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Interview / Archiv | Beitrag vom 29.08.2017

40 Jahre offizielle deutsche ChartsAndrea Berg hält den Rekord

Rainer Moritz im Gespräch mit Dieter Kassel

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Die Sängerin Andrea Berg bekommt am 06.04.2017 in Berlin während der 26. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo einen Echo in der Kategorie "Schlager". Foto: Rainer Jensen/dpa Pool/dpa (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)
Andrea Berg zählt zu den erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands. Sie wurde unter anderem mit acht "Echos "ausgezeichnet - den letzten erhielt sie im April 2017 in der Kategorie Schlager. (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Heute vor 40 Jahren wurden die ersten offiziellen deutschen Charts veröffentlicht. Schnell führte der anglo-amerikanische Pop die Liste an. Für den Schlager- und Literaturexperten Rainer Moritz steht fest: Charts spiegeln gesellschaftliche Phänomene wider.

Wenn sich Rainer Moritz an vergangene Charts erinnert, sieht er sich plötzlich wieder als junger Mensch: "Man mag alles vergessen haben, aber was war, als dieses oder jenes Lied plötzlich im Radio lief, als man sich jene Platte zum ersten Mal gekauft hat? Das ist mit Lebenssituationen verbunden. Deswegen sind Hitparaden, sind Charts auch so beliebt." Sie seien "Bojen der Biografie" und spiegelten "gesellschaftliche Phänomene" wider.

Anfänglich hätten es deutsche Schlager schwer gehabt gegen anglo-amerikanischen Pop. Wenn man jedoch 40 Jahre zurückblicke, sehe man, dass die Rekorde alle in deutscher Hand seien: "Der einsame Rekord, der bis heute gilt, wird nicht von einem großen intellektuellen Rocksänger gehalten, sondern er wird von Andrea Berg gehalten." Ihre Best-of-CD habe sage und schreibe 349 Wochen in den Charts gestanden.* Das hätten weder Pink Floyd noch die Rolling Stones geschafft, so Moritz.

"Der Geschmack sitzt nicht nur in den Hochfeuilletons"

Das Feuilleton habe über Phänomene wie Andrea Berg und Helene Fischer lange nicht geschrieben. Erst mit Fischers WM-Hit "Atemlos" habe sich das geändert:

"Wenn man Geschmack ernst nimmt, muss man auch ernst nehmen, dass der Geschmack nicht unbedingt nur in den Hochfeuilletons sitzt." Insgesamt habe die Bedeutung der Hitlisten abgenommen, sagt Moritz:

"Durch das Internet macht sich jeder seine eigenen Charts."


In einer vorigen Version hat der Gesprächspartner eine falsche Chartplatzierung genannt, wir haben den Zusammenhang hier korrigiert.

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