungehaltenheit angesichts der Zustände in der Welt seien wichtige Wesenszüge des rumänischen Schriftstellers Norman Manea, sagte der Leiter des Berliner Literaturhauses, Ernest Wichner, im Deutschlandradio Kultur.

"Das führt natürlich zurück zu seiner Urerfahrung als Kind, wenn er als Fünfjähriger schon deportiert wird von den Rumänen als rumänischer Jude nach Transnistrien mit der ganzen Familie."

Alle hätten wie durch ein Wunder diese Deportation überlebt.

Rumänische Schuld durfte nicht erwähnt werden

"Den Schriftsteller Norman Manea habe ich kennengelernt als jemand, der als Erwachsener durch die  Perspektive des Kindes diese ersten Erfahrungen beschreibt und dies unter den Bedingungen des Kommunismus", sagte Wichner zu dessen 80. Geburtstag. Er erinnerte daran, dass es sich in Rumänien um einen Nationalkommunismus gehandelt habe. Damals habe man die Schuld der Rumänen an den Verbrechen nicht einmal erwähnen dürfen.

Die alte Heimat

Durch den Systemwechsel und das Exil in den USA hätten sich Maneas literarischen Möglichkeiten verändert. Seinem Thema sei er aber immer treu geblieben, sagte Wichner, der einige Texte des rumänischen Autor selbst übersetzt hat.  In den USA sei der Autor allerdings niemals heimisch geworden. Die rumänische Sprache sei ebenso wie der Ort seiner Kindheit die eigentliche Heimat geblieben, sagte Wichner: 

"Ich will der Zensur kein Lob sprechen, aber so ein Text war nur in jenen restriktiven Verhältnissen möglich. Da hat die Ästhetik nochmal eine Aufgabe hinzugewonnen, die sie sonst in unseren freien Gesellschaften, in denen man alles aussprechen und darstellen kann, nicht hat." 

Norman Manea: Die Rückkehr des Hooligan
Hanser-Verlag 2006, 24,90 Euro.    

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