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Tonart | Beitrag vom 28.02.2018

50. Todestag von Frankie LymonAmerikas erster schwarzer Kinderpopstar

Von Laf Überland

Historische Werbung der Band "The Teenagers Featuring Frankie Lymon", Exclusive Bookings Gale Agency  (imago/ZUMA/Keystone)
Historische Werbung der Band "The Teenagers Featuring Frankie Lymon" (imago/ZUMA/Keystone)

Zunächst war sein Geschäft das Rotlichtmilieu. Da war er noch sehr jung. Ebenso früh, noch weit vor dem Stimmbruch entdeckte er dann die Musik und wurde Frontman der Band "The Teenagers": Frankie Lymon. Er sang göttlich, aber starb früh.

Frankie Lymon war der erste schwarze Kinderpopstar. Er lachte freundlich und schelmisch und hätte genau so gut zu den kleinen Strolchen gehören können, wenn er nicht – zumindest hat er das ein Jahr vor seinem Tod dem Reporter des Afroamerikaner-Magazins Ebony erzählt – mit zehn ein Zubrot als Zuhälter verdient hätte, was anscheinend bei den Zeitungsleuten, die das Harlem der Fünfziger kannten, auch niemand anzweifelte.

Offiziell trug er aber mit seiner Arbeit im Lebensmittelladen an der Ecke zum Unterhalt der fünf Geschwister bei, die mit der Mutter im Apartment der Großmutter wohnten: Und abends hörte man die DooWop-Grüppchen auf den Treppen zu den Häusern ihre Harmonien üben, bis irgendwer de Polizei rief, damit die Nachbarn endlich schlafen konnten.

DooWop, so wurde später die Musik genannt, die man machen konnte, wenn man kein Geld für Instrumente hatte: vier- oder fünfstimmige A-capella-Harmonie&Rhythmus-Gesangsstücke, die sich zwischen Swingjazz und Rhythm&Blues bewegten. Und deren Texte, weil man nicht immer nur Aaah und Oooh singen wollte; aus einem Wust von unsinnigen Silben bestanden: wie oodly-pop-a-cow pop-a-cow pop-a-cow-cow oder Eh-toom-ah-ta-toom-ah-ta-tom-ah-toh-doh – oder eben Doo Wop!

Die erste Single schoss gleich auf Platz eins

Das erstaunlichste Exemplar dieser DooWop-Musik der Fünfziger war also der kleine Frankie Lymon: Der fragte mit zwölf bei den vier Jungs von schräg gegenüber an, ob er wohl mal mitsingen dürfe, weil ihn das Bongospielen in der Mambokombo seines Bruders nicht ausfüllte: Diese vier - zwei Hispanics und zwei Afros - waren zwar viel älter als er – 15 und 16 –, aber das war die Geburtsstunde der Band The Teenagers! Sie waren umwerfend, und als sie deshalb eine Single aufnehmen durften, schoss die gleich hoch auf Platz eins.

Why Do Fools Fall In Love – warum nur verlieben sich Narren: Dieser Hit war tatsächlich das vertonte Liebesgedicht, das die Freundin eines Nachbarn an ihn geschrieben hatte – und damit genau der richtige Stoff für einen Chartserfolg beim jugendlichen Publikum. Und das ging so weiter mit den Hits: Bald gehörten die Teenagers zum Rock’n’Roll-Circuit und tourten mit andern großen Namen durch die Staaten und durch England, aber da hießen sie bereits Frankie Lymon & The Teenagers: Dem nämlich flogen die Fans zu wie die Fruchtfliegen dem Kirschkuchen - weshalb der Plattenfirmenchef der Band auf die Idee kam, das DooWop-Ensemble zu zerreißen – denn DooWop war ja Ensemble-Musik! – und den kleinen Frankie als Solostar zu vermarkten. 

Mit 15 hatte der sich die coolen raffinierten Tanzschritte der Showleute wie Sammy Davis Jr zugelegt – nur einen Tacken schneller! Er war energiegeladen und kess - das Wort gab es damals noch - und niedlich, aber so klein er war, so erwachsen wirkte er hinter den grinsenden Apfelbäckchen.

Das Problem aber kam – mit dem Stimmbruch: Aus der mitreißenden Kinderstimme wurde ein nichtssagender Tenor – die Verkäufe sanken.

Seit er 15 war, nahm er Heroin

Mit 18 versuchte sich Frankie als Nightclub-Sänger, er wechselte die Plattenfirmen und Comeback-Strategien. Und ab 1964 auch die Ehefrauen. Er sang sich die Seele aus dem Leib, nahm unzählige Stücke auf, von denen aber nur ein paar veröffentlicht wurden. 

Und letzten Endes zerbrach der Sänger, der auf der Bühne pure Freude ausstrahlte, nicht nur unter der Gier der Musikgeschäftemacher – sondern auch unter seiner eigenen: zumindest der Gier nach Heroin. Denn seit er 15 war, hing er an der Nadel: Eine Frau, die doppelt so alt war wie er - wie die meisten seiner Freundinnen -, hatte ihn angefixt.   

Und natürlich sah es nach der letzten seiner Entziehungskuren so aus, als hätte er die Kurve gekriegt: Am Abend des 27. Februar 1968 war er jedenfalls für eine Aufnahmesession für ein weiteres Comeback gebucht. Aber Frankie erschien nicht. Am Morgen des 28. fand man ihn dann auf dem Badezimmerboden seiner Großmutter in Harlem. Er hatte sich eine Überdosis verabreicht; das Publikum nahm das nicht mehr wirklich wahr, aber in der New York Times gab es immerhin fünf Absätze – auf Seite 50.

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