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Fazit | Beitrag vom 14.04.2019

40 Jahre Sprengel MuseumHannover feiert seine Kunstsammlung der Moderne

Reinhard Spieler im Gespräch mit Britta Bürger

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Eine gelbe Glübirne steckt in einer Zitrone. (VG Bild-Kunst, Bonn 2019)
Auch sie ist in der Ausstellung "Elementarteile" zu sehen: Beuys' Capri-Batterie aus dem Jahr 1985, Sprengel Museum Hannover. Foto: Herling/Herling/Werner. (VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Vor 40 Jahren wurde das Sprengel Museum Hannover eröffnet. In der Ausstellung "Elementarteile" kann es zur aktuellen Nolde-Kontroverse einiges beitragen, wie Direktor Reinhard Spieler erklärt - das Sprengel besitzt eine der größten Emil-Nolde-Sammlungen.

Der Schokoladenfabrikant Bernhard Sprengel übergab 1969 seine über Jahrzehnte gesammelte Kunst des 20. Jahrhunderts der Stadt Hannover. Noch während der NS-Zeit baute er diese auf − insbesondere mit Werken, die die Nazis als "entartet" gebrandmarkt hatten.

Mit der Übergabe der Sammlung erhielt die Stadt Hannover zudem eine Schenkung in Millionenhöhe für den Bau eines Museums. In diesem Jahr werden die Schenkungen vor 50 Jahren und die Eröffnung des Museums vor 40 Jahren in Hannover gefeiert − seit diesem Wochenende mit der Jubiläumsausstellung "Elementarteile".

Die Grundbausteine der Kunst

Museumsdirektor Reinhard Spieler erklärt im Deutschlandfunk Kultur, dass der Titel der Ausstellung sich an den Romantitel "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq anlehne, einen Roman, der den Zerfall der Gesellschaft in ihre Einzelteile beschreibe. In der Ausstellung gehe es aber "eher um etwas größere Teile", dabei beziehe man sich vor allem "auf die Grundbausteine der Kunst und auch der Institution, die diese Kunst zeigt".

Blick auf das Sprengel Museum in Hannover am Maschsee (imago images / Rust )Man spiele mittlerweile in der Champions League, sagt Museumsdirektor Reinhard Spieler. (imago images / Rust )

Doch was sind die Grundelemente? Woraus besteht Kunst eigentlich? Um dies zu zeigen, widme sich ein Raum beispielsweise der Farbe, einer dem Material und ein weiterer den Geschichten, also "den Erzählfäden" der Kunstwerke, sagt Spieler. Diese Fragen richte man aber auch an die Institution selbst.

Noldes Naturbilder im Kontext

Das Sprengel Museum Hannover beherbergt unter anderem eine der wichtigsten Emil-Nolde-Sammlungen in Deutschland. Dieser Künstler steht momentan im Fokus zahlreicher Diskussionen, auch weil Bundeskanzlerin Angela Merkel die Nolde-Bilder in ihrem Büro abhängen ließ. Zwar war sein Antisemitismus bereits bekannt gewesen, aber lange unterschätzt. Andererseits galt seine Kunst selbst als "entartet" und wurde von den Nazis verfemt. Zwei Ausstellungen in Berlin beschäftigen sich aktuell mit Emil Nolde.

Spieler sagte, dass auch in der Jubiläumsausstellung mehrere "Noldes" gezeigt werden. Seine Bilder hingen nun aber im Kontext eines Raumes, der der Natur gewidmet sei – zudem neben Werken von Paul Klee, Schmidt-Rottluff und Max Ernst, die alle ins Exil gezwungen wurden.

"Diese Unschuld gibt's nicht"

Dabei denke man zunächst, Landschaft sei "so unschuldig wie nur irgendwas". Doch der Schein trügt. Auch wenn man die politische Agenda in den Naturbildern nicht erkennen könne, seien diese Bilder als "entartet" verfemt worden:

"Also diese Unschuld gibt's nicht. Das ist der Kontext, den wir bilden. Wir machen jetzt keine große Erzählung, keinen Wandtext daraus. Dazu kam der Hinweis zu spät. Trotzdem ist der Kontext geeignet, um diese Nolde-Bilder zu diskutieren. Ohnehin sind wir keine Meinungsplattform, sondern als Museum sind wir eine Plattform, in der wir solche Bilder vorstellen. Mit dem neuen Wissen um Nolde wird jeder Besucher, jede Besucherin dieses Bild kritisch befragen können: ‚Sehe ich irgendwas davon?‘"

Und ich weiß nicht, ob irgendjemand in dem Bild von Nolde von 1926, das Sonnenblumen zeigt, dann irgendwie eine antisemitische Haltung erkennen kann. Also ich konnte sie nicht erkennen und auch nicht in den anderen Bildern, die wir dort vorstellen. Das heißt nicht, dass er sie nicht hatte, sondern das heißt, dass er seine Kunst nicht benutzt hat, um seine politische Agenda zu illustrieren. Also das ist bei Nolde mit Sicherheit nicht der Fall."

Ein Museum der Moderne

Das Sprengel Museum Hannover habe sich über die Jahre zu einem der Top-Häuser in Deutschland entwickelt, berichtet der Museumsdirektor. Man spiele mittlerweile in der Champions League. Sprengels Schenkung sei zwar der Anlass für den Museumsbau gewesen, doch seien hier weitere Sammlungen untergekommen, wie zum Beispiel die der Landeshauptstadt Hannover und die des Landes Niedersachsen, "und zwar alles aus diesen Sammlungen, was nach 1900 entstanden ist".

Das Sprengel Museum sei nun ein Museum der Moderne, des 20. und mittlerweile des 21. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit sei man aber weiter gewachsen, so etwa um die Schwitters-Sammlung und die Schenkung von Niki de Saint Phalle.

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