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Tonart | Beitrag vom 12.01.2018

40 Jahre Brian Enos "Music for Airports"Wo steht Ambient-Musik heute?

Stefan Trischler im Gespräch mit Martin Böttcher

Der englische Musiker und Komponist Brian Eno in einer Aufnahme von 1980 (imago/Leemage/Marcello Mencarini)
Der englische Musiker und Komponist Brian Eno in einer Aufnahme aus den 70ern. 1978 gab er der Ambient-Musik ihren Namen. (imago/Leemage/Marcello Mencarini)

Vor 40 Jahren verhalf der britische Künstler Brian Eno mit "Music for Airports" der Ambient-Musik zum Durchbruch. Das Genre steht quer steht zu den üblichen Reizen von Pop- und Rockmusik: Ambient soll entspannen, Atmosphären schaffen. Heute erlebt es eine neue Blüte.

Nachdem Brian Eno mit Roxy Music um die Welt gezogen war, mit den Krautrockern von Harmonia experimentiert und sich mit David Bowie im Studio eingeschlossen hatte, veröffentlichte er 1978 das Album "Music for Airports I". Dessen sphärischen Klänge gelten heute als Blaupause für Ambient-Musik, für ruhige Hintergrundmusik also, die Räume akustisch gestalten statt zum Tanzen anregen will.

Wie aktuell ist dieses Album heute noch? Was erzählt diese Platte uns? "Ich weiß nicht, ob sie uns jemals etwas erzählen wollte", sagt dazu der Musikjournalist Stefan Trischler im Deutschlandfunk Kultur. Diese Musik "wurde geschaffen, um eine angenehme Atmosphäre zu kreieren, um uns zu begleiten und eine Atmosphäre anzureichern, uns zum Nachdenken zu bringen. Und das schafft die Platte meiner Meinung nach noch immer sehr gut."

Ruhige Musik für turbulente Zeiten

Heute bescheinigen viele Kritiker dem Genre eine neue Blüte. Trischler ist der Ansicht, "dass kulturelle und musikalische Strömungen immer in gewisser Weise wiederspiegeln, was in der Gesellschaft passiert. Die naheliegendste Deutung wäre, dass turbulente Zeiten und unsere Aufnahmefähigkeit schon ein wenig überfordernde Tagestätigkeit eine Art von Musik fördert, die wieder Ruhe in unserer Leben bringt. Vielleicht hat das auch mit einem Rückzug ins Private, in die privaten Räumlichkeiten zu tun. "

Viele sind aber auch der Ansicht, dass das Genre im Stillstand erstarrt sei, dass dessen Formeln wenig Raum für Entwicklung lassen. Das kann Trischler zwar bestätigen, jedoch sei die Ästhetik der Ambient-Musik in andere Genres eingeflossen und habe dort neue Bündnisse hervorgebracht. Trischler nennt etwa Ambient-Techno oder auch Shoegaze-Rock - Spielarten, die mit Ambient experimentieren. Auch der Hiphop-Künstler Drake arbeite mit flächigen, langsamen und mäandernden Sounds, die an Ambient erinnerten. 

Eno hat viele Erben

Aber auch wenn es um das Gerne in seiner puren Form geht, ist es sehr vital. Davon künden zahlreiche Veröffentlichungen in den letzten Jahren. Besonders aufgefallen ist Trischler etwa die Künstlerin Emily Sprague, deren Arbeiten in der Tradition von Pionieren wie Brian Eno und William Basinski stehen. Sie arbeitet mit Modularsynthese, was dann so klingt: 

Außerdem nennt Trischler die in Frankreich lebende Künstlerin Tomoko Sauvage, die auf elektronische Klangerzeugung verzichtet. Sie arbeitet mit Schalen, Wasser und anderen Gerätschaften. Das klingt dann so:

(thg)

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