Seit 20:03 Uhr Konzert

Freitag, 18.10.2019
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.08.2016

40 Jahre Museum LudwigJubiläum mit Guerrilla Girls und buntem Festzelt

Von Michael Köhler

Podcast abonnieren
Hinter dem Museum Ludwig ist am 24.08.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) der Dom zu sehen. Die Jubiläumsausstellung "Wir nennen es Ludwig. Das Museum wird 40" ist vom 27. August bis 08. Januar 2017 zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
40 Jahre nach der ersten Ausstellung: Das Museum Ludwig in Köln mit dem Dom im Hintergrund. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Vor 40 Jahren öffnete das Kölner Museum Ludwig seine Türen für das Publikum. Eine große Ausstellung zeigt deshalb 25 internationale Künstler, die Stellung zum "Ludwig" beziehen.

"Wir wollten uns nicht selbst feiern und Künstler einladen, die uns Honig ums. Maul schmieren", sagt Julia Friedrich. Sie ist eine der fünf Kuratoren am Museum Ludwig:

"Wir wollten über die Institution nachdenken und gemeinsam mit bestimmten Künstlern überlegen, was bedeutet das Museum Ludwig, was hat die Geschichte bedeutet und wie kann es auch in die Zukunft gehen?"

Kostbare Reste einer Straßenschlacht

Und die Jubiläumsschau ist so gelungen, dass es auch als Themenausstellung über das Museum für Gegenwartskunst schlechthin durchgehen könnte.

Gleich am Eingang liegt kostbarer Sperrmüll. Reste einer Straßenschlacht. Umgestoßene, zerbeulte Autos, Absperrgitter, Steine, Scherben, Reifen, Verkehrsschilder, Zäune. Aber da sind auch kostbare Original-Ölgemälde von Alexej Jawlensky und Karl Schmidt-Rottluff und natürlich das Andy Warhol-Porträt von Gründer Peter Ludwig. Alles aus der Sammlung. Die Arbeit ist von Ahmet Ögüt und heißt "Bakunins Barrikade". Es geht um Kunst im Straßenkampf.

"Es geht um die Frage der Funktion der Kunst. Was kann Kunst eigentlich noch bewirken, was kann sie bedeuten. Ist auch nicht zufällig, dass Peter Ludwig und Josef Haubrich als Porträts an dieser Barrikade hängen."

"Käthe Kollwitz" vom Künstler-Duo "Guerrilla Girls" steht am 24.08.2016 im Museum Ludwig in Köln (Nordrhein-Westfalen) in der Ausstellung. Die Jubiläumsausstellung "Wir nennen es Ludwig. Das Museum wird 40" ist vom 27. August bis 08. Januar 2017 zu sehen. | (picture alliance / dpa / Oliver Berg)"Käthe Kollwitz" vom Künstler-Duo "Guerrilla Girls" in der Jubiläumsausstellung (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Julia Friedrich war auch wichtig, die New Yorker Guerrilla Girls einzuladen, die seit drei Jahrzehnten im Kunstbetrieb aktiv sind und die Rolle von Frauen und Farbigen zum Thema von Interventionen machen. Ihre Plakataktionen werden umfangreich dokumentiert. Draußen hängt am Museum ein riesiges Plakat der Guerrilla Girls. Es fragt nach Diskriminierung und der Funktion von Privatmuseen.

"Was sind eigentlich die Zahlen? Und die haben wir zum ersten Mal erhoben mit den Guerrilla Girls. Wie viele Frauen hatten eigentlich Einzelaustellungen im Vergleich zu Männern? Wie viele türkische Künstler sind in diesem Museum vertreten oder sind ausgestellt worden?"

Gerhard-Richter-Raum mit Kölnbezug

Julia Friedrich hat auch den Raum mit Werken von Gerhard Richter und Köln-Bezug kuratiert. Die sind zusammen noch nie gezeigt worden. Da sind Luftaufnahmen des zerstörten Köln vom Februar 1945, aber auch Fotos von Kurden-Demonstrationen aus den 90er-Jahren und natürlich die berühmte großformatige übermalte Fotografie der Domecke. Ein nahezu kritisch-kontemplativer Raum über die Domstadt.

Ein buntes Zelt als "Reflection Room" von Meschac Gaba steht am 24.08.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) in der Ausstellung. Die Jubiläumsausstellung «Wir nennen es Ludwig. Das Museum wird 40» ist vom 27. August bis zum 08. Januar 2017 zu sehen.   (picture alliance / dpa / Oliver Berg)Ein buntes Zelt des Künstlers Meschac Gaba als "Reflection Room" (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Anders Meschac Gaba aus Benin. Er hat ein farbiges Festzelt aufgebaut. Als hätte Pop-Artist Jasper Johns die Farbeimer geleert. Es hat den Titel "Reflection Room".

Julia Friedrich: "Es ist ein Raum in einem Raum im Museum, ein Zelt, das er mit einer neuen Außen-haut versehen hat, die die Flaggen der Welt zusammengestellt hat und hier quasi als vereinheitlichten Raum für die Malschule der Kinder eingerichtet hat, im Haus. Es soll einen geschützten Raum geben, um das Erlebte verarbeiten zu können."

Die Sammlung und der Sammler im Blick

Viele Arbeiten nehmen Bezug auf die Sammlung, aber auch den Sammler. Hans Haacke, Altmeister politischer Kunst, hat lange vor seinem berühmten deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig von 1993, sich mit dem Sammler Peter Ludwig befasst. Haackes Plakatserie zur Unternehmensgeschichte des Sammlungsgründers heißt "Der Pralinenmeister". Es geht darin um Vermögens- und Erbschaftssteuer-vorteile von Kunstsammlern.

Der Künstlerin Maria Eichhorn hingegen geht es um den Apparat und die Verwaltung des Museums. Sie hat um einen Arbeitsvertrag gebeten. Buchstäblich. Sie wollte eingestellt werden. Sie hat in Vitrinen das gesamte Material dazu dokumentiert: ihre Bewerbung, städtische Bescheide, Mitteilungen der Künstlersozialkasse, Verwaltungsakte. Sie fragt, was ist Arbeit, was ein Werk, ein Dokument, was macht den Künstler zum Produkt? Sie wollte den ganzen Prozess öffentlich machen.

Der Direktor des Museum Ludwig, Yilmaz Dziewior, steht am 24.08.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) in der Ausstellung. Die Jubiläumsausstellung "Wir nennen es Ludwig. Das Museum wird 40" ist vom 27. August bis 08. Januar 2017 zu sehen.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)Der Direktor des Museums Ludwig, Yilmaz Dziewior, in der Jubiläumsausstellung (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Museumsdirektor Yilmaz Dziewior, der kaum zwei Jahre im Amt ist, fragt angesichts des 40-jährigen Jubiläums auch, wo geht es hin mit der Institution "Museum Ludwig":

"Das bedeutet für mich, Öffnen auch des Diskurses hin nach Afrika, Asien, Lateinamerika. Was mir noch wichtig ist, eine Kontextualisierung der Arbeiten unserer Sammlung. Dass wir das Werk nicht ausschließlich als auratisches Werk zeigen, sondern mit Archivmaterial, in welcher Zeit es entstanden ist."

Raum zum Nachdenken bieten

Die nächsten 40 Jahre sind ins Auge gefasst. Einmal mehr zeigt das Ludwig, dass es eine außergewöhnliche Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts hat und zu den wichtigsten Häusern für Gegenwartskunst zählt. In Deutschland und darüber hinaus. Was Julia Friedrich über Meschac Gabas Zelt sagt, gilt fürs ganze Ludwig:

"Das ist, glaube ich, das, worum es geht: Dass man hier einen Raum hat zum Nachdenken, der eben nicht konsumistisch ist, wo nichts verkauft wird und wo es einfach darum geht jenseits dieser ganzen Flut von Informationen da draußen, zur Ruhe zu kommen."

"Wir nennen es Ludwig. Das Museum wird 40!" Die Ausstellung, mit ein Haus und seine außergewöhnliche Sammlung gefeiert wird, ist vom 27.8. 2016 bis zum 8.1.2017 in Köln zu sehen.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsStreaming ist das neue Fliegen
Eine junge Frau schaut nachts in ihrem Bett liegend auf ihr Tablet und lächelt. (Antonio Guillem / Panthermedia / imago-images)

Der "Tagesspiegel" beschäftigt sich mit der ganz und gar nicht CO2-neutralen Film- und Clubszene. Zwar wolle man dort "grüner" werden, es werde aber mehr geredet als getan und nach wie vor steige der CO2-Ausstoß der Branche, lautet das Resümee.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 17Wirtschaftswunder, Winnetou und Wurst?
Olaf Hoerbe als Intschu-tschuna spielt während der Hauptprobe von "Winnetou " auf der Felsenbühne in Rathen, Sachsen. (dpa /  Matthias Rietschel)

Wie reagieren Theater auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen in Zeiten des erstarkenden Rechtspopulismus? In einer Umfrage haben 32 Theaterleiter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darauf geantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur