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Interview / Archiv | Beitrag vom 26.05.2018

50 Jahre Medico International Kampf gegen die Verhältnisse

Thomas Gebauer im Gespräch mit Ute Welty

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Die hungernden Kinder von Biafra schockierten die Welt - Biafra wurde zum Synonym für Elend, Hunger, Verzweiflung und Massensterben (picture alliance / dpa / Grimm)
Die hungernden Kinder von Biafra schockierten vor 50 Jahren die Welt - damals entstand die Hilfsorganisation Medico International und nahm den Kampf auf. (picture alliance / dpa / Grimm)

Die Hilfsorganisation Medico International wird 50 Jahre alt. Geschäftsführer Thomas Gebauer fordert, dass die Politik Unternehmen international stärker in die Pflicht nehmen sollte, um Menschenrechte einzuhalten.

Als Mitgründerin der Initiative zum Verbot von Landminen erhielt die Hilfsorganisation Medico International 1997 den Friedensnobelpreis. Zum 50. Geburtstag zog der Geschäftsführer Thomas Gebauer im Deutschlandfunk Kultur eine sehr gemischte Bilanz. "50 Jahre hat auch gezeigt, dass sich nicht viel in der Welt geändert hat und dass die Verhältnisse manchmal auch schlimmer geworden sind", sagte Gebauer.

Wut als Motor

Ihn bewege neben der Freude an der Arbeit auch eine Wut über die Verhältnisse und die Politik, die dafür mitverantwortlich sei, dass es so weit gekommen sei. Schwerpunkt von Medico International sei das Thema Gesundheit, wobei das sehr weit gefasst sei. Medico International fördere Gesundheit und "gesundmachende Lebensumstände". Das Hilfswerk ist in mehr als 30 Ländern aktiv und arbeitet eng mit Partnerorganisationen zusammen.

Nicht nur in Bangladesch haben sich in überfüllten Textilfabriken folgenschwere Unfälle ereignet. In dem asiatischen Land wird über die Entschädigung der Opfer und Angehörigen und über die Sicherheitsbedingungen der Textil-Industrie diskutiert. (Imago Stock & People)Frauen in Bangladesch fordern bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken. (Imago Stock & People)

Die wachsende Ungleichheit sei für die Organisation eine der größten Baustellen, sagte Gebauer. Die Politik müsse Unternehmen international verpflichten, die Menschenrechte einzuhalten. Als Beispiel nannte er Textilunternehmen in Asien, wo die arbeitsrechtliche Lage der Menschen unverändert katastrophal sei. "Hier wollen wir, dass Politik nicht mehr auf die Selbstheilungskräfte der Unternehmen vertraut, sondern Verpflichtungen einführt, eben die Praxis von Unternehmen regelt."  

Biafra war Impulsgeber

Medico International wurde im Mai 1968 gegründet. Die Nachrichten von den Kriegen in Vietnam und Biafra erreichten ein neues Fernsehpublikum und trugen die Bilder von Hunger und Elend direkt in die Wohnzimmer. Zehntausende gingen auf die Straße, forderten ein Ende des Krieges und entwickelten neue Formen praktischer Solidarität. Medico begann mit dem Sammeln von Ärztemustern, Medikamenten und Altkleidern, im August 1968 wurde die erste größere Hilfssendung nach Biafra geflogen. Das war der Anfang eines Engagements der Hilfsorganisation, die heute weltweit tätig ist. 

(gem)

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