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Rang I | Beitrag vom 03.02.2018

60 Burgtheater-Mitarbeiter beschuldigen Ex-Direktor Hartmann "Gewohnt, in dieser Art und Weise aufzutreten"

Margarete Affenzeller im Gespräch mit Andre Mumot

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Ein undatiertes Handout zeigt Matthias Hartmann, den Direktor des Wiener Burgtheaters. Hartmann und der Historiker und Schriftsteller Doron Rabinovici haben fünf Zeitzeugen zusammengeführt, die auf der Wiener Burgtheaterbühne von ihren Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend erzählen.  (dpa / picture alliance / Reinhard Maximilian Weber)
Haufenweise Vorwürfe: Matthias Hartmann, Ex-Direktor des Wiener Burgtheaters (dpa / picture alliance / Reinhard Maximilian Weber)

Rassistische und sexistische Bemerkungen, auch körperliche Übergriffe - das werfen Burgtheater-Mitarbeiter Ex-Intendant Matthias Hartmann vor. Die Theaterkritikerin Margarete Affenzeller rechnet damit, dass die Angelegenheit Konsequenzen haben wird.

Kein Fall von #MeToo, aber möglicherweise einer von Machtmissbrauch: In einem offenen Brief beschuldigen 60 Schauspieler, Techniker und andere Mitarbeiter des Wiener Burgtheaters den früheren Direktor Matthias Hartmann, bei den Proben eine Atmosphäre der Angst und Verunsicherung geschaffen zu haben.

"Es sind einige Punkte, die die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Briefes gesammelt haben: Es sind rassistische Äußerungen, es sind homophobe Äußerungen, es sind untergriffige Töne, die sozusagen im Gespräch immer wieder wiederholt worden sind", sagt Margarete Affenzeller, Theaterredakteurin des Wiener "Standard", der den offenen Brief im Wortlaut veröffentlicht hat. "Es sind auch Übergriffe sozusagen auch körperlicher Art, aber halt im Bereich des sozusagen nicht ganz Klaren, was ja oft der Fall ist: ein Klaps auf den Hintern beim Toi-Toi-Toi-Wünschen und auch beleidigende Töne. Also, es ist irgendwie vieles."

Den offenen Brief der Burgtheater-Mitarbeiter sowie die Reaktion von Matthias Hartmann auf die Vorwürfe können Sie hier nachlesen.

Affenzeller betont, es gehe dabei nicht "ein weiteres Glied in der Kette Harvey Weinstein", sondern um einen "Seitenschauplatz, der uns ja alle schon seit Monaten auch mitbeschäftigt: dass eben gewisse Verhaltensweisen, die jetzt nicht verfolgbar sind und auch nicht so ganz klar greifbar sind, dass die trotzdem insbesondere im Theater vorherrschen und das eben sehr oft aus der Regie-Position heraus gemacht wird".

Die Debatte muss grundsätzlicher geführt werden

Hartmann habe den Vorwürfen in einigen Punkten gar nicht widersprochen, sondern versucht zu erklären, warum es zu dem einen oder anderen gekommen sei, so die Theaterkritikerin. "Ich denke, dass er vieles vielleicht auch nicht so im Bewusstsein hat, was andere Leute verletzen könnte, weil er gewohnt ist, einfach in dieser Art und Weise aufzutreten."

Affenzeller rechnet damit, dass die Angelegenheit durchaus Konsequenzen haben werde. Sie plädiert jedoch dafür, die Debatte von der Person Matthias Hartmann zu lösen. "Es ist, glaube ich, eine andere Diskussion, die das jetzt erreichen sollte, also grundsätzlicher Art. Weg auch von diesem Mythos, dass man unter dem Deckmantel des künstlerischen Prozesses Menschen beleidigt oder erniedrigt."

Sie glaube nicht, so Affenzeller, "dass Schauspieler wie Martin Wuttke oder Caroline Peters, die ich zufällig gestern Abend im Theater gesehen habe, deswegen so großartige Schauspieler sind, weil sie immer wieder erniedrigt oder an den Rand des Nervenzusammenbruchs geführt werden." Kreative Prozesse basierten nicht auf solchen Verhaltensweisen.

(uko)

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(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 02.02.2018)

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