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Interview | Beitrag vom 18.02.2021

30 Jahre Weimarer DreieckMit kultureller Nähe und Empathie Vertrauen aufbauen

Basil Kerski im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Bundeskanzler Gerhard Schröder, der französische Staatspräsident Jacques Chirac und sein polnischer Kollege Alexander Kwasniewski geben sich am 7.5.1999 in Nancy die Hand. (picture-alliance / AFP / Georges Gobet)
Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder beriet 1999 in Nancy mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac und Polens Staatschef Aleksander Kwaśniewski. (picture-alliance / AFP / Georges Gobet)

Annäherung durch persönlichen Kontakt: Das war vor 30 Jahren die Gründungsidee des Weimarer Dreiecks. Nun trifft man sich wieder zum Gedankenaustausch über Europa. Politologe Basil Kerski erklärt, warum es noch heute wichtig ist.

Das Weimarer Dreieck feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Bei dem Dreiländerforum treffen sich Frankreich, Polen und Deutschland zu einem Gedankenaustausch über Europa. Dahinter steckt die Gründungsidee, einander durch Annäherung besser zu verstehen und kennenzulernen.

Frieden durch emotionale Bindung

Gerade in Zeiten der Coronapandemie sei der persönliche Kontakt aber besonders schwer, sagt Basil Kerski. Der Kulturmanager und Politikwissenschaftler leitet das Europäische Solidarność-Zentrum in Danzig.

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Für ihn sei der Faktor "Frieden schaffen durch emotionale Bindung und weniger die persönlichen Kontakte" entscheidend. Es gehe um das Gefühl kultureller Nähe und Empathie, so Kerski weiter. "Das sind unheimlich wichtige Elemente der Zusammenarbeit und Friedenssicherung."

In diesem Jahr trifft sich eher die zweite Garde der Politik zum digitalen Forum: Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und turnusmäßig Bundesratspräsident, kommt zusammen mit dem Präsidenten des französischen Senats, Gérard Larcher, und dem Marschall des polnischen Senats, Tomasz Grodzki.

Kerski erklärt, dass man dieses Mal vor allem auf Polen schauen müsse: "Grodzki ist einer der prominentesten Vertreter einer politischen Stimme Polens, die für Nähe zu den Nachbarn und Europa steht. Er kritisiert sehr stark das Zurückfahren der Rechtsstaatlichkeit."

Goethe als politisches Symbol

Vor 30 Jahren befand man sich in politisch brisanten Zeiten mit dem Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland und dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes. "In dieser Situation hatte Hans-Dietrich Genscher 1991 die Idee, Vertrauen durch regelmäßige Konsultation aufzubauen, und lud Franzosen und Polen dazu ein", erklärt Kerski die Entstehung des Forums. "Da spielte das Weimarer Dreieck eine enorme politische Rolle."

Weil es Genschers Anliegen gewesen sei, an Goethe anzuknüpfen, wurde die Konferenz in Weimar abgehalten. "Eine großartige symbolische Politik, die damals das neue Europa begründet hat", resümiert Kerski.
 
Aktuell setze die polnische Führung dagegen eher auf Distanz zu den Nachbarn, um im eigenen Land nationalistische Stimmung zu erzeugen. "Für sie ist Innenpolitik und damit die Bindung an ihre Wähler wichtiger, als effektiv Polens Interessen durchzusetzen", sagt Kerski.

Das gelte nicht nur die Beziehungen zu Deutschland, sondern auch zu Litauen und zur Ukraine. Stattdessen setze man auf Bündnisse zu Ungarn und Mitteleuropa.

(lsc)

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