Seit 17:05 Uhr Studio 9

Mittwoch, 11.12.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Tonart | Beitrag vom 15.08.2019

50 Jahre Woodstock-FestivalPolitische Rede ohne Worte

Von Klaus Walter

Beitrag hören
Jimi Hendrix auf dem Woodstock Festival, er spielte als letzter am Montagmorgen. (imago / Peter Tarnoff / MediaPunch)
Jim Hendrix schrieb mit seiner Performance auf dem Woodstock Festival Geschichte. (imago / Peter Tarnoff / MediaPunch)

Als Jimi Hendrix auf dem Woodstock-Festival die amerikanische Nationalhymne musikalisch zerlegte, sehen das viele als politischen Kommentar zum Vietnam-Krieg der USA. Hendrix selbst hält den Ball flach. Was war sonst noch los in Woodstock?

15. August 1969

Freiheit fordert Richie Havens. Mit seiner Variation eines alten Gospelsongs eröffnet der afroamerikanische Sänger am Freitagnachmittag das Woodstock-Festival. Eine halbe Million Menschen pilgert zur Farm des Milchbauern Max Yasgur im Staat New York.

Woodstock geht in die Geschichte ein als "Three Days Of Love & Peace", als Manifestation von Liebe und Frieden – aber auch als Sündenfall: Ein Symbol der großen Kommerzialisierung einer eigentlich widerständigen Pop-Kultur. Aus drei Tagen werden vier - Liebe und Frieden aber auch Chaos: Die Organisatoren sind überfordert, es fehlt an Essen und medizinischer Versorgung, dafür gibt es reichlich Drogen. Die Bilanz am Ende: Drei Tote, zwei Neugeborene, vier Fehlgeburten.

Für ein paar Tage war Woodstock die zweitgrößte Stadt im Staate New York und es gab keine Gewalt, sagt David Crosby am Montag danach in der Dick Cavett Show. Mit seiner neuen Supergroup Crosby, Stills, Nash & Young ist Crosby einer von vielen Stars des Festivals. Aber die eigentlichen Stars sind die Massen. Die Fans sind keine reinen Konsumenten, sie trotzen den Widrigkeiten der (Nicht-)Organisation und sie trotzen dem Wetter.

"No rain, no rain" singt der Chor der Hunderttausend in Woodstock, der Regen hört irgendwann auf und fortan ist das Surfen im Schlamm fester Bestandteil der Festival-Folklore. Heute gehören Regenjacken und Gummistiefel zur Standardausrüstung.

Endlich mal das Four-Letter-Word herausbrüllen

"Gimme an F…U…C…K…" singt Country Joe MacDonald und dirigiert den größten Hippie-Chor, den die Menschheit je gesehen hat: Das verbotene Four-Letter-Word, ein Befreiungsschlag gegen moralische Tabus und zugleich der ausgestreckte Mittelfinger gegen den Krieg in Vietnam.

Wofür kämpfen wir eigentlich in diesem Vietnam, fragt Country Joe MacDonald stellvertretend für diejenigen seiner Landsleute, die schon bald einen neuen Namen bekommen: Woodstock Nation. In einem gespaltenen Land steht diese gegen das sogenannte Establishment – und gegen den Krieg.

"Wir brauchen eine Revolution"

"Wir tanzen auf den Straßen, wir brauchen eine Revolution, wir sind die Freiwilligen von Amerika – Volunteers of America, Freiwillige für ein besseres Amerika, nicht das hässliche mit seinem schmutzigen Krieg in Vietnam", heißt es übersetzt im Song "Volunteers", mit dem Jefferson Airplane ihre Show beim Woodstock-Festival beginnen.

Einer von vielen großen Auftritten, neben Sly & The Family Stone und The Who, Janis Joplin und Joan Baez, Creedence Clearwater Revival und Canned Heat und und und…und am Ende, am Montagmorgen, es ist schon längst hell geworden, da zerpflückt Jimi Hendrix die amerikanische Nationalhymne.

Einer der magischen Woodstock-Momente: Jimi Hendrix spielt auf seiner Gitarre die Hymne. Es ist eine Dekonstruktion wie sie im Buche steht. Und eine Destruktion. Das Gitarrengemetzel wird als politischer Kommentar zum Vietnamkrieg verstanden. Jimi Hendrix selbst hält den Ball flach. 

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur