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Fazit | Beitrag vom 01.06.2019

44. Mülheimer TheatertagePolitische Stücke klar im Vorteil

Bernhard Doppler im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Eine Frau schaut ins Publikum und spricht. Hinter ihr liegt eine Frau auf dem Boden vor einem Schaufenster und streckt einen Arm nach oben und lehnt beide Beine in einem 45-Grad-Winkel gegen den Fensterrahmen. (Rolf Arnold)
Thomas Köck hat mit seinem Stück "atlas" den Dramatikerpreis der 44. Mülheimer Theatertage gewonnen. (Rolf Arnold)

Der österreichische Autor Thomas Köck ist zum zweiten Mal in Folge mit dem Dramatikerpreis der Mülheimer Theatertage ausgezeichnet worden. Unser Kritiker sieht eine Entwicklung des deutschsprachigen Dramas: weg vom Psychologischen hin zum Politischen.

Nach einer gut zweistündigen öffentlichen Jury-Debatte fiel am späten Samstagabend die Entscheidung für Thomas Köcks Stück "atlas". Der Dramatikerpreis ist mit 15.000 Euro dotiert. Zum diesjährigen Wettbewerb waren sieben Autorinnen und Autoren eingeladen. 2018 hatte Köck für sein Stück "paradies spielen (abendland. ein abgesang)" ebenfalls den Preis gewonnen.

Köck gewann auch den Publikumspreis 2019

Köck, dem mit nur einer Gegenstimme der Preis zugesprochen wurde, gewann auch den diesjährigen Publikumspreis, wie unser Theaterkritiker Bernhard Doppler berichtet. Im letzten Jahr war das nicht so. Da landete der österreichische Autor in der Gunst des Publikums auf dem letzten Platz.

Sein Stück sei eigentlich eines, das ganz auf Leipzig zugeschnitten scheine: Es thematisiere die Wende '89 und das Schicksal vietnamesischer Gastarbeiter zum Zeitpunkt der Wende, so Doppler. Dennoch wirke dieses scheinbar historische Stück ungeheuer aktuell.

Vor allem sei es ein sehr poetisches, berührendes und musikalisches Stück, das nicht moralisiere. Es überzeuge vor allem durch diesen historischen Ansatz, dieses Aus-der-Zeit-fallen, erklärt Doppler. 

Ebenfalls hoch im Kurs: "Mitwisser" von Enis Maci

Ebenfalls Hoffnungen auf den Dramatikerpreis konnte sich Enis Maci für ihr Werk "Mitwisser" machen. Dieses sei von der Form her sehr interessant, erklärt Doppler. Drei Mordfälle würden nämlich zum Anlass genommen, um sich auf die Mitwisser, die im Netz die Geschehnisse kommentieren, zu konzentrieren. Damit gebe Maci zu verstehen: Diese Mitwisser sind auch wir, so Doppler weiter.

Fünf Menschen mit Masken stehen auf einem von unten beleuchteten Gitter und beachten einander nicht. (Matthias Heschl)Enis Macis Stück "Mitwisser" lag in der Gunst der Jury ebenfalls vorn. (Matthias Heschl)

Der Dramatikerpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Theaterautoren. Er wird seit 1976 jährlich verliehen, sodass man an der Preisverleihung gewisse Tendenzen der Entwicklung des deutschsprachigen Dramas ablesen könne. In diesem Jahr seien weniger psychologische Familiengeschichten beachtet worden, als vielmehr Stücke mit politischen und Zukunftsthemen, berichtet unser Theaterkritiker.

Mehr zum Thema

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(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 02.06.2018)

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