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Fazit | Beitrag vom 07.07.2018

53. Internationales Filmfestival Karlovy VaryHauptpreis geht an Radu Jude

Jörg Taszman im Gespräch mit Britta Bürger

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Regisseur Radu Jude erhält den Kristallglobus in der Kategorie "Bester Film" für "I Do Not Care If We Go Down in History as Barbarians". (picture alliance/Katerina Sulova/CTK/dpa)
Regisseur Radu Jude erhält den Kristallglobus in der Kategorie "Bester Film" für "I Do Not Care If We Go Down in History as Barbarians". (picture alliance/Katerina Sulova/CTK/dpa)

Radu Judes Aufarbeitung des Massakers von Odessa wurde als bester Film ausgezeichnet. In der Kategorie "Dokumentation" nahm Vitali Manski den Kristallglobus für "Putins Zeugen" entgegen. Jörg Taszman war beim 53. Filmfestival in Karlovy Vary.

Das Filmfestival in Karlovy Vary ist für viele das schönste Publikumsfestival im Festivalzirkus. Auch die Hollywoodstars kommen regelmäßig: in diesem Jahr beispielsweise Tim Robbins, Terry Gilliam oder Altmeister Barry Levinson. Als A-Festival muss man auch einen sehenswerten Wettbewerb mit einigen Weltpremieren bieten und das zwischen Cannes, Locarno und Venedig. Unser Filmkritiker Jörg Taszman war beim 53. Filmfestival in Karlovy Vary, das heute Abend mit der Preisverleihung zu Ende ging.

Die Schauspieler Christos Haas, Jana McKinnonpose, Caleb Landry Jones und Eleonore Hendricks sowie Regisseur Peter Brunner posieren auf dem Roten Teppich des Filmfestivals. (picture alliance/Katerina Sulova/CTK/dpa)Die Schauspieler Christos Haas, Jana McKinnonpose, Caleb Landry Jones und Eleonore Hendricks sowie Regisseur Peter Brunner posieren auf dem Roten Teppich des Filmfestivals. (picture alliance/Katerina Sulova/CTK/dpa)

Obwohl ein A-Festival auch internationale Premieren zeigen dürfe, also Filme die nur in ihrem Herkunftsland in die Kinos kamen, wolle man nur noch Weltpremieren haben - aus Prestigegründen. Also zeige man kleinere Filme, setze auf unbekanntere Filmemacher oder auf schwächere Filme von bekannten Regisseuren, die bisher keiner wollte. Es sei also gar nicht so einfach die richtigen Filme zu finden, sagt Jörg Taszman.

Der eigentliche Wettbewerb gelte zudem seit Jahren als nicht so bedeutend, auch wenn immer wieder gute Filme dabei seien. Beispielsweise "This is not the time of my life" des Ungarn Szabolcs Hajdu, der 2016 das Festival gewann und nur 15 000 Euro kostete sowie ohne Förderung und TV-Gelder in der Wohnung des Regisseurs gedreht wurde. In diesem Jahr seien es vor allem die Filme von Radu Jude und Vitali Manski gewesen, die überzeugten.

Regisseur Barry Levinson bekommt den Kristallglobus überreicht von Jiri Bartoska, dem Präsidenten des 53. Internationalen Filmfestivals Karlovy Vary. (picture alliance/Katerina Sulova/CTK/dpa)Regisseur Barry Levinson bekommt den Kristallglobus überreicht von Jiri Bartoska, dem Präsidenten des 53. Internationalen Filmfestivals in Karlovy Vary. (picture alliance/Katerina Sulova/CTK/dpa)

Jörg Taszman freut sich über die diesjährigen Gewinner, weil in beiden Wettbewerben in den Kategorien "Spielfilm" und "Dokumentation" die jeweils besten ausgezeichnet worden seien: Der Hauptpreis geht nämlich nach Rumänien. Regisseur Radu Jude nahm für seinen historischen Spielfilm über das Massaker von Odessa am Samstag den Kristallglobus für den besten Film entgegen. Bei dem Massaker vom Oktober 1941 hatten rumänische Besatzungstruppen etwa 25 000 Juden ermordet. Rumänien war damals ein Verbündeter des nationalsozialistischen Deutschlands. Der Film "Mir ist es egal, ob wir in die Geschichte als Barbaren eingehen" feierte in Karlovy Vary seine Weltpremiere.

Preis für beste Dokumentation geht an Vitali Manski

Außerdem habe mit der Dokumentation "Putins Zeugen" von Vitali Manski der beste Film dieser Sparte gewonnen. Darin wird der Machtwechsel von Jelzin zu Putin aus Archivaufnahmen rekonstruiert. Der Publikumspreis ging in diesem Jahr überraschend an den 30 Jahre alten Klassiker "Rain Man" über den Autisten Raymond (Dustin Hoffman). Dessen Regisseur Barry Levinson erhielt zudem den Kristallglobus für außerordentliche Verdienste um das Weltkino. "Es ist, als ob ich hier geboren wäre", sagte der 76-Jährige.

Taszmans Lieblingsfilm ist "Dukla 61" von David Ondricek. Dieser handelt vom größten Minenunglück in der Tschechoslowakei 1961.

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