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Tonart | Beitrag vom 16.10.2018

50 Jahre "Electric Ladyland"Das Album, das den Rock revolutionierte

Von Klaus Walter

Gitarrist und Sänger Jimi Hendrix beim Isle of Wight-Festival am 30. August 1970. (imago)
Gitarrist und Sänger Jimi Hendrix beim Isle of Wight-Festival am 30. August 1970. (imago)

Vor genau 50 Jahren veröffentlichte Jimi Hendrix ein bahnbrechendes Album: „Electric Ladyland“ sollte die Grenzen der Rockmusik sprengen und Jimi Hendrix für immer in den Gitarrenhimmel hieven.

Am 16.Oktober 1968 erblickt ein Album das Licht der Welt, das die Rockmusik revolutioniert. "Electric Ladyland" von The Jimi Hendrix Experience. Er hat die Beziehungen zwischen Rock, Soul, Blues und Jazz komplett neu definiert, sagt Charles Shaar Murray, Biograf von Jimi Hendrix.

Hendrix, Sprössling einer Familie aus African Americans und Cherokees, der wilde, schwarze Mann, vor dem sie alle Angst haben, vor allem die weißen Gitarristen aus dem britischen Rock-Adel. Die sind geschockt, als der wilde Hendrix in London landet und sein erstes Konzert gibt.

Hendrix – die Gitarren-Sexmaschine

Henry Rollins, der amerikanische Sänger und Autor stellt sich das so vor:

"Da ist Jimmy Page, da ist Jeff Beck, da ist Eric Clapton, all diese Typen schauen zu und sagen: Verdammt! Ich habe die Zukunft der Gitarre gesehen! Und ich bin es nicht."

Eine Mischung aus Bewunderung und Neid schlägt Hendrix von seinen britischen Kollegen entgegen, auch von Lemmy Kilmister von Motörhead. Der beneidet Hendrix allerdings nicht nur um seine musikalischen Qualitäten. Ein monströses Sexsymbol sei er gewesen, es gab keinen trockenen Sitzplatz im Haus, meint Lemmy.

Mit der Angst des Weißen Mannes vor der Potenz des Schwarzen Mannes spielt auch das Cover von "Electric Ladyland". Darauf zu sehen sind rund zwei Dutzend junge Frauen – splitternackt. Was wir heute als sexistisch bezeichnen würden, gilt vor 50 Jahren als Ausdruck der sogenannten sexuellen Revolution und untermauert den Ruf von Hendrix als Gitarren-Sexmaschine.

25 Jahre später, im Herbst 1993, kopieren Die Toten Hosen aus Düsseldorf das Cover von "Electric Ladyland" für ihr Album "Reich und sexy". Was hätte wohl Karl Marx gesagt beim Anblick von Campino und den nackten Frauen?

"Geschichte wiederholt sich, das eine Mal als große Tragödie, das andre mal als Farce."

Es lebe die Langspielplatte!

Musikalisch sprengt "Electric Ladyland" die Grenzen der Rockmusik, wie wir sie kannten. Das Zeitalter der Drei-Minuten-Single ist passé, es lebe das Album, die Langspielplatte, Betonung auf lang, abgekürzt: LP. Im Falle von "Electric Ladyland" sogar eine Doppel-LP.

LPs seien wie Tagebücher, sagt Hendrix, deswegen mag ich alle Songs, die wir aufgenommen haben. Auch Bob Dylan hat ein Faible für Jimi Hendrix, vor allem für einen ganz bestimmten Song aus "Electric Ladyland". Er heißt "All along the watchtower" und ist eigentlich eine Art Folksong – geschrieben von: Bob Dylan. Doch als Dylan hört, was Hendrix aus seinem Lied gemacht hat, spielt er "Watchtower" fortan nur noch im "Electric Ladyland"-Style.

Das neue schwarze Selbstbewusstsein

"All along the watchtower", ein Glanzstück aus "Electric Ladyland", veröffentlicht am 16.Oktober 1968, ein denkwürdiger Tag im Zeichen der Black Power. Bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City kommt es zu einer Geste für die Ewigkeit. Es passiert bei der Siegerehrung im 200 Meterlauf. Tommie Smith, der Gewinner und John Carlos, der Drittplatzierte, beide Afroamerikaner, steigen ohne Schuhe aufs Siegerpodest. Sie tragen schwarze Strümpfe. Bei der Nationalhymne schauen sie zu Boden und recken die Faust mit einem schwarzen Handschuh in den olympischen Himmel.

"Von uns schwarzen Athleten wird erwartet, dass wir schnell rennen, dass wir gewinnen und lächeln und dann wieder nach Hause gehen, zurück in unser Leben zweiter Klasse", sagt Tommie Smith, der Olympiasieger.

Das Bild der beiden schwarzen Athleten mit geballter Faust auf dem Siegerpodest wird zum Inbegriff von Black Power. Tommy Smith: "Ich soll da stehen und zur Flagge aufschauen, mit der Hand auf meinem Herzen, ich soll stolz sein, weil diese Flagge mich repräsentiert? Nein. Das tut sie nicht!"

Nach dem Auftritt werden Tommie Smith und John Carlos nach Hause geschickt. Sie dürfen nie mehr für die USA starten, sie verlieren ihre Jobs und bekommen Morddrohungen.

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