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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.07.2017

386. WartburgkonzertMusik mit Schulterpolstern

Aufzeichnung vom 17.6.2017 aus dem Palas der Wartburg, Eisenach

Blick auf die Wartburg mit der neuen Luther-Sonderausstellung.  (dpa Bildfunk / Michael Reichel )
Blick auf die Wartburg mit der neuen Luther-Sonderausstellung. (dpa Bildfunk / Michael Reichel )

Musiker sind halt auch nur Menschen und genauso selten endgültig zufrieden wie sonstige Zeitgenossen. Deswegen gibt es immer wieder freundliche "Nachnutzungen" von Werken, die für andere Besetzungen geschrieben wurden; diesmal formieren sie sogar das komplette Programm.

Dabei sind die Streichorchester-Bearbeiter gleichzeitig die Interpreten des Abends: die Camerata Bern mit ihrer Leiterin Antje Weithaas, die sich außerdem im Chausson-Doppelkonzert – neben dem Pianisten Thomas Hoppe – noch in ihrem gelernten "Erstberuf" als Geigerin präsentiert. Wobei es hier ganz naheliegend ist, dass originale Begleit-Streichquartett ins Orchestrale zu weiten, die Musik also gleichsam mit Schulterpolstern auszustatten. Immerhin sprach ja auch der Komponist selbst schon von einem "Konzert" , und die äußeren Dimensionen gehen mit rund 40 Minuten Spieldauer ebenfalls ins Sinfonische.

Ähnlich viel Zeit lässt sich auch Tschaikowsky in seinem letzten Streichquartett mit der exzentrischen Grundtonart es-Moll: hier als Ausdruck einer kaum enden wollenden Betrübnis, denn das Quartett entstand als Gedenkstück für einen Musikerkollegen, dem sich Tschaikowsky sehr nahe fühlte. Doch so richtig fröhlich waren diese Jahre zwischen 1876, als der Russe sein Quartett komponierte, und 1892, als Chaussons Konzert zur Welt kam, ohnehin nicht; unabhängig von aller individuellen Trauer durchzieht die Krisenstimmung vieler zu Ende gehender Gewissheiten, seien sie religiöser, gesellschaftspolitischer oder ästhetischer Art, viele Arbeiten der Zeit. Sie unterwandert auch die vital-tänzerischen Teile, die es in den beiden erklingenden Werken durchaus gibt, und Debussy "Petite Suite" – im Original für vierhändiges Klavier und damit ganz "streicherfern" komponiert – gehört mit ihrer sehnsuchtsvollen Zerbrechlichkeit ebenfalls in den gleichen zeitlichen und geistigen Zusammenhang.


Claude Debussy

"Petite Suite" (Fassung für Streichorchester von Klaus Sonnenburg)

Ernest Chausson

Konzert für Klavier, Violine und Streichquartett, D-Dur op. 21 (Fassung für Streichorchester von Camerata Bern)

Peter Tschaikowsky

Streichquartett Nr.3 es-Moll op. 30 (Fassung für Streichorchester von Camerata Bern)



Thomas Hoppe, Klavier

Camerata Bern

Antje Weithaas, Violine und Leitung

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