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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.06.2019

43. Tage der deutschsprachigen LiteraturBirgit Birnbacher gewinnt den Bachmann-Preis

Wiebke Porombka im Gespräch mit Kirsten Lemke

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Birgit Birnbacher, Autorin aus Österreich, hält die Trophäe für den Ingeborg-Bachmann-Preis. (dpa / APA / Gert Eggenberger)
Birgit Birnbacher erhält den Bachmann-Preis. (dpa / APA / Gert Eggenberger)

Der Ingeborg-Bachmann-Preis geht nach einer Stichwahl zwischen Birgit Birnbacher und Yannic Han Biao Federer an die Österreicherin Birnbacher. Leander Fischer bekommt den Deutschlandfunk-Preis. 14 Autorinnen und Autoren hatten in Klagenfurt ihre Texte präsentiert.

Bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur, dem wohl berühmtesten Vorlesewettbewerb der Welt, wurde am heutigen Sonntag der renommierte Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Gewinnerin – nach einer Stichwahl mit Yannic Han Biao Federer – ist die österreichische Schriftstellerin Birgit Birnbacher. Der Deutschlandfunkpreis ging – ebenfalls nach einer Stichwahl mit Yannic Han Biao Federer – an Leander Fischer.

Auch beim Kelag-Preis gab es eine Stichwahl, diesmal zwischen Julia Jost und Yannick Federer. Wie beim Deutschlandfunk-Preis hing die letzte Entscheidung an dem Juror Klaus Kastberger, es gewann Julia Jost.

Yannic Han Biao Federer bekam schließlich den 3sat-Preis, der Publikumspreis ging an Ronya Othmann mit ihrem Text über den Völkermord an den Jesiden.

Ein stiller Text über das Prekärwerden des Wohnens

Birgit Birnbacher, geboren 1985, debütierte 2016 mit ihrem Roman "Wir ohne Wahl". In ihrem nun ausgezeichneten Text "Der Schrank" schreibt sie über die Generation der Mitte-30-Jährigen. "Das ist ein stiller Text, der sehr bescheiden auftritt, und dennoch ein sehr politischer Text, der ein ganz wesentliches Thema unserer Zeit ins Zentrum stellt: nämlich die Prekarisierung unserer Lebens- und Arbeitswelt und vor allem auch das Prekärwerden des Wohnens", sagt unsere Literaturredakteurin Wiebke Porombka. "Der ist ganz fein gearbeitet, mit leisem Humor, und auch wenn es pathetisch klingen mag, es ist ein Text über die Vereinsamung und Verelendung, die reale und die physische, einer jungen Frau."

Die Jury habe die gesellschaftliche Relevanz überzeugt, berichtet Porombka von der Preisverleihung, sowie zum anderen Birnbachers Spiel mit literarischen Anspielungen. So sei der letzte Satz "Ich möchte singen" beispielsweise ein Beckett-Zitat.

Das Prekärwerden des Wohnens sei – auch im Hinblick auf das das gleiche Thema behandelnde, mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnete Buch "Schäfchen im Trockenen" von Anke Stelling – also nicht nur ein Thema unserer Zeit und der Medien, "sondern mit dem die Literatur beweist, wie wichtig sie ist, weil sie uns Ebenen aufschließt, die wir vielleicht einfach in der medialen Diskussion nicht auf so reflektierte Art und Weise wahrnehmen könnten."

(ORF/cwu)

Die Preise:
Ingeborg-Bachmann-Preis: Gestiftet von der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee in der Höhe von 25.000 Euro – Birgit Birnbacher
Deutschlandfunk-Preis: Gestiftet von Deutschlandradio in der Höhe von 12.500 Euro – Leander Fischer
Kelag-Preis: Gestiftet von der Kärntner-Elektrizitäts-Aktiengesellschaft in der Höhe von 10.000 Euro – Julia Jost
3sat-Preis: Gestiftet von 3sat, dem Gemeinschaftsprogramm der öffentlichrechtlichen Fernsehanstalten ZDF, ORF, SRG und ARD in der Höhe von 7.500 Euro – Yannic Han Biao Federer
BKS-Bank-Publikumspreis: Gestiftet von der BKS-Bank in der Höhe von 7.000 Euro – der Preis ist gekoppelt an ein Stadtschreiberstipendium – Ronya Othmann

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