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Wortwechsel | Beitrag vom 03.01.2020

75 Jahre nach dem Zweiten WeltkriegFriedensmacht Deutschland, was heißt das?

Moderation: Annette Riedel

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Skulptur "Non Violence" nahe dem Bundeskanzleramt in Berlin (Imago / Ipon)
Skulptur "Non Violence" nahe dem Bundeskanzleramt in Berlin (Imago / Ipon)

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Deutschland ein Land, vor dem kein anderes sich fürchten muss. In Konflikten setzt die Bundesrepublik auf Diplomatie statt Militär, wir sind friedfertig. Haben wir unsere Lektion also gelernt?

"Nicht wegducken" soll sich die Bundeswehr beim Einsatz in Mali, sondern beim Anti-Terrorkampf in Westafrika robuster vorgehen, findet Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Der Koalitionspartner SPD sieht das ganz anders. Wieder einmal diskutieren Politiker darüber, welche Rolle das Militär in deutscher Außenpolitik spielen soll, darf, kann. Und das zu Beginn des Jahres, in dem sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal jährt, den Hitler-Deutschland angefangen hatte.

Aus diesem Angriffs- und Vernichtungskrieg hat die Bundesrepublik die Lehre gezogen: Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen. Darin sind sich alle Vernünftigen in unserem Land einig, doch was heißt das konkret für die Mittel deutscher Außenpolitik? Soll Deutschland sich weiter aus allen militärischen Konflikten heraushalten und allenfalls Logistik oder Luftbilder beisteuern, während unsere Verbündeten kämpfen? So wie im Irak, in Libyen oder Syrien?

"Deutsche Macht fürchte ich heute weniger als deutsche Untätigkeit"

Frankreich, das in Mali die Hauptlast der Kämpfe trägt, hat um mehr deutsche Unterstützung gebeten, vergeblich. In der NATO pochen nicht nur die USA auf deutlich höhere Verteidigungsanstrengungen der Deutschen. Und es war ausgerechnet ein Außenminister Polens, des ersten Opfers deutschen Vernichtungswillens im Zweiten Weltkrieg, der vor einigen Jahren sagte: "Deutsche Macht fürchte ich heute weniger als deutsche Untätigkeit".

Was haben wir Deutschen aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt? Ist unser Selbstbild von Deutschland als Friedensmacht noch tragfähig? Ist unsere Friedfertigkeit die notwendige Lehre aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts – oder bisweilen auch ein Vorwand zum "Wegducken"? Haben wir heute eine besondere Verantwortung gegenüber einstigen Kriegsgegnern wie Frankreich und Polen?

Und was sagt das Erstarken von Nationalismus und Rechtspopulismus darüber, wie tief das Erinnern an Faschismus und Krieg im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert ist? Müssen wir unsere Erinnerungskultur kritisch überprüfen?

Darüber diskutieren:
Ronja Kempin, Senior Fellow Forschungsgruppe EU/Europa, Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin
Prof. Norbert Frei, Lehrstuhl Neuere und Neueste Geschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Basil Kerski, Leiter des Europäischen Solidarność-Zentrums Danzig

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