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Studio 9 | Beitrag vom 04.05.2020

75 Jahre "Victory in Europe"-DayDie Frauen haben den Krieg mitgewonnen

Von Claudia Sarre

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US-Kriegspropagandaplakat zeigt "Rosie The Riveter", die ihre Muskeln anspannt. (imago / JohnxParrot/StocktrekxImages)
"Rosie The Riveter" spannt ihre Muskeln an. Mit Plakaten wie diesen wollte die US-Armee im II. Weltkrieg Frauen für die Kriegsproduktion gewinnen. (imago / JohnxParrot/StocktrekxImages)

Am 8. Mai 1945 wurde in den USA der Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht gefeiert. Ein Sieg, an dem auch die Frauen in den Fabriken und Krankenhäusern ihren Anteil hatten. Sie gingen mit neuem Selbstbewusstsein nach Hause.

"Rosie the Riveter" - auf Deutsch: "Rosie, die Nietmaschine" - wurde 1943 zum nationalen Hit in Amerika. Eine Hymne an die Fabrikarbeiterin Rosie, die unermüdlich für ihr Vaterland am Fließband steht und so ihren Teil zu den amerikanischen Kriegsanstrengungen beiträgt. Während ihre Männer damals an der Front kämpften, sollten die Frauen zuhause ihren Mann stehen und Jobs übernehmen, die zuvor von Männern gemacht wurden.

"Oh ja, die Frauen haben mobil gemacht", erzählt Lieutenant Colonel Marilla Cushman vom Women's Memorial in Arlington, Virginia: "Sie haben in Fertigungsbetrieben geschuftet. Sie haben Flugzeuge gebaut, Bauteile hergestellt und auf Werften gearbeitet."

Das Bild der hartarbeitenden Rosie, die die Muskeln flext und die Faust ballt, ließ die US-Regierung damals auf Plakate drucken. Darüber stand in großen Lettern: "We can do it". Kriegspropaganda, die Mütter, Hausfrauen und Mädchen ermutigen sollte, sich für den Kriegsdienst in den Munitionsfabriken und in der Rüstungsindustrie zu melden. 1944 wurde die Geschichte von der tapferen Kriegsarbeiterin Rosie sogar verfilmt.

Eine Frau in Mode der 40er-Jahre steht in einer Fabrik und schraubt mit einer Maschine Schrauben ein. (imago/Everett Collection)Zahlreiche Hollywoodfilme zeigten "Rosie the Riveter" und ähnliche Figuren. Hier eine Szene aus Edward Dmytryks "Tender Comrade" von 1943 mit Ruth Hussey. (imago/Everett Collection)

Hunderttausende Frauen waren im Krieg

Aber die Frauen malochten nicht nur zuhause, hunderttausende Amerikanerinnen zogen mit in den Krieg. Meist als Krankenschwestern oder im Verwaltungsdienst. Als schließlich der 8. Mai 1945 kam – der Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht – gab es für die meisten kein Halten mehr. Marilla Cushman zitiert aus den Aufzeichnungen einer damals jungen Sergeantin aus Washington:

"'Wir arbeiteten in 24-Stunden-Schichten. Ich war in der Nacht des 8. Mai im Dienst. Als uns die Nachricht erreichte, dass der Krieg in Europa vorüber ist.' Das zu lesen ist sehr emotional. Deutschland hatte sich den Alliierten ergeben. Es war V-E Day." 

Das neue Selbstbewusstsein der Frauen

"V-E Day", "Victory in Europe"-Day heißt der Tag der Befreiung auf dem nordamerikanischen Kontinent. Danach war es nicht nur für die aus Europa heimkehrenden Männer, sondern auch für die Frauen sehr problematisch wieder zum normalen Alltag zurückzukehren, erzählt Marilla Cushman:

"Es muss für die Frauen so schwierig gewesen sein, sie hatten die ganze Zeit die Hosen angehabt, sie waren 'in charge'. Sie haben die Fabriken am Laufen gehalten, und dann mussten sie zurück nach Hause."

Drei Frauen arbeiten 1942 auf einer Schiffswerft. (imago/StockTrek Images)Drei Frauen arbeiten 1942 auf einer Schiffswerft. (imago/StockTrek Images)

Die von Kriegsfronten heimkehrenden Männer waren überrascht, wie selbstständig und selbstbewusst ihre Frauen plötzlich waren. Zwar trieb es Monate später viele Frauen zurück an den Herd, doch ein Anfang in Richtung Gleichberechtigung war gemacht. Und das Bild von "Rosie the Riveter" ist bis heute eines der Symbole der amerikanischen Frauenbewegung.

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