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Interview | Beitrag vom 18.01.2021

70 Jahre "Die Sünderin"Paradebeispiel für einen Skandalfilm

Stefan Volk im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Im Still aus "Die Sünderin" trägt Hildegard Knef vor einem Spiegel sitzend ihren Lippenstift auf. (Picture Alliance / akg-images)
Der Skandal um Willi Forsts "Die Sünderin" bedeutete für Hildegard Knef den großen Durchbruch als Schauspielerin. (Picture Alliance / akg-images)

Der Film „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef sorgte vor 70 Jahren für Entrüstung. Man warf ihm vor, Prostitution, Sterbehilfe und Suizid zu verharmlosen. Der Filmkritiker Stefan Volk erklärt, was einen Skandalfilm - auch heute noch - ausmacht.

Als am 18. Januar 1951 der Film "Die Sünderin" von Willi Forst uraufgeführt wurde, sorgte er für einen Skandal. Aus heutiger Sicht allerdings wäre die Geschichte kein Aufreger mehr: Eine ehemalige Prostituierte (Hildegard Knef) verliebt sich in einen Maler, der schwer erkrankt.

Für die Bezahlung einer vielversprechenden Operation prostituiert sie sich wieder. Doch der Mann ist nicht zu retten: Um ihm weiteres Leid zu ersparen, tötet sie ihn mit einer Überdosis Schlaftabletten und nimmt sich anschließend selbst das Leben.

Der nackte Busen der Hauptdarstellerin

Dass in dem Film auch noch kurz der nackte Busen der Hauptdarstellerin aufblitzte, habe ebenfalls zum Skandal beigetragen, erklärt der Filmkritiker Stefan Volk. Ausschlaggebend seien aber die Tabuthemen gewesen, die in dem Werk verhandelt und aus Sicht der damaligen Kritiker verharmlost wurden: Prostitution, Sterbehilfe, Selbstmord. 

"Die Sünderin" sei ein Paradebeispiel für einen Skandalfilm in dem Sinne, als dass selten "ein einziger Punkt" den Skandal verursache, sagt Volk. Typisch sei eine Verbindung von mehreren Tabubrüchen.

Gewaltdarstellungen beispielsweise könnten zwar allein auch Kontroversen verursachen: "Aber wenn das Ganze mit sexualisierter Gewalt einhergeht, dann ist das noch etwas anderes. Und wenn dann noch freizügige Darstellungen dazukommen, dann ist es ein Konglomerat von verschiedenen Tabubrüchen, die einen Skandal verursachen."

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Es gebe auch heute noch Themen, die tabuisiert seien und für einen Skandalfilm sorgen könnten, betont Volk. Als Beispiele nennt er Rassismus oder Sexismus. Grundsätzlich hätten Skandalfilme "gern etwas Rebellisches und Mutiges". 

Doch in der Filmgeschichte habe es auch immer wieder Skandalfilme gegeben, die nicht aufklärerisch sein wollten, sondern "von der anderen Seite" kamen, also tatsächlich nationalistisch oder rassistisch waren. "Diese Themen sind durchaus immer noch für Skandale gut. Wahrscheinlich mehr denn je."

(bth)

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